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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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merckunqen gemachten Nachrichten zuwider lreftn. Das landPeco ist in seinen charten allezeit naher bey America , als es utder that darbey liegt. Wilhelin Delisle erkannte diese fehler/ undgab sich mühe , dieselbe zu verbessern. Ja er traute auch an-dern fachen nicht, die recht waren, deswegen examrnirte eralle aufs neue, und sahe die vor ihin gestochenen charten nichtänderst als die materie an, woraus er seine wercke machen muste,und dieselbe erst, um zu seinem zweck zu kommen , m die rechteform zu bringen hätte. Er nahm zu diesem ende keine läge eineslandes in den alten charten für gewiß an, ehe er pe unter-suchet hat, und da er viele fehler darinnen gefunden, hat die-ses in feinen globis eine gäntzliche Veränderung verursachet,da immer eines das andere nach sich gezogen. Die Alten ha-ben sonderlich Europam und Asiam von Westen bis gegen ostenzu lange gemacht, welches er geändert hat, und folglich ha-ben fast alle orte eine andere longitudinem oekommen. Dieastronomischen observationen, so man in China deswegen ge-macht , haben diesen irrthum kkarlich bewiesen. Aber die Geo-graph, , so in der Astronomie wenig bewandert gewesen, woll-ten diese observationen nicht gelten lassen; sie konnten nicht be-greiffen, daß bey zwey observationen, davon eine zu Paris ,die andere zu Peking , beyde auf das allereigentlichste gemachtworden, die unvollkvmmenheit der Instrumenten, oder anderekleine fehler, die in dergleichen operationen unumgänglich dar-zwischen kommen können, kein grösserer unterscheid könne un-terlauffen, als es geschehen wurde, wann sie wären an demnemlichen orte, mit den nemlichen instrumenten durch die zweygeschicktesten Astronomos gemachet worden, und folglich dieserunterscheid, welcher in dem letztern exempel fast unmercklichist, so er auf eine so grosse entfernung, wie Paris von China liegt, ausgetheilet wurde, noch unmerckiicher werden, ja fürnichts zu rechnen seyn wurde. Nr. Delisle unternähme des-wegen , dieselbe auf eine andere weise zu überzeugen, welcheihnen begreiflicher wäre und seyn müste. Er machte eine samm-lung von allen beschriebenen see-fahrten, Journalen , und der-gleichen anmerckungen, so von den reifenden auf dem Mittel-ländischen meere sind aufgeschrieben, und darinnen das lagerder länder, vorgebürge, rc. ist aufgezeichnet worden, undzwar sowol die, welche von Capo zu Capo dem lande undden walten nach, gefahren, als die, so über die Mittelländi-sche see gekreutzet haben. Diese routen alle und ihre länge,nach der ausrechnung der steur - leuthe, zeichnete er auf einecharte, machte die nöthige abrechnung wegen den bekanntensee-strömen, wegen den verschiedenen winden, sahe auf die Ver-änderung der magnet-nadel; und nachdem er dieses alles aufdas genauste in obacht genommen, und seine see-charten dar-nach eingerichtet, fand er endlich, daß in der Mittelländischensee, ohne den geringsten unterscheid, eben die länge herauskomme, welche derselben hatte müssen krafft den astronomi-schen observationen gegeben werden. Folglich wurden die Geo-graph; überzeuget, daß die Astronomie mit kürtzern Mitteln be-zeuge, was durch lange ersahrung mit grosser mühe in derthat also zu seyn gefunden worden, und es sich folglich daraufauch zu verlassen sey, wo man das meer noch nicht, wie in derMittelländischen see, so genau, und seit so viel 1000. jähren hatdurchfahren, und alles bemercken können. Dann sie mu-sten also gestehen , daß die genauste ausmessung auf dem ortselbsten und durch viele zeit und muhe gemachet, endlich nichtsheraus bringe, als was drey Astronom, , die an verschiedenenorten ihre observationen machen, und zusammen tragen, aufdem papier und in ihrem cabinet ausstimmen können, sowie ein quadrat mit etlichen zahlen durch multiplication derlstermn ausgerechnet, eben so genau ausgemessen worden, alswann ein anderer die kleinern darinnen enthaltene quadrate,ein jedes ins besondere mit dem maas-stab und zoll-weise hätteabmessen wollen. Nr. Delisle konnte auf diese weise nichtfehlen, es in der Geographie weit zu bringen, er nahm beydesdie astronomische Theorie und die ersahrung, und so viel esmöglich war, die ausmessung der orten selbsten, darüber erseine charten machte, zu hulffe. An. 1700. im 2;. jähre seinesaltcrs gab er schon eine charte über den gantzen erdboden her-aus , und vier andere über die vier theile der weit ins beson-dere , beneben einer charte von Italien , und seinen zwey glo-bis, die einen halben schuh im durchschnitt hatten. Der hrm-mels-globus war nach den genausten und neuesten observatio-nen der Astronomorum von der Französischen Academie desSciences eingerichtet, und hatte der Herr Caßini selbst dieseswerck dirigirt. Um diese nemliche zelt gab auch Delisle eineland-charte von dem alten Africa heraus, von Carthago an biszum Freto Herculis , sonsten die mecr-enge bey Gibraltar ge-nannt. Dieses stuck war zum behuf der kirchen-sachen gema-chet, und, die alten Bißthüinmer dieses grossen landes zu erklä-ren , gewiedmet. Dieweil aber in den alten zeiten , sonderlichin Africa, die grosten Bißthümmer fast nichts anders, als grossePfarreyen gewesen sind, so muste auch diese charte in sehrviele kleinigkeiten eingehen, und waren darinnen alle wege,welche aus den alten itinerariis haben können zusammen ge-bracht werden, abgezeichnet, so daß sie auch der alten kirchen-historie dieser landen zu grossem behuf dienet. Nach der Handhat Delisle eine zweyte edition obgemeldter erd-charte undder vier theilen der welt gemachet, worinnen er noch einesund daS andere verbessert, und genauer untersuchet hat. Wor-innen er sonderlich alle vorurtheile der alten Geographorum

