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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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unter anführunq des berühmten Helden Guefclin, Henrico vonTrastamara zu hülffe zu gehen. -Der Englische Cron-Printz,in der Guienne sich aufhielte, nahm zwarnachmalsPetri Lru-dclis partey , und die Compagnien giengen zu ihm über; end-lich aber verließ er denselben wieder, worauf Petrus m einemtreffen gefangen, und von Henrico umgebracht wurde; und Ca-rolus hatte den Vortheil davon, daß sowol die Engellander alsder König in Navarra sich darein verwickelten, und mit schadenzurück kamen, wie auch, daß die Compagnien bis auf 6000.mann zusammen schmoltzen. Nachdem sich nun Carolus wie-der erholet, und die vornehmste Puncten des zu Bretigni mitden Engelländern an. 1 ?6o. geschlossenen friedens, nemlich dierenunciation der Engelländer auf Franckreich , und die Nor-mandie, wie auch des Königs auf die fouverainität von Guien-ne nicht erfüllet waren, entschlösse sich Carolus mit Engellandzu brechen. Die gelegenheit darzu war, daß der Printz vonWalliö in Guienne eine kopf-steuer ausschrieb, welche viele Va-sallen , die vor dem frieden zu Bretigni unter Franckreich gestan-den, und mit Engeüand nicht zufrieden waren, sich weigerten zubezahlen , und den Printzen von Wallis vor dem GerichteterFranzösischen Pairs verklagten. Als nun weder der Konig,n Engelland, noch der Printz von Wallis hierauf antwortenwollten, wurde Carolus veranlasset, alle ihre in Franckreichhabende güther zu confifciren, und als Guefclin nach feinerWiederkunft aus Spanien zum Connetable gemacht worden,schlug er an. 1370. nicht weit von Pont Villain in Maine,des Englischen Generals Robert Knoles armee, verjagte dieEngeüänder aus Poitou und Taintonge, worzu noch kam, daßden 2;. jun. an. 1,72. dre Englische flotte von der Castiliani-schen, die sich mit der Französischen vereiniget halte, an denküsten von Rochelle geschlagen, und der Graf von Pembrok,welcher sie commandirte, samt 8000. mann gefangen wurde.Nachdem auch der Printz von Wallis an. 1376. und das jährhernach der König Eduard III. in Engeüand selber mit tod ab-gegangen,würde er ohnfehldar die Engelländer aus gantz Franck-reich getrieben haben, wann nicht an i380. der tapfere Guefclinund gleich darauf den 16. sept. der König Carolus V. selbstgestorben wäre. Seinen tod verursachte ein langsamer gift,den er zu der zeit, da er noch Dauphin gewesen, von demKönige Carolo II von Navarra empfangen. Er wurde umdesto mehr bedauret, weil er durch seine grosse klugheit dasReich aus feinem elenden zustande gerissen, dadurch die liebeder Unterthanen an sich gezogen, und weil fein ältester söhnnoch ein kind, und nicht im stände war, den Englischen kriegauszuführen. Er hatte in eben dieser betrachtung eine Verord-nung gemacht,, die noch auf den heutigen tag üblich ist , daßdie majorennität mit dem ansang des 14. jahrs angehen sollte.Sonst ist auch noch merckwürdig, daß als an. 1*77. der Kay-ser Carolus IV. nebst seinem söhn Wenceslao eine reife nachParis that, er des Königs Caroli V. ältesten Printzen, Carolum,zum Reichs-Vicario im Arelat gemacht. Die gemahlin CaroliV. war Johanna, Petri Hertzogs von Bourbon tochter, mitwelcher er Carolum VI. fernen Nachfolger; Ludovicum Hertzogvvn Orleans , von dem die Könige Ludovicus XII. und Fran-ciscus I. herstammten; und eine tochter Catharinam gezeüget.

Froijj'art. Vie de Du Guejitm. Mezeruy , tom. II. p. 466. Da-niel , tom. II. col. 611.

