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Weil aber der König feine völcker nicht abdancken wollte, ließer fle unter der anführung des Dauphins dem Hertzog vonOesterreich wider die Schweitzer zu hülffe ziehen, allwo sieunfern Basel mit einer anzahl von etlich tausend Schweißern,welche sich durch die grosse Französische macht durchschlagenund in die stadt werffen wollten, ein sehr hartes gefecht hiel-ten ; darinnen die Franzose» den Vortheil des orts, des ge-schützes, der menge an volck und sonderlich der reuterey hat-ten, und dennoch doppelt so viel volck als die Schweitzer anderzahl waren, verlohren, auch nach der schlacht keinen fuß breit nä-her gegen die Schweitz anrücken dorsten. Der Dauphin schloßauch zuletzt einen tractat mit den Schweitzern, krafft dessendieselbe 4000. mann an Franckreich überliessen. Der Königsuchte auch die stadt Metz unter sich zu bringen , konnte aber«ach einer langwierigen delagerung nichts anders erhalten,als daß solche eine stimme gelbs aüsbezahlete. Bey allen die-sen Unternehmungen ist diefts merckwürdig, daß auch die En-gelländer mit 8000. mann sich dazu gebrauchen lassen, undunter dem ober-commando des Dauphins gestanden; damitsie in währendem stillstände ihrem lande nicht beschwerlichseyn sollten. Am meisten aber ließ sich der König in währen-dem stillstände angelegen seyn, die militz, welche durch ihrrauben allen Handel lind acker-bau im Reich störete, zu refor-miren. Zu dem ende wurden die sogenannte Compagnicsd’ordonnance aufgerichtet, deren 1;. waren, davon jede ei-uen Hauptmann und Lieutenant hatte, und aus 100. lange»oder kriegs-leuthen bestünde, deren jeder noch 6. andere nebensich hatte. Diese wurden von den statten, da sie in bcsatzunglagen, und von dem nahgelegcnen lande verpfleget, fleißiggemustert, und ausser dem alle andere abgedanckt, und nachHause zu gehen, und ihren handwercken abzuwarten genö-thiget. Der König bestätigte auch aufs neue die freundschafftmit den Hertzoge» von Burgund und Bretagne , und machtedurch seine groiie bemühung dem Ichismati der kirche zwischendem Concilio zu Basel und dem Papst Eugenio IV. oder viel-mehr Nicolao V. dessen Nachfolger ein ende. Als an. 1449.der stillstand mit Engelland zu ende lief, fiengen die Engellän-der durch eroberung Fougers den krieg von neuem an, abermit solchem Unglück, daß weil sie wegen innerlicher Unruhenin Engelland nicht genug volck bekamen, sie einen vesten platznach dem andern in der Normandie verlohren , und endlichgar von den bürgern zu Rouen gezwungen wurden, diese Haupt-stadt zu übergeben; welcher noch Harfleur und Honfleur folg-ten, dabey auch ihr bester General Taldot, der als geissel ge-geben worden, wegen nicht erfolgter parole, zum gefangenengemacht wurde. Im folgenden jähr 145°. ward endlich nacherfochtener Wacht bey Fonrmigny, Caen , Falatze, Dom front und Cherbourg eingenommen, und mit eroberung die,ses letztem orts den 12. aug. die gantze Normandie wiederumvöllig zur Crone gebracht, weswegen noch bis dato zu Rouen jährlich der ir. aug. gefcyert wird. Der König gicng hier-alif nach Guienne, und nahm noch vor dem ende der campa-gne etliche platze daselbst weg, im folgenden jähr aber brachteer das gantze land jn stine» gewalt, nachdem die stadt Bour-deaur zu einer allgemeinen capitulation anlas gegeben. Nach-dem also die Engelländer- von gantz Franckreich nichts mehrbesassen, als Calais und Guines in der Picardie , kündigteder König dem Hertzoge von Savoyen den krieg an. Dennes hatte der Dauphin aus angebohrner unruhe sich schon vorzwey jähren nach Dauphin« mißvergnügt retiriret, und ohnevorwissen seines vatters mit des Hertzogs von Savoyen tochterCharlotta einen heuraths-contract geschlossen. Weil nun der