durchgethan, und vieles darvon bey der ersten edition fthoneingesehen und abgeändert hätte, wo ihn nicht eine gewisseehrerbietung gegen seine vorfahren, und sonderlich den gutenNicolas Sanson abgehalten hätte, welchem er nicht auf ein,mal so schnurgrad wollte zuwider seyn, sondern nach und »achdie welt an diese Verbesserungen gewöhnen, besonders wo ernur auf grössere probabilitäten, und nicht auf richtige demon-strationen seine Verbesserungen hat gründen können. Bey die-ser gelegenheit versprach er eine einleitung zur Geographieheraus zu geben, in welcher er sich vorgenommen, die Ursa-chen und deweg-gründe seiner correctionen und änderungen,da er von den Alten abgegangen, anzuführen, welches er abernicht ausgeführet hat, und hat er sich begnüget, in den Me-moires der Academie der wissenschafften über einige Punctenseine meynung zu offenbaren. Man stndet auch in den journa,len der Gelehrten von an. 1700. etliche briefe über diese materie,und unter andern zwey an Nr. Nolin,welcher den Herrn Delisle angeklaget hat, als hätte er etwas aus seiner erd-kugel ihm ab«gesehen. Nach dem jähr 1701. gab Delisle eine grosse mengeverschiedener charten heraus. An. 1702. wurde er als ein so-genannter Eleve de lAstronomie unter die Mitglieder derAcademie der wissenschafften aufgenommen, und hernach alsein Associe dargestellet. In der jugend des Königs LudoviciXV. ward er ihm als sein lehrmeister in der Geographie zuge-geben, und bekam dabey den neuen und vorhin niemalsbekannten titul eines Geograph, Regii , nebst einer jährlichenpensivn von 1200. francken. Erstarb an. 1726. im 51. jähreseines allers, und hinterließ nur eine tochter. Er hatte aber3. brüder, welche alle den wissenschafften nachgehenget. Diezwey jüngern legten sich auf die Astronomie, beyde sind von derAcademie der wissenschafften Mitglieder, und zwar der eine alsAssocie, der andere als Adjunctus. Der dritte bruder hat sichauf die Historie geleget. An. 1733. wurden die zwey erstemvon dem Czaar Petro I. nach Petersburg beruffen, um ihmin seinen projecten behülflich zu seyn, und neben einer astro-nomischen schule auch ein Observatorium aufzurichten. M(·

moires pour fervir ä lbtßoire des bommes ißujires , tom. I. sie-he auch den X. tom. im zweyten theile, wo eine lange schutz-fchrifl für Nr. Delisle einverleibet ist, und da die Urheber derlob-schrift des Nr. Sansons widerleget werden.

