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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
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Mangel des Proviants sich nach dem Magdeburgischen zurückzog, und der Marck in etwas tust machte; aber durch hinweg-nehmung Leipzig den Churfürsten zu Sachsen nöthigte, dieSchwedische alliantz zu suchen. In diese begab sich auch unserChurfürst, wohnte dem kriegs-Rath zu Düben persönlich bey,und ließ nach dem glücklichen ausgang der Leipziger schlachk,wobey er sich wegen wichtiger Ursachen nicht mit befunden, seinetrouppen unter commando des Sächsischen Generals Arn-heim wider den Kayser in Böhmen und Schlesien agircn, woaber nicht gar viel ausgerichtet wurde, welches des von Arn-heim heimllchem verstandins mit den Kayserlichen und Wider-willen gegen König Gustav Adolphen zugeschrieben wurde.Unterdessen wurden auch allerhand tractate init diesem Königegepflogen , dem man zu dem Directorio über alle Protestantenverheißen wollte, und dagegen eine Vermählung zwischen derKöniglichen Printzeßin Christina und dem Chur -Printz Frie-drich Wilhelm zu stiften suchte. Allein der an. i6;i. in derschlacbl bey Lützen erfolgte tod des Königs, dessen leiche derChurfürst bis nach Wolgast begleitete, verrückte solche anschlüge,wiewol auch nach diesem fall, aber vergebens, daran gearbei-tekwurde. An. 16;;. und 34. brachten zwar die Schweden und Hessen einen guten theil der Westphällschen lande in ihregemalt, doch mit schlechtem Vortheil des Churfürsten, zumalsie bald wieder von den Kayserlichen ansgejagt wurden, undnur Lippstadt bis zum friedens-schluß beständig behielten. Indiesem jähre i6;;. nahmen die Kayserlichen Franckfurt undLandsderg wieder ein, so ihnen im folgenden jähre wieder ent-rissen worden, in welchem jähre auch der Churfürst Spandau wieder einbekam, weil die Schweden nach der Nördlinger -schlacht gelinde satten aufziehen musten. Auch willigte er an.1639. in denparticular-frieden, den Chur-Sachsen zu Pirna und Prag mit dem Kayser geschlossen, damit die Schweden wieder mit guter manier aus Pommern geschafft werden, undihn an seinem succeßions-recht in selbigem Hertzogthum nichthindern könnten, wozu ihnen der von König Gustav Adolphenan. i6?o. den io. jun. mit Hertzog Bogislao gemachte vergleichgelegenheit geben könnte, und auch würcklich nachgehends ge-geben, in welchem der König sich ausgedungen, daß im fallder Hertzog sterben sollte, ehe Chur-Brandenburg diese alliantzratificiret, oder das seinige, Pommern von der Kayserlichenmacht zu befreyen, beygetragen, oder so diesem Hause ein an-derer wegen der succeßion streit erregte, der König und die CronSchweden das recht haben sollte, das Hertzogthum so lange inVerwahrung zu behalten, bis der streit ausgemacht, und dieUnkosten des krieges ohne beschwerde von Pommern wieder er-stattet worden. Dieses bewog , wie gedacht, den Churfürsten,daß er den adzug der Schweden aus Pommern je eher je liebergesehen hätte. Doch gedachte er anfangs keine feindseltgkeitwider dieselben auszuüben , sondern bemühete sich vielmehrzwischen ihnen und dem Kayser friede zu stiften. Wie denn auchder in diesem jähre zu ende lauffende stillstand zwischen Schwe­ den und Polen , sonderlich durch seine Vermittelung auf 26.jähre verlängert worden, in welchem die Polen , alles was dieSchweden in Preussen besessen , und der Churfürst bisher inVerwahrung gehabt, dieser hingegen auch sein Memel und Pik-lau wieder bekam. Er hatte wegen diesen landen an. 16;2.seine Gesandten auf den wahl-tag zu Warschau gesendet, wel-chen aber der verlangte sitz und stimme von den Polen nicht zu-gestanden ward; doch wohnten selbige an. 16;;. dercrönungdes Königs Uladislai bey, und giengen in der proceßion mitdem ältesten Königlichen Printzen. Nachdem also Pillau undMemel wieder in des Churfürsten Händen, continuirte er dievon Schweden daselbst angelegte zölle, die er durch die ersten2. jähre den Polen gantz überlassen, nachgehends aber jährlich100000. gülden davon abgeben müssen. An. 16;;. und in denfolgenden jähren sahe es «dermal sehr elend in der Marck aus,indem die Schweden und Sachsen einander darinnen herumjagten. Die letztern nahmen Havelberg , die Werder-schantze,Ratenau und Brandenburg ein , wurden aber an. 16;6. beyWitstock von den Schweden geschlagen, welche hierauf ihnenalles eroberte wieder entrissen, und noch dazu mit gewalt diewinter-qnartiere in dem verwüsteten lande nahmen. Als auchan. 16;7. der letzte Hertzog in Pommern , Bogislaus XIV. ohneerben abgieng, wurde der Churfürst von Schweden unter obenangeführten Ursachen an ergrcissung der posseßion dieses seineserbtheils gehindert, weswegen er an statt der bisherigen Neutra-lität die waffen wider sie ergriff, jedoch mit seinem schlechtenvorthetl; indem die Marck darüber vollends in den gründ ver-derbet worden, daß an etlichen orten auf viel meilen weges keinmensch anzutreffen gewesen. Wiewol auch die bauren hin undwieder / sonderlich m dem sogenanten Tremmeling den Schwe­ den grossen abbruch gethan ; wie sie denn auch in diesem lahrcolle orte an der Havel wieder verlvhren, und bis in Pommern zurück getrieben worden. An. 1638. aber haben sie sich wiedererholet, und die Kayserlichen aus der Marck, und bey Werbenüber die Elbe sich zu retiriren gezwungen. An. 1639. erober-en die Schweden Gardeleben, Driesen, Landsberg und Franck-furt , der Churfürst aber ließ die verfallene Oderburg wieder re-parirenreisete darauf rn Preussen, und ließ daraus einigevolcker über die Düna in Liefland einfallen , welche bis unterMga streiften, aber mehr schrecken als schaden verursachten. DerChurfürst starb unter dieser unrube zu Königsberg an. 1640. den*1. NVV. Scriptore: Brandenb. pufmd. einleitUNg jUI histvr.