t crtzoq bey vielen gelegenheiten ein feindliches gemüth gegenranckreich, der Dauphin auch einen unruhigen sinn blickenlassen, so besorgte der König etwas böses. Doch ward diefache noch in demselben jähr 1452. gütlich beygelegt, weil derKönig neue Händel kriegte. Denn die vornehmsten von Adelin Guienne hatten eine conspiration angefangen, und die En-gellander bewogen, daß sie unter anführung des berühmtenTalbot eine starcke armee nach Guienne schickten , die sich aufeinmal aller vestungen wieder bemächtigte. Der König zogdaher in eil alles volck zusammen , und nachdem an. 14s 2. beyCastillon Talbot in einer schlacht getödtct, und die Engelländergeschlagen wurden, brachte er nach kurtzer gegenwehr Bour-dcaur und alle Plätze wieder unter sich, von welcher zeit andas land beständig bey der Crone geblieben. Nach dieftm warder König daraus bedacht, den Dauphin, welcher in Dau-phin« gantz nach seinem gefallen, ohne den König um rathzu fragen , regierte, und sich auf seinen schwieger-vatter, denHertzog von Savoyen verlassende die provintz aufs härtestedrückte, und noch dazu von dar aus dem Könige seine leu-the aufzuwiegeln, und dessen Hofauf alle weise zu verwirrentrachtete, zum gehorsam zu bringen. Dieser wollte sich zwarzur wehr setzen, weil ihm aber der Hertzog von Savoyen nichtveystehen wollte, nahm er an. 1456. seme zuflucht zu demHertzog von Burgund , der ihnr aber eben so wenig hülffeleistete, und ihm nur verstattete, zu Genep in Hennegau zubleiben, welches der Dauphin lieber erwehlte , als sich seinemvatrcr zu unlerwerffen. Der König ließ es auch endlich ge,schehe», weil er besorgte, wenn er ihn zu scharf tractirte, ermochte gar zu den Engelländern übergehen; wiewol er 'dabeydem Hertzoge mit ausdrücklichen Worten zuentbieten ließ: fel-bigcr zöge nun an dem Dauphin einen Hund auf, der ihmHistor. Lmcon 11. Theil.
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mit der zeit das gesteht zerreissen werde. Er entdeckte auchnoch selbiges iahr eine gefährliche conspiration des Hertzogsvon Alemwn mit den Engelländern, womit aber der Dauphinnichts zu thun hatte; und ward d'Alengon, als er die thatendlich gestanden, von denen ihm zu Richtern verordnetenPairs, des hohen verraths schuldig erkläret, auch als einsolcher zum tode verdammt, mit einziehung aller seiner gü-ther, wiewol der König die todes-strafe in eine ewige ge-fängnis veränderte, und des Hertzogs Andern noch die land-schafft Perche auf die bitte ihres groß-oncle, des Hertzogs vonBretagne , überliesse. Zuletzt würde er auch ohnfehlbar mitdem Hertzoge von Burgund in krieg zerfallen seyn, um sichwegen des tractats zu Arras zu rächen; er starb aber den 22.jul. an. 1461. Die Ursache seines todes war, daß er in gros-se flircht gerathen, es möchte ihm mit gift vergeben werden,wobey er so gar auf seinen söhn einen argwohn geworffen hat-te , und sich dahero 7. tage lang aller speise enthalten. Sonstist noch von ihm merckwürdig , daß er die Pragmaticam San-ctionem vornemlich aus den schlössen des Baßler-Loncilii,so zu der gantzen kirchen-und absonderlich des Römischen Hofsreformation angefehen waren, hat ausziehen lassen , und zuBourges an. »4; 8. aufgerichtet, (davon ein eigner artickul)auch daß er der erste lmter den Französischen Königen gewe-sen , welcher mit den Schweißern einen bund gemacht, so an.145z. geschehen; daß sich die Genueser, um sich wider ihre Nach-barn zu schützen, zweymal seiner botmäßigkeit unterworssen,und jedesmal wieder das Französische joch abgeschüttelt ha-ben ; daß er zuerst die aufläge aus eigener macht über die Un-terthanen