Vorrede.
leicht wissen, daß dieses volck, bey einer sehr netten und genaueneintheilung seiner geschlechteren, den weitlaufferjgen geschlechts-namen (nomen gentiiitium) welcher einen gantzen stamm andeu-ten mußte, fast immer in >us habe ausgehen lassen. Man findetda nur allein in zweyen Gemibus einigen ausnam , deren eines lin-ker dein namen Norbanus, das andere unter Perperna, bekanntist; rviewohl man auch bey diesen annoch zweifeln kan, ob sie nichteben so wohl als alle übrige Römere anfänglich ein nomen genr>-lirium, oder einen allgemeinen geschlechts-namen in ius gehabt, sol-cher aber bey der so wenig von ihnen in denen uns noch übrigenalten Urkunden beschehenen Meldung etwan nur Übergängen wor-den, nach der gewohnheit, welche in der that zu Rom sehr ge-niein gewesen, viele Personen fast allein bey ihren zunamen, einigeauch so gar nur durch den vornamesszu nennen und anzudeuten;dergestalten, daß wir auch deren Genthm, oder nomen gentiiitiumeben so wenig wüßten, wann es nicht aus so vielen orteten, dasolcher Personen Meldung geschiehet, noch an einem oder dem an-deren , mit eingerücket wurde. Dieses von den Römischen Genü-
bus und nominibus gentilitiis.
Wann aber dagegen solcher weitläuffiger stammen, oder grossesHaupt-geschlecht ,ich in mehrere aste oder besondere Häuser zerthei-lest , wurden diese kamil,« genennet, und da sonstkn das nomengentiiitium allen diesen besonderen ästen jeden stammes oder Gemisgemein wäre, durch eigene und absonderliche zunamen ( cogno-mina) von einander unterschieden; da dann diese zunamen an kei-ne gewisse terminalion, oder endigungs-fllben gebundön waren,doch sich wenigstens nirmahlen in ius endigten; eben damit sie da-durch von denen vorhergehenden namen einer anderen und weit-läuffigeren deukung, das ist von den nominibus gentilitiis , unter-schieden wurden. Also waren dann Fabius, Acmilius, Rntilius,Cornelius,Julius,Iunius, Papiri«s,Cassius, Antonius, Valerius,Claudius, und so fort, nomina gentilitia , ober, wie wir sie zu teutschnennen mögen, weitläuffigcre Römische geschlechts-namen, oderauch stankms-namen. Und wann man dann die Personen dieserstämmen, wie ofst geschehen mußte, also überhaupt andeuten wöl-ke, sprach man, die Fadii, Aemilii, Rutilii, und so ferners.Hingegen machte man'es gantz änderst, so offt von diestn allgemei-nen geschlechts-namen ein zunamen entlehnet wurde, um dadurchetwan die verwandtschafft, so jemand mit einem dieser grösser»Geschlechtern hätte, anzudeuten. Man pflegte selbigen geineinig-lich durch eine termination oder endigung in anus zu bemercken:als vorn name Fabius, Fabianus, von Aemilius, Aemilianus,von Cornelius Cornclianus, und so weiter.
Der gütige Leser wird sichs nicht mißfallen lassen, daß man ihnebey dieser vor-erinncrung etwas aufgehalten. Sie wäre höchstnö-thig, um deinselbigen eine grosse anzahl der aus dem Lexico ausge-löschten Fehlern, und gemachten anderungen auf einmahl recht ver-stehen zu machen. Jeder mag schon daraus sehen, wie viel, son-derlich in denen Römischen aefchichten daran gelegen, daß man,gleichwie die stammen und aste ( in latein gentes L tamiliar) alsoauch die Nomina gentilitia und die cognomina, das ist,die benenuun-gen, wodurch man die erste, und die andere auszudrucken gewohntwar, fleißig von einander unterscheide. Ohne diß muß nothwen-dig alles auffs erbärmlichste vermischet und verworren werden ;um so mehr, weilen ein zuname, der von einem allgemeinen ge-schlechts-namen oder nomine gentiiitio hergenommen ist, als z. ex.Aemilianus, von Aemilio, Fabianus von Fabio, und so weiter,richtig einer solchen persvhn ist zugelegt worden, welche in der thatnach derRvmern urtheil und meynung zu einem gantz andern Genreoder Haupt-stamm gehörete, ob sie schon offtmahl ihren Ursprungund erste ankunfft aus der Genre haben mochte, von deren solcherznnamen entlehnet war.