von Schweden . Idem, de rebus gestis Frid. Wilhelmi Elect.Brandenb. initio.

ffieomtufi. Marggraf zu Brandenburg , sonst der frommezugenannt. Er war Marggraf Friedrichs, des stamm-vaitcrsder Franckischen linie, anderer söhn, gebohren zu Onoltzbachden 4. martii an. 1484. und von der Mutter bruder, Ladislao ,Könige in Ungarn und Böhmen , erzogen. Bey selbigem hatteer sich in solche gnade gesetzt, baß er ihm erstlich Warasdin undetliche verpfändete Herrschafften einzulösen erlaubte, nachmalsaber das Hertzogthum Iägerndorff verehrte, und seinen nochminderjährigen söhn Ludovicum nach seinem tobe zu erziehenanvertrauete. An. 1919. trat er in gemeinschafft mit seinemältern bruder, Marggraf Casimiro, noch bey ledzeiten seinesvatlcrsdie regierung an, reisete an. 1929. nach Wittenberg , umLulheri rath wegen der reformation einzunehmen, und bekannte

K hierauf öffentlich zu dessen lehre, suchte auch seinen vatteeinnen zu unterrichten, und seinen bruder Marggraf Casi-mirn darzü zu dringen. An. 1524. erhielt er von dem KönigeLudwig m Ungarn die confirmalion eines mit den HertzogenHans zu Oppcln, und Valentin zu Ratibor aufgerichteten erb-vertrags, daß im fall beyde ohne erben abgehen würden, diejdFürstenthümmer Marggraf Georgen, und dessen bruder Casimirzufallen sollten. Es hat aber der König Ferdinandus mit un-serm Marggrafen an. 1931. einen vergleich getroffen, daß er,wann diese Hertzogthümmer an ihn fallen würden, dieselbe ihmdem König, oder seinen erben gegen 130000. Ungarische gold-gülden mit vorbehaltung der rechten auf Beuchen und Oder-berg abtreten sollte. Bey der bauren-unruhe ließ er so viel ge-ltndigkeit, als sein bruder ernst sehen, indem er die gefangenenmit ihm theilte, und den/einigen allen das leben schenckte. An.i?r6. zog er mit den Böhmen und Mähren wider die Türckenin Ungarn , gieng aber nach der unglücklichen schlachk bey Mo-hatz, so schon von seiner ankunft sich zugetragen, wieder zurück.Nach seines bruders ködtlichem hinlritt übernahm er die vor-mundschafft des hinterlassenen Printzen Albrechts, und besaßmit ihm die lande unzertheilt, bis durch einen zu Regenspurgan. i?4l. aufgerichteten tractat MarggrafGeorgen die Onoltz-bachischen lande zugetheilt worden. An. 1528. wurde die Lu-therische religion völlig eingeführet, und hielt er hierauf, mitbeytritt der ftadt Nürnberg , einen Convent zu Schwabach inselbigem jähre, aus welchem er 17. artickul entwerffen ließ, wor-nach man sich in der lehre künftighin zu richten hätte, die er auchan Chur-Sachsen und Hessen gesendet, welche hernach der Aug-spurgischen Confeßion zum fundament gedienet. Als er auf demReichs-tage zu Augspurg vor dem Kayser Carolo V. bezeugte,daß, ehe er wollte GOtt und sein Evangelium verlaugnen, erlieber seinen köpf sich abhauen lassen würde, antwortete ihm derKayser: Nicht köpf ab, nicht köpf ab. Er starb endlich den27. dec. an. 1543. zu Onoltzbach , und ward zu Heilbrunn be-graben. Scrtptores Brandenburgici. Caspar VON Süllen, M