ausgeschrieben, und daß man ihm zu ehren zuerstMedaillen geschlagen. Er war ein Herr, den zwar die liebevor seine maitrcffen sehr eingenommen, der aber das besteseines Reichs mit nicht geringer sorgfalt beobachtete, die mi,l,tz zuerst auf einen guten fuß setzte, die ordnung in demverwirrten Reiche wieder herstellete, jederzeit mit klugen Rä-then sich versähe, sich nach den zelten schickte, und nachdemer nut Printzen versehen war, und seine fachen guten fort-gang gewonnen , seine person mit grosser tapferkeit in vie-len actionen wagte. Mit seiner gcmahlin Maria von Anjou ,einer tochter Ludovici II. Königs in Neapolis, zeugte er 12.Ander, als 4. söhne und 8. töchter, unter welchen der ältestesöhn Ludovicus XI. ihm in der regierung folgte, Philippusund Iacobus in der Andheit gestorben , Carolus Hertzog vonBerri, so auch ohne nachkommen abgegangen. Von seinentöchtern ist Radegond an Sigismund , Hertzog von Oester-reich , Catharina an Carl den kühnen, Hertzog von Bur-gund , Jolanta an Amadeum IX. Hertzog von Savoyen, Jo-hanna an Johannem II. Hertzog von Bourbon, Magdalmaan Gastonem von Foix , Printzen von Viana, verheurathetworden, Margarctha, Johanna und Maria aber jungverstorben. Mit seiner maitresse, Agnes Sorel , (von derein eigner artickul) hat er auch z. töchter gezeuget, Charlot-tam, Margaretham und Iohannam. Ckmtier & Bern He -raut, hast. de Charl. VII. Monflrelct. Sammarth. Mezeray,tom. II. pag. 605. Daniel , tust. de France tom. II. col.1017. *
(sarolus VIII. der gesprächige und freundliche genannt,war Ludovici XI. und Charlotten von Savoyen söhn. Erwurde d". 1470. zu Ambosse gcbohren, und als sein vattcr an.148;. starb, hatte er zwar den ansang des 14. jahres schon er-reichet , und solcher gestalt die gesetzte zeit der Minderjährig-keit zurück gelegt. Weil er aber nichts desto weniger nochnicht tüchtig war, die regierung vor sich zu führen, so hatteder verstorbene König solche seiner ältesten tochter, als desPrintzen schwester, Annä, Petri von Bourbon, Herrn vonBeaujeu gemahlin anvertrauet; allein es ereigneten sich garbald deswegen innerliche Unruhen. Dann Ludovicus , derHertzog von Orleans, als der nächste Cron-erbe, behauptete,daß die regierung ihm zlikäme, und Johannes , der Hertzog von Bourbon, vermeynte gleichfalls ein besseres recht darzu zuhaben, als sein jüngerer bruder, der vorgedachte Herr vonBeaujeu , der Anna gemahl. Der Hertzog von Orleans, ümseine partey zu verstärcken, hieng sich an den Hertzog von Bre tagne , Franciscum II. dessen tochter und erbin, Annam, er auchzu henrathen suchte. Aber Anna von Beaujeu beredete ihnund den Hertzog von Bourbon endlich , daß sie einwilligten,daß ihre streitigkeiten auf einer Reichs-versammlung solltenabgethan werden ; und als diese an. 1484. darüber rathschlag-te, brachte Anna den Hertzog von Bourbon durch Verleihungder Connetable-charge auf ihre feite, worauf sie mit leichtermühe erhielte, daß die verwaltnng des Reichs ihro bestätiget,der Hertzog von Orleans aber davon ausgeschlossen wurde.Weil auch der König den drey Ständen hinwiederum ande-re Puncten eingewilliget, schiene das Reich in völlige ruhe ge-setzt, und der König ward auch hierauf den 30. may 1484.zu Rheims von dem Ertz-Bischoss Petro de Laval gecrönet.Allein der Hertzog von Orleans konnte seine hindansetzungnicht verschmertzen, und weil er unter der bürgerschafft zuParis einen anhang suchte, wollte ihn Anna von Beaujeuarreriren lassen. Er entflöhe zwar nach Verneuil, muste aberbald wieder von dar weggehen , und da auch die stadt Or leans seine völcker nicht annehmen, da« Parlement zu Pa ris auch seine klagen wider des Königs schwester nicht anhö-S s 3 ren