Carolus VI der geliebte zuaenannt, ein söhn des vorher-gehenden Caroli V. wurde zu Paris den;. dec. an. i;68. geboh-ren, und succedirte seinem valter im i r jähre seines alters , da-her er noch r. jähr unter der vormundschafft zu stehen hatte.Weil aber seine Vormünder, welche seines vatters brüder, Lu-dovicus Hertzog von Antou, Carolus Hertzog von Berri, undPhilippus Hertzog von Burgund , sodann sein groß-vatter müt-terlicher feite der Hertzog von Bourbon waren, sich nicht ver-tragen konnten, ward Carolus VI. zu folge eines schieds-rich-lerlichen ausspruchs alfobald zu Rheims zum König gecrönet,und ihm gedachte Printzen vom geblüt nebst unterschiedlichengeringen Personen zum Staats-Rath an die feite gefetzt, undLudovicus von Anjou als der älteste Vetter zum Präsidentendesselben und zum Regenten gemacht. Nichts destowenigerwar das Reich deswegen nicht ruhiger ; sondern weil der Her­ tzog von Anjou Ludovicus den Königlichen schätz heimlich ge,nommen, und sonst die meisten einkünfte des Königreichs aufdie eroberung des Königreichs Neapolis, welches ihm kurtz vordem tobe des letztern Königs im testament vermacht worden ,wandte, so verheerten nicht allein die soldaten, weil sie keinensold empfiengen, das land , sondern der pöbel zu Paris erregteauch wegen der grossen auflagen solche unruhen, daß man die-selben endlich abschaffen muste. Die Engelländer, welche ebendamals mit einer neuen armee in Bretagne ankommen waren,belagerten Nantes , und würden ohnfehldar grossen schadengethan haben, wenn nicht den 13. jan. an. 1381. der Hertzog von Bretagne mit Franckreich einen frieden gemacht, und dielehns-pflicht Carolo VI. abgelegt hätte, worauf die Engellän-der unverrichteter fachen wieder nach Hause giengen, nachdemsie ,edoch zu Chcrbourg in der Normandie und zu Brest inBretagne besatzung hinterlassen. Als der König hierauf die»m vorigen >ahr abgeschaffte auflagen wieder erneuern wollte,entstund zu Paris eine allgemeine rebellion unter dem volck,welches nach dem Rathhause zulief, wasscn daraus zu holen,und über z. bis 40°°. eiserne hämmer von bannen wegnahm,

womit es die accis-bedienten todtschlug, wovon hernach dieseaufrührische rotte les Maillotins oder die Hämmerer genen-net worden. Dergleichen tumult erhub sich auch auf einmalzu Rouan , Orieans und in einigen andern städten, und würdedaraus viel Unheil erfolget seyn, wenn nicht der König beyzei-ten die stadt Rouan überrumpelt, die radelsführer abstraft»lassen, und dadurch den andern ein schrecken eingejagt. Doch er-hielt er seinen zweck nicht, sondern muste sich mit einem geschenckevon 100000. Francken, so die stadt Paris hergab, begnügen. An.r; 8 r. nahm Ludovicus von Anjou den zug vor nach Neapel ,kain aber daselbst an. 1 384. um. Weil nun Philippus von Bur-gund hierauf alles beym Könige galt, beredte er denselben zueinem krieg wider die Flandcrer, welche wider seinen schwieger-vatter den Grafen Ludwig rebclliret. Nachdem er nun an.i;8r. den 27. uov. die schlacht bey Rofenbeck wider die rebellengewonnen, und erfahren, daß die Paristr willens gewesen,mit den Flammändern sich zu verbinden, kam er m«t seinersiegreichen armee nach Paris zurück, ließ die unruhigsten bür-aer hinrichten, den übrigen legte er grosse geld-strafen auf, undführte durchgehends im Reich die auflagen ein , darwider sichdie Unterthanen vorher so sehr gefetzt hatten. Der Papst Urba-nus VI. hatte inzwischen einen creutz-zug wider alle anhängerClementis VII. publiciret, daher die Engeüänder unter diesemverwand wider Franckreich den krieg , der inzwischen nur lau-licht geführet worden , erneuerten, und sich zu den unruhigenstädten in Flandern schlugen , aber endlich nach vergeblichensriedens-tractaten zu einem stillstand gezwungen wurden. An.i;84> starb der Graf in Flandern , worauf dieses land, wozudamals noch Artois , Retel, Revers, Lrancke-Lomte, Sa-tins rc. gehörte, an