Nun mag man in den vorigen ausgaben gegenwärtigen buchswohl eclich hundert mal durch weiß nicht lvie vteie Römische artickelbeinercken, wie meistentheils aller gemeldte unterscheid über einenHaussen geworssen, die iciem oder begriffe des Lesers gäntzltch ver-wirret, undschlechterdingendie allgemeine geschlechts - namen indie angedeutete art zunamen verkehret werden; welche, wo sie ächtwären, nothwendig alle die persohnen, denen sie also beygelegtworden, von ihren Haupt-stämmen abreissen, und in die ncbcn-ästeoder farr.ilias von gantz andern Gemibus oder Haupt-ästen versetzenmüßten. Alles kommt her, weilen, der solche artickel aus Morcriübersetzet, aufeiner feiten die Römische fachen und namen, aus derandern aber die eigenschafften der frantzosischen sprach gar wenigingehabt. Der klare augenschein wirds jetzt bald geben.
Es haben nemlich die frantzösifche gelehrte, und dieses zwar der ei-genfchafft ihrer sprach gantz gemäß, immer in dem gebrauch,die lateinische benennungen derer zu einem Haupt-ast gehörigen Per-sonen, als Fabii, Cornelii, Rutilii, rc. mit denen Worten ies Fa-biens,ies Corneliens, l« Rubikons, und so weiter, auszudrucken,welche dann unter den ihrigen, als die schon längst daran gewohnt,eben niemanden sonderlich irren oder verfthren können. Aber imteutschen hingegen, wann man anstatt zu sagen, die Fabii, Cornelü,Rutilii, oder auch die Fabier, Cornelier, Rutilier,als welchesunsere mund-art edenfahls noch gar wohl leydet, wann man an die-ser statt anfängt zu sprechen von Fabianern, Cornelianern, Aemi-lianern rc. so begehet man nicht allein einen fast lächerlichen so-loecismum , sondern es werden auch dadurch die Aemiliani, mitden Aemilüs, Fabiani milFabiis , Corneliani mit Corneliis, woje deren ersteren allemahl einige zu Rom gewesen,als welches in derthat eben selten zutrifft, gäntzlich vermischet und verkehret. Damuß ein Leser, wo er einmahl die fachen vorher nicht besser verstehet,und gleichwohlcn stch von dem unterscheid deren Römischen namenund zunamen, wie solcher zum exempol in Aemilius und Aemili-
anus sich zeiget- hat belehren lassen, (wie man es dann fast in alle»schulen lernet, wo nur alte lateinische auctores vorgelesen werden)da muß solcher Leser nothwendig den falschen schließ bey sich mache,daß an dergleichen vrt nicht von einem Fabio d. i. von einer per-soh» zur Gerne Fabia gehörig, die rede seye, sondern von einemmann aus einein gantz andern Gerne oder Haupt-stamm, welcheraber aus einer besondern ursach einen zunamen von denen Favnsentlehnet, und so ferner von allen übrigen und gleichen fallen,
Wie übel muß es nun dann klingen, wann man ohne einige ve,obachtung dieses wichtigen nnterscheids uns aris denen RömischenMarciis will Marcianer machen, wie im artickel Censorinuö (derGranwnaticus) beschieher 't wann anstatt Flavli, die Flavtaner ste-hen, wie im art. Domitius (das geschlccht) allwo noch dazu ebenvomKayser Domitmno eine amüerckung gemacher wird,, so denurhcder des arr. den grossen unterscheid, welchen dieRomerdabeobachtet, allein hatte lehren können? wann st gar das geschstchtder Fadier, in lateinischer sprach nicht Gens Faba , sondern GensFabiana, aufweiche weise nie kein mensch in takeln geredt, helssenmuß ? Ohne sich in mehrere weitläufftigkcit einzulassen, mag manhier überhaupt sagen, daß fast durch das gantze Merck, wo vonRömischen gcschlechstrn gehandelt wird, die Genres von denenlamiiiis, d. t. die Haupt-stämmen von ihren besonderen asten, un-ter welchen doch ein so namhaffter unterscheid ist, und bene ab-sonderlich die Römere mit gröstem fleiß beobachtet haben, seltenrecht unterscheiden werden; sondern rrieistens dergleichen aus.druckungen mehr oder weniger darin« vorkommen, welche einenLeser gantz irr machen können.
Eine andere art von fehleren, die man auch in Übersetzungdes frantzösischcn aus Mangel berichts von denen nominibus gen-tilitüs und cognominibus der Römern begangen hat, ist es, wannz.ex. aus dem stantzösischen Clearque Flave, gemachet wird Clear-chus Flavus, da es nach dem Römischen gebrauch und der histori,schen Wahrheit Clearchus Fiavius hätte heisscir sollen. Jedoch,was dieses letztere anbetrifft, ist wenigst nicht so offt gelegenheitgewesen, daran zu fehlen, weilen die Frantzosen gar wenige na-men in ins nach dieser art in ihrer sprach zssflectircn psiegen.
