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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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itm Provence, rc. Die Häfen an dem Ocean sind Bkest, Bla-set, St. Paul de Leon , fiuqon, Röchelte, Brouage, Havrede Grace, Dieppe , Calais , St. Baien, Treporl, Bayonne rc.Die am Mittelländischen meere sind Marseille und Toulon , rc.Was die grossen und mäßigen städte anlanget, so zehlen einigederen 3°°°., und rechnen 50000. kirch-spiele, dazu unter Königskaroli IX. regierung bey 20. Millionen seelen sollen gehöret haben.Die hauvt-stadt des gantzen Königreichs ist Paris , darauf folgenLvon, Toulouse , Bourdeaux, Rouen , Poitiers , Orleans ,Air , Diion, Grenoble und andere, die unter einer jeden pro-siutz insonderheit angeführet werden. Nicht weniger hat esauch in fremden ländern seine Unterthanen. Also besitzet es inAmerica Neu - Franckreich, einige von den Caribischen insuln,als Guadeloupe, Martinique rc. nicht weniger die nord - feitevonHispaniola, und andere, wie denn auch in Africa den süd-lichen theil von Madagascar . Das land hat durchgehends ei-nen ziemlichen vorralh an körn, wein , öl, wandeln , feigen,castanien, saltz, Hanf, saffran, odst-sri'ichten, vögeln, aller-ley schnabel-wcyde und grossem viel), rc. neben dem dringet es al-les hervor, was zu erhaltung des menschlichen lebens gehöret;weswegen sich Kayser Maximilianus einstens vernehmen lassen,daß, wenn er könnte GOlt seyn, so sollte ihm sein ältester söhn indesteigung des Kavserlichen throns folgen, der andere aber Königin Franckreich werden. Doch leidet es Mangel an metallen, gvld,ßlber und dergleichen, welcher aber durch die häufige besuchungfremder nationen, manufacturen und anders reichlich ersetzetwird. Die Franzosen sind arbeitsam, erzeigen sich gegen diefremden sehr Mich, sind dabey hitzig und zum kriege geneigt,können aber nicht viel verdrieslichkeiten ausstehen. Ihr geist istmehrentheils lustlg, und vertiefet sich nicht gern in subtilen din-gen , welche sich ohne langes nachsinnen nicht begreiffen lassen ;wie sie denn auch sehr wollüstig und unbeständig sind, wel-ches absonderlich ihre kleidung bezeugen kan. Über dieses sindsie sehr spöttisch und höhnisch. Wenn wir ihren eigenen scri-benten glauben wollen, so sollen die anständigsten lugenden,welche i» andern Europäischen ländern nur einzeln, bey ihnenzusammen anzutreffen, eine jede aber hauptsächlich in einer ge-wissen provintz zu finden seyn, als z. e. die Teutsche freyheitund aufrichtigkeit in der Picardie; die Schwedische großinü-thigkeit in Chamvagne; die Polnische Munterkeit in Languedoc ;die Italiänische kluqheit in Provence ; die Spanische gravitätin Gascogne; die Schweitzerische treue in Dauphin« ; die Grie­ chische Verschlagenheit und spitzfindig keit in der Normandie ;und die Flanderische ardeitsamkeit in Burgund . Was die äus-strliche deschaffenheil ihrer Personen anlanget, so sind sie gemei-niglich von einer mittelmäßigen qröffe. Übrigens sind dieFranzosen ursprünglich eine Teutsche nation, wie bereits un-ter dem titul Francken erwehnt worden, welche sich die Gallierunterwürfig gemacht, und ihren nahmen anzunehmen genöthi«get. Sie selbst erwehlten an. 417. oder an. 420. einen König,welcher zu selbiger zeit, als der gründ zu der Franckischen Mo-narchie in Gallien gelegt worden, regieret, und Pharamundusgeheißen, wiewol dieses, ob Pharamundus jemals über denRhein gekommen sey, einige vor sehr ungewiß halten. Dochsein söhn Clodion nahm Cambray, Tournay und gautz Nieder,land zwischen den flüssen Somme und Scheide ein. Nach sei-nem frühzeitigen hintritt setzte sich sein stief-sohn Meroveus diecrone auf, um welche er den rechtmäßigen erben gebracht hatte.Dieser Meroveus war der »rheber der Merovingischen linie,welche bis an. 751. oder 52. gedauert. Denn