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Dreizehntes Kapitel.
Die chaotischen Zersplitterungen von Prometheusnaturen kenntBismarcks Charakter nicht, so viele Widersprüche er auch in sichvereinigt, die eine ästhetisch-harmonische Ausgestaltung der Ge-samtpersönlichkeit zur weltbeherrschenden Ruhe unmöglich machen(verschiedene Stellung und Gestaltung der i-Punkte; letzter Grund-strich der Worte oft schräg zurückgestellt und viel kleiner; Linien-richtung ist unsicher im einzelnen).
Die Konzeption nur eines Gedankens, in dessen Dienst sich derganze Willen stellt und alle übrigen Geisteskräfte gleichzeitig, wieKnechte, völlig in seinen Herrscherbann zwingt, um jene Idee zuverwirklichen — das ist Bismarcks Leben, und das ist auch derSchlüssel zur begrifflichen Lösung seines im Grundriß so einfachenund in der Detaillierung so komplizierten Charakters.
Bismarck war durchaus der Mann der Wirklichkeit (große, sehrverbundene und kräftige Handschrift ohne Schnörkel!); aber erwar es als der Verwirklicher einer großen Tat. In Hinsicht hieraufwaren ihm alle Menschen wie Figuren eines Schachspiels und alleseine einzelnen Handlungen wie die einzelnen, zum Teil lange vor-bereiteten, zum Teil aber auch aus der Gunst des Augenblicksgewagten Züge einer Schachpartie. Niemals war er ein gleich-mütiger, objektiver Beobachter und Beurteiler von Welt und Men-schen (keine steile, kleine, horizontal verlaufende Handschrift;Worte und Zeilen sind nicht genügend weit auseinander).
Als logischer Praktiker (sehr verbundene, einfache und druck-reiche Handschrift; die Schleifen in h, b, g usw. sehr eng) konnteBismarck kein Organ für Abstraktion, Theorie und Wissenschafthaben. Ihm war das Leben in einer großen Tat alles (außer-ordentlich große Handschrift, wie sie mit der gleichzeitigenkeit, Stärke und Eckigkeit selten vorkommt). Die reine, anteilsloseErkenntnis des Lebens und seiner vielartigen Erscheinungen warihm nichts. Wenngleich als Logiker stets scharf und konsequent(Buchstaben eines Wortes fast stets verbunden), so war Bismarckdoch niemals ein pedantischer Doktrinär (keine kleine und steileSchrift; i-Punkte verschieden gesetzt) oder sophistischer Dialekti-ker nur um des Wortes willen (i-Punkte, u-Haken usw. zumeist erst