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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Musen gemacht. Wann unser Poet von andern über ihre auf-sähe , sonderlich von versen, raths gefragt wurde, pflegte erein sehr scharfer Censor zu seyn, und die fehler einem jeden gantzfrey unter die äugen zu sagen; als ihm einsmals eine scene voneiner comödie vorgelesen ward , darinnen man einen Könia re-dend einführte , ihm aber solche reden vorfielen, als warensie der Majestät eines Königs allzu unanständig, sprang er ausungedult von seinem fitz auf, und bestrafte die ausgelassene re-dens - art des authoris mit diesen Worten : Euer König hatsich vollgesoffen, sonst würde er dergleichen reden nicht gebrau-chen. Ein junger mensch aus Languedoc soll sich gar zu tvde ge-grämt haben, als ihm I'Estoile in einer comödie, darinnen er«in sonderbares meister-stück abzulegen vcrmeynte, eine ziemli-che anzahl grober fehler gantz deutlich hervor legte. Sonstenwar dieser mann auch sehr geneigt zur liebe, zog sich aber damitviel Verdruß auf den hals, wie er dann, als er letztlich eineperson ohne Mittel geheurathet, darüber grosse armuth erlei-den muste, welche er doch stanbhafftig, und ohne jemand be-schwerlich zu fallen, ertragen ; für das sicherste hielte er in die-sem zustande, um seine Haushaltung desto besser einschräncken zukönnen, Paris aufzugeben, und das land - leben zu erwehlen,in welcher einfamkeit er auch bis auf seinen an. i6;i. er-folgten tod verblieben. Pelijj'on. Fontanier , hist. de lAcademieFranqoise. *

* Eftoile i (Petrus de 1) war aus eben dem geschlechte,wovon auch Petrus de I'Estoile, Herr von Gland , von demein eigener artickul folget, entsprossen war. Er trat in seinerfugend in den geistlichen stand, und ward anfänglichProfessorJuris zu Orleans , woselbst, er an. 1329. unter andern auchJvh. Calvinum zu einem zuhörer hatte, nach diesem aber Ca-nonicus zum heiligen Creutz und zu St. Aignan in eben dieserstadt, ingleichen Official des Bischoffs, und Archidiaconusvon Sully. Als nun hierauf Franciscus I. seine Verdienstekennen lernen, zog ihn derselbe nach Paris , und machte ihnanfangs zu einem Parlements-Rath, nachher» aber zum Präsi-denten bey einer Enqueten-Cammer von eben diesem Parlement,in welcher würde er denn auch, vermuthlich um die mitte desXVI. feculi, das zeitliche gesegnet.

* Eftoile, (Petrus de 1') Herr von Gland , ein söhn Lu-dovici, der Präsident aux Enquetes bey dem Parlement zu Pa­ ris war, und diesen söhn mit der tvchter Francisci Montolon,Siegel - Verwahrers von Franckreich, gezeuget hatte. Petrus ward Groß-Audiencier bey der Cantzley zu Paris , und starban. itn. Er ist sonderlich wegen des Journals de Henri III.bekannt, welches von ihm gesammelt, und nach seinem tobevon seinen freunden zu verschiedenen malen,am allervollständig-sten aber an. 1719. zu Brüssel in zwey theilen in 8. unter demtitul: Memoires pour servir ä lhistoire de France heraus ge-geben worden, und viele besondere umstände, so zur HistorieHenrici III. und IV. von Franckreich gehören, in sich hält.Hiezu kam auch an. 1732. sein Journal de Henri IV. worin-nen vorgebuchtes buch erst recht ergäntzet wird. Von seinensöhnen sind zu mercken: Franciscus, Prior von Hornoy, desCardinalS von Richelieu Secretarius, und Claudius , von demoben gehandelt worden. Le Lang , biblioth. hist. de la France .

* Eftora , lat. Stora, eine stadt vor dem in Numidien ,oder jetzo in Constantine , einer provintz im Königreich Algier inAfrica , etwan zwölf weilen von Colle, hat einen grossen undguten haftn am Golfo , so von Estora den nahmen hat.