weil MeroveiNachfolger den Wollüsten sich ergaben, und das regiment denGroß-Hofmeistern überliessen, verlohren sie dadurch sogar ihransehen, daß Pivinus CHUdericum 111 ., den letzten dieser linie,an. 751. in ein kloster stieß, worauf Pivinus aus einem Her-tzoge zum Kömg der Francken zu Soissons an. 752. gemacht,von seinem j'ohne Carolo M. aber zu dem Carolingischen Kayser-»nd Königs - stamme der gründ gelegt worden. Carolus M.setzte zwar Franckreich durch seine grosse siege in das gröste an-sehen ; allein seine Nachfolger waren um so viel weniger ge-schickt selbiges zu erhalten, je mehr die schädliche vertheilnngder länder und nachläßige regierung bey ihnen Unordnung ver.ursachte; dahero denn solches um so viel leichter nicht langnach dem verlatif zweyer feculorum Hugo Capetns, der Ur-heber der Cavetmgischen linie und Vormund Ludovici des fau-len, dcS letzten aus dem vorigen stamme, zu sich gerissen,welcher sich in seinen nachkommen in drey zweige getheilet.Davon der Capetingische von gedachtem Hugone Capeto an bisauf Carolinn IV. den schönen, der Balesische von Philippo VI.bis auf Henricum III., und der jetzt-grünende Bourdonische vonHenrico IV. bis auf gegenwärtige zeit gewähret.hat. Wasnun die begcdcnheiten unter allen diesen Königen von Franck-reich betrift, so können solche unter eines jeden Königs artickulweitläuftig gelesen werden. Doch ist zu mercken, daß vor-mals in diesem Reiche der Könige gemalt bey weitem so großnicht gewesen, als in diesen neuern zelten. Denn erstlich hat-ten sich unter den Larolingi« die Verweser der provintzen erblichgemacht, und so viel länder von der Crone abgerissen, daß,als Hugo Capetus zur regierung kam, die Könige nichts vor sichbesassen, als die Grafschafften Paris und Orleans , und densogenannten vucawm t'rancia:, oder den landes-strich, der zwi-schen der Seine und Loire lag; die Hertzoge und Grafen aber,nahmen blos ihre länder voin Könige zu lehn, und thaten imübrigen, was sie wollten. Da auch diese nach und nach ent.

weder aussturben, oder unter den fuß gebrächt, und ihreländer mit der Crone vereinigt wurden, war doch d«e machtder Könige durch die Parlemente, ohne welche sie nichts thunkonnten, noch ziemlich verschränckt. So musten auch von zeitzu zeit die drey Stande des Reichs, der geistliche, adeliche undbürgerliche zusammen beruffen, und über die angeleqenheitendes landes gehört werden. Diese Reichs - tage aber haben seitLudwigs XIII. zeiten aufgehört, und sind seit dem auch durchdie künste der beyden Cardinäle Richelieu und Mazarin die Par-lemente so herunter gesetzt worden, daß sie jetzt dem Königeschlechterdings zu geböte stehen müssen. Durch dieses Wachs-thum feiner macht, hat auch Ludwig XIV. seine FinanzenÜberaus erhöhet, und jährlich bis auf 150., ja in gewissen jäh-ren «der 200 . Millionen francken gebracht, da sie sich noch unterHeinrich IV. nur etwan auf,6. und unter Ludwig XIII . zumhöchsten auf etliche 70. Millionen belanffen. Ausser dem rech.net man auch, daß die Clerisey 104. und eine halbe Millionjährlichen einkommens habe. Was die menge der einwohnerbetrift, so rühmte der Cardinal Richelieu , welcher die genauesterechnung, als nur immer möglich war, davon einziehen las,sen, daß Franckreich 600000. mann zu fuß und 150000. zuPferde aufbringen könne, wiewol vielleicht seit Vertreibung derHugenotten an dieser rechnung etwas abgehen mag. Die reit*givn war vormals in Franckreich gemengt, nachdem die Re,formirten sich seit Francisco l. daselbst ausgebreitet, und nachvielen blutigen kriegen, unter Heinrich IV. durch das berühmteedict von Nantes endlich die völlige freyheit vor ihre religions-ubung erhalten. Ludwig XIV. aber hat sie an. 1685. nachaufhedung bemeldten edicls entweder gezwungen den Catholi«scheu glauben anzunehmen, oder aus dem Reiche verjagt, baßalso