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Handbuch für Autographensammler / Eugen Wolbe
Entstehung
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Dreizehntes Kapitel.

Großvater den Namenszug abrundete. Während seine Handschriftim übrigen unverändert blieb, hat Kronprinz Wilhelm denDuktus, Status und Druck seiner Handschrift mehrmals gewechselt.

Dergleichen Wahrnehmungen drängen sich bei flüchtigem Be-trachten auf (vgl. Abb. 8t, 84, 92, 93 und 94).

Trotz aller Intensität, mit der viele ernsthafte Forscher grapho-logische Studien treiben, kann man die Graphologie nichtwissenschaftlich werten. Vielleicht wird die Handschriftendeutungden Rang einer Wissenschaft erklimmen, wenn sich die grundlegende,auf Geometrie aufgebaute Methode von Ivanovic durchsetzt.

Bis dahin nehmen wir Autographensammler von den Ergebnissengraphologischer Forschung gern Kenntnis. Sind diese gesichert,d. h. durch die Tatsachen bestätigt, dann um so besser, dann ist dasGewinnkonto unserer Autographenfreudigkeit um einen weiterenPosten vermehrt!

Berufene Federn mögen in dem vorliegenden Kapitel die Auto-graphen der deutschesten Deutschen vom Standpunkte derGraphologie aus beleuchten, die von Bismarck, Thorna undHindenburg.

in der Beurteilung der Handschrift des Fürsten Bismarckfolgen wir einem Meister der Graphologie, Hans H. Busse, derauf Grund der Schriftzüge den Charakter des Eisernen Kanzlersfolgendermaßen entwickelt.

Beim Vergleich eines der einzelnen Teile eines wenn auch noch solangen Briefes von Bismarcks Hand findet sich eine überraschendeGleichmäßigkeit. Die Handschrift ist sich vom Anfang bis zumEnde durchaus gleich geblieben. Weder hat die mäßige Schrägeder Schrift noch ihre Enge oder Größe noch ihre Dicke sich irgend-wie verändert. Eine solche Konstanz der Schreibbewegungen isthöchst selten. Sie findet sich nur bei Personen von großer Kon-sequenz und Festigkeit. Die nur mäßige Schräge zu Anfang derSchriftstücke wir haben einen Neigungswinkel von durchschnitt-lich 85 Grad deutet auf einen Charakter, der gleichmäßig weitentfernt ist von kalter, nüchterner Verstandesruhe und steiferReserviertheit, wie von impulsiver Gefühlsherrschaft und unbe-