Ernstes und Heiteres aus dem Reiche des Autographen. 529
Frau Wolff hat die erbetenen Beiträge schließlich doch be-kommen !
Ebensowenig wie bei Blumenthal ließ sie sich bei Adolf Menzel abweisen. Sie erzählt darüber:
Es war an einem Tage, an dem mein Ehrgeiz geradezu bis insRiesenhafte gewachsen war. Die Morgenpost hatte mir Briefe mitHandschriften vom Reichskanzler Fürsten Bernhard von Bü-low, von Maeterlinck, Sarah Bernhardt , Häckel undBjörnson gebracht — wenige Stunden darauf war es mir gelungen,Gerhart Hauptmann zu sprechen — kein Wunder, daß ich mirplötzlich Herkuleskräfte zutraute und auch vor dem „Unerreich-barsten“ nicht mehr zurückschreckte. Da fiel mir zur rechten Zeitdie freundliche Mahnung ein, die mir ein paar Tage vorher PaulMeyerheim mit auf den Weg gegeben hatte:
„Und nun gebe ich Ihnen noch den Rat, gehen Sie nicht zuMenzel — der haut!“
Ich gehöre nicht zu jenen aggressiven Naturen, die sich ohneGrund in Ungelegenheiten stürzen. An jenem Tage aber war meinMut so geschwellt, daß ich mir geradezu wie eine Memme vorge-kommen wäre, wenn ich den Weg zu der Höhle des Löwen, oderbesser zu dem Zwinger des Bären nicht gewagt hätte. So machteich mich denn „Stolz in der Brust, siegesbewußt“ auf zu dem Ge-fürchteten. Als ich die vier Stiegen zu dem Atelier hinaufgeklettertwar, leuchtete mir an der Tür eine festgenagelte Visitenkarte ent-gegen, auf der man neben Namen und Titel des Gewaltigen die querdurchschriebenen Worte: „Nicht zu Hause“ lesen konnte. Trotzdieser ziemlich eindeutigen Mahnung setzte ich doch die Klingel inBewegung. Ein Diener erschien. Exzellenz seien augenblicklichnoch in der Wohnung im dritten Stock, aber ich könne ja in einerhalben Stunde mal wieder vorsprechen, vielleicht —
Ich dankte, versprach wiederzukommen und faßte mit Würdeund Herzklopfen auf dem Treppennabsatz Posto. Und er kam.Ich stürzte ihm entgegen:
„Exzellenz!!“
Und in dem instinktiven Gefühl, daß mir doch vielleicht nicht
Wölbe, Autographen. 34