einer besondern oration.

(6eorctius Kridericu s, Marggraf zu Brandenburg , Geor-gii des frommen zuAnspach und Aemilia Hertzogin zu Sach­ sen söhn, ward zu Anspachan. 193?. den 5. april gebohren,und nach bald erfolgtem tode seines vatters unter der multerund Marggraf Albrecht des kciegers vormundfchafft erzogen.Welche vormundfchafft aber ihm jehr.hoch zu stehen gekommen ;indem nicht allein feine Fränckifche länder sehr verwüstet, son-dern auch die Schlesischen Hertzogthümmer Iägerndorff, Op-peln und Ratibor von dem Könige Ferdinando eingezogen wor-den. Iägerndorff zwar wurde ihm an. 1538. wieder eingeräu-met , und die währender Minderjährigkeit gehobenen renken ausdem Fürstenthum Sagan wieder empfangen, angewiesen.Aber vor Ratibor und Oppeln wurde ihm erstlich gedachtesFürstenthum Sagan samt den Herrschafften Sara, Tribel undFriedland verschrieben; bald aber, und noch an. i?<>8. habendie Vasallen in diesen Hertzogthümmern r,oooo. gülden zusam-men gebracht , gegen welche summe Marggraf Georgius diebeyden Hertzogthümmer an den damaligen Römischen KönigFerdinandum und dessen erben abzutreten versprochen hatte.Ob nun schon dieses geld dem Hause Brandenburg nicht, son-dern etlichen Herren und Edlen der Marggrafschafft Burgau zu Handen gekommen seyn soll, so ist doch das land unter ge-dachte Vasallen nach Proportion des gethanen zuschusses verthei-let, und das Haus Brandenburg von fernerm besitz gantzlichausgeschlossen worden. Mit der Fränckischen erbschafft gienges unserm Marggrafen desto glücklicher, indem ihm nicht alleinseines vatters, und vetters Aiberti lande gantzlich eingeräumet,sondern auch den Nürndergcrn und ihren Alliirten 179000.öülden zu wiedererbaming der vestung Piajsenburg an ihn zubezahlen, von dem Regenspurqischen Reichs-Convent auferlegtworden. Nachdem er also zum besitz aller dem Hause Branden­ burg in Francken zustehenden länder gelanget, hat er nicht alleindie kirchen-und schulen-verfassung in demselben auf den jetzigenfuß gesetzet, indem er die sogenannten Decanate oder Superin-tenduren und jährliche zusammenkünfte zu den sogenanntenCapitnln auch 2. Lonrubernia pavperum zu Anjpach und Ba-reuth jedes von 24. schülern, nebst 40. trivial-üipendiis von 19.bis 20. gülden angeordnet, nicht weniger an. 1982. das Gymiia-iium zu Heilsbronn , wo 100. schüler mit speis und tranck ,büchern und kleidern versorget werden, und endlich 60. üipendiaAcademica von 40. bis 60. gülden gestiftet; sondern auch die

residentz-