Eftotiland < isi eine weitläuftige landfchafft im mitternächti-gen America , gegen die mittägige lande und dem nördlichentheile von Neu-Franckreich gelegen., Sie hat einen fruchtbarenboden, ist aber bergicht, und mit wäldern, die mit wilden thie-ren angefüllet, überwachsen. Sie wurde zu erst von zwey Ve-netianern, nemlich Nicolao und Andrea Zeni, hernach abervon einem Polen , mit nahmen Johann Scolul, entdecket, je-doch nicht weiter, als was die kuste betrift, da sie von den Por-tugiesen Terra di Labrador , von den Engelländern aber Neu- Britannien gencnnet wird. Davity. Du Val , &c.

Eftouteville, ein flecken in der Ober-Normandie, welchenFranciscus I. an. 1534. zu einem Hertzogthum gemacht, undwoher die adeliche familie von Estouteville ihren nahmen hat.

Eftouteville, ein ansehnliches geschlecht in Franckreich.Der erste, davon in den Historien Meldung geschicht, ist Rober-tus I. Herr von Estouteville, welcher an. 1066. mit WilhelmsConquestore nach Engelland gieng. Er hinterließ einen söhnmit ihm gleiches nahmens, Herr von Estouteville und Valle-mont, deffen söhn, Nicolaus I., die Abtey unser lieben Frauenzu Vallemont an. 1169. oder, wie andere wollen, an. 1116.gestiftet. Er hatte fünf söhne, darunter der älteste Robertus III.<ui. 1185. gestorben, von seiner gemahlin Leonella, einer schwe-ster und erbin Roberti Herrn von Rames, Henricum I. nachsich lassend. Dessen söhn, Johannes I. , lebte noch an. 1231.und wurde ein vatter Roberti IV. Passemer zugenannt. Dieservermählte sich mit Alix Bertrand , einer tochter Roberti,Herrn von Briguebec, und zeugte mit ihr verschiedene kinderbeyderley geschlechts. Unter den söhnen hat Estout von Estou-teville die linie der Herren von Torcy aufgerichtet, von wel-chem hernach ; dessen bruder Robertus V. lebte um das jähri;o;. und vermählte sich mit Margaretha von Hotot, die ihmverschiedene kinder gebohren, darunter zu mercken Robertus VI.,

Nicolaus der Herren von Aussebose, Raulphns der Herrenvon Rames , und Nicolaus der Herren von Bouchet flammvatter. Robertus VI. , Herr von Estouteville, befand sich m>375. bey der belagerung von Coignac, und starb an i,»«den 22. febr. Seine gemahlin Margaretha von Montw'orem«Caroll, Marschalls von Franckreich tochter, gebahr ibm To'hannem II., Wilhelmum Bischoff von Evreux , und äüdmJohannes II. pflantzte das geschlecht fort, und zeugte mit Mar^garetha von Harcourt, Ludovicum I. und Wilhelmum , » ßndem hernach besonders. Ludovicus I. wurde Groß-Senestballund Gouverneur von der Normandie , und an. 144;. zum Grv«-Schencken erwehlt. Er erwies seine tapferkeit in dem kriege wi-der die Engelländer, und kam dem Könige Carolo VII m dereroberung von der Normandie nicht wenig zu statten Eistarb an. 1463. Sein söhn Michael wohnte der erodcruna derstadte Falaize, Caen und Cherdourq an. 14z«. bey, und hatteeinen /ohn , Jacobum, Ritter, Rath und Cammer-Herrndes Königs, wie auch Capitain von Falaize. Dieser vermahltesich an. 1480. mit Louise von Albrct, die ihm verschiedene kindergebohren» darunter sich Johannes III. auf erhaltene Päpstlichedispenfativn an. 1309. mit Jacobina von Estouteville, seinernahen anverwandtin, vermählet, und mit ihr Adrianam, Her-tzogin von Estouteville, gezeugt, von welcher gleichfalls ein dpsonderer artickul folget.

