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Vierzehntes Kapitel.
möge seine ,Grablegung“ in ein besseres Licht hängen, Lionardo zeichnet Modelle von Flugmaschinen und erläutert sie in Spiegel-schrift, Beethoven schreibt mit zorniger Feder einen seiner Aus-brüche leidenschaftlicher Melancholie, Mozart läßt die Buchstabenzierlich Menuett tanzen, Luther erklärt in harter Schrift einemFreunde ein Bibelwort. Aber noch großartiger sind die ganzenumfangreichen Korrespondenzen, die nur zum Teil bisher historischausgebeutet sind, die Briefe der Pompadour, die des Kardinals deBernis, die Byrons, die vielhundertseitige Korrespondenz zwischenNelson und der Lady Hamilton , der letzte Brief Maria Stuarts,zwei Stunden vor ihrem Tode.“
Von besonderer historischer Wichtigkeit für Deutschland warhierbei eine Sammlung von Briefentwürfen Voltaires an Friedrichden Großen. Es sind zumeist Kopien und Entwürfe, die er sichselbst zurückbehielt, und sie zeigen, „wie der listige Menschen-kenner bei aller scheinbaren Vertraulichkeit gleichzeitig so vor-sichtig war, sein Verhältnis zum König historisch sicherzustellenund bei Gelegenheit (wie er es ja später auch getan) zu seinenGunsten auszubeuten“. Auch ein eigenhändiges Gedicht Friedrichsdes Großen an seine Lieblingsschwester, die Königin von Schweden ,ruhte in dieser englischen Sammlung.
Nachdem diese Schätze über zwanzig Jahre lang in Kisten ver-packt im Hause ihres 1897 verstorbenen Besitzers geruht hatten,nahmen sie im Herbst 1917 den Weg, den bisher nahezu sämtlichebedeutenden Autographensammlungen gegangen waren: zur Ver-steigerungshalle des Antiquars.
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Martin Luthers Brief an Kaiser Karl V.
vom 28. April 1521. (Übersetzung von Johann Georg Walch , 1745.)
Versteigert bei C. G. Boerner in Leipzig .
Pierpont Morgan kaufte den Brief für den Preis von100000 Mark — Vorkriegszeit! — und schenkte ihn KaiserWilhelm II. , der ihn dem Dome zu Merseburg überwies.