Delitzsch , eine stadt nebst einem schloß und Amt an der Lub-ber, in Meissen , 3. meilen von Leipzig , dem Hertzoae vonDachsen-Merseburg gehörig. Der nähme Delitzsch ist Wendi-schen Ursprungs, und soll so viel, als heiliger gründ heissen. Eshat der ort zu der Marck zu Landsberg gehöret, denn an. 13*2.als Hertzog Magnus von Braunschweig, und sein söhn, glei-ches nahmens, die Marck und Furstenthum zu Landsberg anFriedrichen den strengen, Landgrafen von Thüringen undMarggrafen zu Meissen , verkauft haben, wird das Haus undstadt Delitzsch ausdrücklich in dem kauf-briefe mit genennet. Inder theilung zwischen Churfürst Ernsten und Hertzog Albrech-ten von Sachsen , ist es an. 1485. an den letztern gediehen,und bey dessen nachkommen geblieben , auch krafft ChurfürstJohann Georgens I. testament an. 1632. an Hertzog Christian,seinen hinterlassenen dritten söhn, und darauf an dessen gestif-tete Merseburgische linie gekommen. An. 1429. ist Delitzsch von den Hußiten überfallen und ausgebrannt; ingleichen an.1327. durchs ftuer fast gantz ruinirt worden. Conf. Ptekm-ßeinii theatr. Sax. P. III. p. 136. 137. Sachs. UNd Schweb.Gtaats-Cantzley.

* Delius, (Matthäus) studirte zu Wittenberg , und wurdeallda Magister , von wannen ihn Dr. Bugenhagen nach Ham­ burg an die Johannis-fthule zum Conrectore an. 1329. ge-schickt. Er hat geschrieben: de Arte jocandi, 4. bücher inVersen, Franckf. t 378 . in 8. Hjde. Hamelmann. Opp. p. 974.

* Delle, (Claudius) ein Pariser von geburt, trat allda denr6. dec. 1Ü34. in dem kloster SS. Annunciationis in den Do-minicaner-orden , und lehrte, nachdem er seine studien absol-viret, die Philosophie zu Abbeville , legte sich auch aufs predi-gen , muste aber letzteres wegen vieler leibes-schwachheitcn ein-stellen. Daher applicirte er sich meist auf die Historie, inson-derheit was seinen orden anbetraf, und starb zu Paris den14. oct. an. 1699. nachdem er daselbst in eben dem jähre M-toire ou Antiquites de lEtat Monastique & Religieux in 4.duodetz-banden heraus gegeben. Beym III. tomo ist als einappendix befindlich , la Vie de Jeröme Marchand , Prieur dela grande Chartreuse de Grenoble, avec une table de tous lesPrieurs generaux de Fordre des Chartreux. Ecbard, bibl. Do-min. tom. 11. in iuppl. noviss. p. 3.

Delles, siehe Acadine.

* Delleville, (Nicolaus) ein Cölestiner -Mönch, war vonArras gebürtig, und starb zu Amiens an. 1669. nachdem er über30. jähre in unterschiedenen klöstern die stelle eines Priors beklei-det. Man hat von ihm Poemata Coelestina; Elegias & Com·mentarios in Mysterium Incarnationis, Passionis & Glorifica-tionis Jesu Christi ; Hieroglyphica Mariana, s. de sacris imagi-nibus & similitudinibus, quibus in Cantico Canticorum B. Ma-riaj Virginis virtutes depinguntur; Vies des Superieurs Celes-tins de la Congregation de France; U. st. m. Histor. Ccelestin.Gast. Congregat. p. 212.

Delli, oder Delhi , eine stadt und Königreich in Indien , imgebiethe des grossen Moguls. Die stadt liegt auf einem grossen

selbe