Estout von Estouteville, ein söhn Roberti IV. Passemer qe-nannt, war Herr von Torcy und Estouteville, und vermähltesich an. 130;. mit Alix von Meulant, die ihm Johannen, ae-dohren , so von feiner gemahlin Johanna von FienneS , einvatter worden: 1.) Nicolai, 2.) Thomä, erstlich Requetenmei-sters, und nachgehends Bischoffs zu Beauvais , so an. 1394. ge-storben. 3.) Johannis, Herrn von Charlemesnil. 4.) Wil-helmi, Bischoffs von Auxerre , und hierauf von Listeux, wel-cher zu Paris das Collegium von Listeux,genannt von Torcy,ge­ stiftet , und an. 1414. gestorben. 3.) Eines fohns, so Abt vonFescamp und Bec worden. 6.) Raulphi, Ertz-Capellans inEu. 7.) Roberti, Ertz-Capellans zu Neuburg ; 8.) Jvhan-nis, des stamm-vatters der Herren von Villebeon, so an. 1364.gestorben. 9.) Aegidii, Ertz - Capellans zu Eu; und endlicheiner tochter Johannä. Nicolaus, der odgemeldte erstgebohr-ne sohn, genannt Colart von Estouteville, Groß-Jägermeistervon Franckreich , welcher von seiner gemahlin Johanna vonDoudeaville, ein vatter verschiedener kinder worden, davonJohannes und Robertus zu mercken. Johannes wurde Ritterdes ordens von St. Michael, Richter zu Paris , Capitain aufder vestung Caen , rc. und zeigte in viel gelegenheiten feine ta-pferkeit, stiftete auch an. 1488. die Collegial-kirche zu Blain-vtlle, und starb sechs jähr hernach, ohne rechtmäßige kinder zuhaben. Robertus von Estouteville, Herr von Baine, rc. Rich-ter zu Paris und Königlicher Cammer-Herr, zeugte Jacobum,Richter zu Paris , welcher ohne männliche erben gestorben, uRoque, hist. dArc & dEstout .Summarthan. histoir. genial, delaFranc. & Gall. Christ. R/anchard, hist. des Maitr. des Req. LtP. Ansehm & Gnde/'rny, hist. des Offic. de la Cour. Du Chint.Philelphus, lib. XXIII. ep. 13. lib. XXXI. ep. 30. UgbtD. Ital.sacr. Mattb. hist. Ludov. XI. lib. X. Friton. Gall. purpur.Aubery , hist. des Cardin. Monsirelet. Onuphr. &c. *

t Eftouteville , (Wilhelmus von) Cardinal und Ektz-Bifchoff zu Rouen , Bischoff zu Ostia , Veletri, Porto, An­ gers , Terouenne und Beziers , Abt von St. Ouen zu Rouen ,von Jumieqes, Mont St. Michel und Montebourg, Priorvon St. Martin des Ghamps, Grandmont und Beaumont enAuge, war der andere söhn Johannis II. Herrn von Estou-teville , von dessen gemahlin, Margaretha von Harcourt. Erwurde an. 1437. oder J439- von Eugenio IV. zum Cardinalund bald hernach zum Cämmerling der Kirche gemacht. Als dieTürcken an. 143;. Constantinopel erobert,schickte ihn Nicolaus V. alS Legaten nach Franckreich, um den König Carolum VII. zueinem frieden mit Engelland, und zum bündnis wider die un-gläubigen zu bewegen. Bey einer andern Legation, die er indiesem Reich verwaltete, verbesserte er die statüten der Universi-tät zu Paris , und berathschlagte sich zu Bourges mit der Fran­ zösischen Geistlichkeit über die beobachtung der 5 anctionis^Prag -Marie«. Er starb endlich an. 1483. den 22. dec. als Decanusdes heiligen Collegii zu Rom , und wurde daselbst in der von ihmgestifteten Augustiner-kirche beerdiget, fein Hertz aber in derDom-kirche zu Rouen beygesetzt. Von einer Römerin hinterließer zwey söhne, Hieronvmum und Augustinum, deren nach-kommen sich in dem Königreich Neapolis aufhalten. Von den-selben starb an. 1679. den 30. ian. zu Madrid Franciscus vonEstouteville oder Tutavilla, Hertzog von St. Germain, König-lich-Spanischer Staats-Rath , in dem achtzigsten jähre seinesalters. 5 ammartban. Gall. Christ. Anfelme , hist. gen. tom. VIII.

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* Eftouteville, ( Adrienne d) Hertzoqin und Vicomtessevon Roncheville, Freyftau von Cleuville und Briguebec, einzigetochter und erbin Johannis III. Herrn von Estouteville, wardzu Paris an. 1334. mit Francisco von Bourbon, Grafen vonSt. Paul, dem jüngern Printzen Francisci von Bourbon, Kra,fen von Vendome, und Maria von Luxemburg , Gräfin vonSt. Paul, vermahlet. Aus dieser ehe ward gebohren Franci­ scus II. von Bourbon , Hertzog von Estouteville, Gouverneurüber das Dauphine, so an. 1346. gestorben, und Maria, die

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