Ader es ist von denen Römischen geschlcchtcrn nun genug ge-sagt. Ein dem erster« fast gleicher Gallicismus, und welcher in derteutschen sprach nicht änderst als widrig und rinangenchm fallenmuß, wird nicht minder offt in denen namen deren alten völcke«rcn oder steten begangen, welche fast an unzchlichen orten nichtnach der lateinischen oder teutschen mund-art, noch auch nach dervon allen Seiten her unter Teutschen, so wohl gelehrten als unge-lehrtcn, üblichen gewohnheit, sondern schlechter dingen nach artder Frantzosen, oder vielmehr nach des Morerj art und gebranchausgefpröchcn werden. Wer hat jcmahlen in Teurschland die Ae-tvlianer, Cimerianer, Olinthianer, Narianer, Milesianer, Ccmta»brianer, Emestnianer, Messapia!ier,Celtiberlaner,Nerv!attcr,Tur-nisianer ; oder auch die Hvlobianer, Hypsisteriancr , (davondie erempcl in denen artickeln Hypata, Cinuneriani, Cleom-brotus, Hypsicreon, Gracchus, Drusilla,Calabr>en,Courtrai ,Hylobianl, Hypfisteriani zu sehen,) und so weiter amen.net; gleichwolen gibt man uns alle diese, fast schrcckhaffst,namen getrost dar, nur weils im Moreri stehet Aetolicns, Canta-briens, Emestniens, und so ftrner, durch alle jögleich gesetzte wör»tere, und viele andere mehr, welche es eben nicht nöthig ist, hiernach der vrdnung anzuführen, und genug, daß man ein jedes anseinem ort, eben wie alle die jetzcrzehlte, nach der wahren so wohllateinischen als teutschen mund-art verbesierk habe.
Jedoch diese letztere namen und wörtere können bey einem, ob-wohl ungewöhnlichen und unrechten thon, dannoch nicht leichtjemand in irrthum führen; oder einen falschen und sehltzafften bc-richt von solchem volck odcr stet geben. Allein es gehet noch übler,und wird eben wider die alte geographie öffentlich gefthlet, wannman dieses gleichen wörtere erst auslegen, und deren eigentlichenVerstand errathen will. Von Carausiö, der sich wider Maximia-num Herculium zum Kaystr auffwarff, setzet Moreri recht, erwäre ein Menapier, Menapicn, gnvestn; welches ein volck lvar,so zwischen der Maß und Scheid, in dem heutigen Flandern , seinewohnunghatte. Dis ist aber in teutsch übersetzt worden; ein bur-ger von Menape; da doch beydes die alten gestluchl-schreiber unsvon des Caraufii Vaterland nichts anders berichten, als daß er vonNation ein Menapier gewesen, und noch struers gar nicht kan er-wiesen werden, daß je eine stadt Menape irgendwo gestanden seye.Dann was beym Stradone und Ptolemäo von einem Cabeiio Me.napiorum , einem Schloß oder vielmehr flecken der Menapier ge-dacht wird, das machet darum noch keinen ort des namens Mena.pe aus. Und da im übrigen diests volck sehr wcitläufftige gräntzengehabt, wäre es wohl etwas lächerlichrs, wann man üns jetzt ;nverthadigunq dergleichen sthlers ohne das geringste bewcißthumodcr zeugnus der alten behaupten wolle, Carausius wäre eben indiesem Casteiio ober stecken gedvhren worden.
Eine andere art von fehlem, die ebenfalls viel in der alten geo,graphie verwirren können , sind in das teutsche Lexicon gebrachtworden, weil man die heutige Frantzösifche namen verschicdenerVölckeren für deren alte namen angesthe», oder nur durch beylc,gung einer lateinischen termination oder enbigungs- silben, ohneübrigens die fach im gründe zu untersuchen, z« alten „amen hatmachen wollen. In Franckreich heisset man, aber durch eine»neuen namen, die einwohncr der Provintz Auvetgne , lesAuver-gnats da sie unter den alten Römern Avemi geilen net wurden.Gleichwohl müssen sie nun in latein Avergnates heisscn , im art.Domitius; welchen »amen ihnen doch zuvor in solcher sprach nie.wand gegeben hat, auch gewißlich wenige recht verstehen werden,
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