Philippum von Burgund hcimfiel, derdessen einige tochter zur ehe hatte.Jn den folgenden jähren mach-te der König grosse zurüstungen zur see, um eine landung taEngelland vorzunehmen, weil daselbst innerliche unruhen ent-standen waren. Er hatte auch eine solche flotte beysammen,daß man sagte, er hätte dadurch eine aneinander hängendebrücke über den canal legen können. Und dainit er beym aus-steigen sich desto besser vest setzen könnte, ließ er viele bau-mate-rialien , um so gleich Häuser aufzuschlagen , ja selbst ein gantzfertiges Haus von holtz einschiffen. Mein in dem ersten >ahrwurde dieses vorhaben durch einen krieg , welchen der Hertzogvon Burgund in den Niederlanden erhob, in dem andern durchden Hertzog von Berri, der mit fleiß mit seinen völckern zurückeblieb, und in dem dritten, durch den Hertzog von Bretagne ,der den Connetable von Clisson gefangen nahm, (davon der ar-tickul Clisson mit mehrern handelt) zu nichte gemacht. Die-ses bewog den König, daß er an. i; 88. die regicrung selberanttat, und seine vettern die Hertzoge von Burgund und Ber-ri , die solche bisher als vormündere geführt, jedoch sehr gütigabdanckte. Es ließ sich auch seine regicrung aus der Massen wohlan, weil er durch feinen eifer vor die Wohlfahrt des Reichs sichaller Unterthanen liebe zuzog. Mit den Engclländern ward einstillstand aufgerichtet, und bis an. 1,94. verlängert. Weilaber seine vettern den Verlust des regiments nicht vcrschmcrtzenkonnten, und der Hertzog von Berri insonderheit dadurch,daß ihm der König wegen seiner harten regicrung das Gouver-nement von Languedoc genommen, mißvergnügt worden, hetz-ten sie den Hertzog von Bretagne auf, daß solcher dem Coune-table Clisson, dem sie sonderlich feind waren, keine satisfactivnwegen dessen gefangenschafft gab. Weil er nun übcrdiß einen,der den Connetable nächtlicher weile auf der straffe verwundet,und fast ermordet, in schütz genommen, kündigte ihm der Königden krieg an, und nahm an. i;yr. einen zug wider densclbmvor , wurde auch denselben ohnfehldar zum gehorsam gebrachthaben , wenn er nicht durch einen sonderbaren zufall iväre dar-an verhindert worden. Denn als er zu ansang des augusti ausMans heraus ritte, wurde ihm durch die übermäßige sonneuchi-tze sein gehirn gantz verrückt, zu welchem übel bald hernach nochein unvermuthetcs schrecken kam , welches dadurch veranlassetwurde, daß dem Könige, da er feine armee musterte, vorkam,als wenn ein fchwartzer mann aus dem dusche hervor gienge,sein Pferd bey dem ziegel nähme, und zu ihm sagte: König,wo wollt,ihr Hins,ihr seyd verrathen. In eben dem äugen,blick, geschahe es über dieses, daß ein Page, der seine läntzeführte,, und aufdcm pferd entschlief, dieseldige ohngefehr ausden Handen, oder wie einige sagen , aus des Königs casquetfallen ließ, welches den Konig vollenos in der meynung de,krafftigte, daß er verrathen sey; dahero er gantz rasend wurde,jedoch nach etlichen tagen wiederum zu sich selbst kam. Weilman aber doch nicht versichert war, daß es einen bestand habenwurde, so ward nicht allein der krieg wider den Hertzog von Bre­ tagne eingestellt, sondern den beyden Printzen Carolo von Berriund Philippo von Burgund die Regentenschafft wieder anver-traut , welche denn alfobald den Connetable Clisson absetzten,und Philippum von Artois , Grafen von Eu, an seine stellebrachten. Der König wollte ihn zwar hernach wieder nach Hofehaben, er hatte aber selber keine lust mehr, sondern führte denkrieg wider ftinen feind den Hertzog von Bretagne drey lahreallein , worauf er sich endlich mit demselben verglich. Zuansang des jahrs 1393. begegnete dem König wiederumein unglücklicher zufall. Denn als den 19. jan. eine gewisseHochzeit bey Hofe mit grosser lustbarkeit gehalten ward, vcrklei.bete sich der Konig nebst 4. andern, die an einer ketten an ihngeschlossen waren, in einen walb-gott, und als der Hertzog