nunmehr der Catholische gottesdienst in diesem Reiche al-lein im schwänge ist, wiewol hin und wieder noch heimlichviel Reformirte stecken, die sich auch nach der Hand bey ver-schiedenen gelegenheiten hervor gethan. Die Verfassung derFranzösischen kirche ist jedoch überhaupt also beschossen, daß sichdieselbige mehrerer freyheiten als andere länder gegen die gewalldes Römischen stuhls in äusserlichen dingen anmaßt, davonhäufige schristen am tage liegen. Zu ihren qrund-gesetzen ge-hörte vormals die von Carl vn. verfaßte, und hauptsächlich inden schlüssen und l Verordnungen des Baßler Loncilii bestehendeSanctio Pragmatica, die aber durch das Concordat unter Fran-cisco geändert worden , davon unter besondern artickuln nachzu-sehen. Ietzo hat der König macht die entledigten Bißlhümmer,Abteyen und Priorate durch seine crnennung zu ersetzen, eSkan auch ohne seine bewilligung keine Päpstliche bulle 'im Kö-nigreiche gelten, so gehören ihm auch die einkünfte in Stif-tern , so währender vacantz fallen, da hingegen der Papst dieannaten zu geniessen hat, wiewol er auch dem Könige wegenseines rechts, so man la Regale nennet, verschiedene streitigkei-ten erreget. Insgemein dienen die sogenannten freyheiten derFranzösischen kirche mehr zu vergrössernng der Königliche«macht, als daß sie der Clerisey etwas helffen sollten. Aus die-ser quelle ist auch unter Ludwig XIV. der streit wegen derPäpstlichen bulle Unigenitus hergeflossen. Der König wollteselbige zwar angenommen haben, etliche Bischösse aber sa,hen sie vor einen eingriff in die Französischen kirchen-freyheitenan, und appellirten an ein allgemeines Concilium, welcher ap-pellation hernach bey erfolgter Veränderung des regiments vielandere Bischöffe, die Sorbonne und ein grosser theil der nie-drigen Clerisey beygetreten, denen es der Hos nicht gewehret.Unter den Päpsten Albani und Conti hat sich die fach nicht wol-len schlichten lassen; wiewol sich der Hof, nachdem er eine zeit-lang am meisten für die appellirende geneigt geschienen, undsogar alle Parlemente in Franckreich selbigem appel beyzu,al-len bewogen, dennoch bald wieder sich für die bulle erklärethatte. Jedoch als der Papst Benedictus XIII . den thronbestiegen, der selbsten ein eifriger Thomist gewesen seyn soll,so liesse sich alles um so mehr zum vergleich an, als die ap-

S Arende immer versichert haben, wie sie nur für die lehreomä und Augustini, welche in der bulle unter dem nahmender Quesnellischen provositionen verdammt schiene, wären be,sorgt gewesen. Vielleicht wirds anlas geben ein mehrers davonzu melden, wenn man im druck dieses Lexici auf den artickulUNIGENITUS kommt. Der König in Franckreich läßt sich denAllerchristlichsten nennen, und wollen sich diesen nahmen ei-nige schon von Clodovai I. zeiten herführen. Es ist aber wahr-scheinlich , daß der Ursprung solcher benennunq von den Päpstenzuerst herrühre, die auch andern Königen bisweilen in ihren zu-schriften damit ein compliment machten, und daß Pius II. die-sen titul Ludwig XI. zuerst gleichsam eigenthümlich beygelegt.Es heißt auch ein König der erstgcdohrne söhn der kirche, weildie Französischen Könige in Vertheidigung der kirche und desPapsts immer die fördersten wollen gewesen seyn. Die Fran­ zösischen Gesandten wollen den vorzug vor allen andern Ge-sandten , ausser vor den Kavserlichen behaupten, worüber c§unter Ludwig XIV. mit der Cron Spanien streit gegeben. Je-doch ist Franckreich meistens im besitz des Vorganges, und hakauch , als deswegen dem Französischen Gesandten zu LondenGrafen ä'Estrades von dem Spanischen Baltcville der bekannteschimpf geschehen, sich eine gar nachdrückliche satisfactionverschaffet. Die Königliche salbung geschiehet seit Clodoväo I.zu Rheims von dem Ertz- Bischöffe daselbst. Es warten da.bey von Ludwigs. zeiten an, die i». alten Pairs von dem