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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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widerriethen zwar die meisten Minister diesen zug, weil sol-cher wegen der weiten entftrnung der conqueten dein Reich nichtviel helffen würde/ wenn er auch gleich glücklich ablauffen soll-te. Im gegenlheil sporneten den Konig sehr zum krieg an,sowol einige uliruhige Herren aus Neapel , die sich an denFranzösischen Hof retiriret, als insonderheit Ludovieus Sfvr-tia zu Mayland , der sich in der Usurpation des Hertzogthumswider seines bruders söhn Iohannein Galeacium, welcher Isa-bellam eine Neapolitanische Printzeßin zur ehe genommen/ undalso von dem damaligen Könige zu Neapolis / Ferdinands,als seinem groß-schwäher, gewisse hülffe zu erwarten hatte/auf keine weise zu schützen und zu erhalten wüste, als wanner diesen König selbst stürtzte, oder ihm doch sonsten so vielzu schaffen machte, daß er sich in keine fremde Handel mischenkönnte. Letztlich war auch eine grosse anzahl junger Herrenum den König, welche nichts mehr wünschten , als anlasihre tapfcrkett sehen zu lassen / wozu unter Ludovico XI. invielen jähren keine rechte gelegenheit gewesen war. Diese alle-samt halfen durch ihre sollicitationen die begierde des Königsbestärckcn , welcher auch hierauf im jul. an. 1494. mit ohnge-fehr 20000, mann die reise antrat, ob er gleich nicht mit qeldversehen war. Als er in Italien ankam , nahm er zu May-land und Genua geld auf , und die verwittible Hertzogin vonSavoyen streckte ihm ihrejubelen vor/ die er vor 12000, du-eaten versetzte. Die ineiste Staaten in Italien sahen auchseinen zug ungern / und endlich , nachdem Johannes Galea-cius gestorben , und Ludovieus Sfortia völlig und ruhig mei-stcr von Mayland worden , wandte er unter der Hand alles an/um der Franzosen unternehmen fruchtlos zu machen , weil erbefürchte, es möchten diese hernach ihre ansprüche auf May-land auch ausführen. Petrus de Medicis zu Florentz hieltees öffentlich mildem Könige Ferdinando zu Neapel , und die-ser halle seinen söhn mit einer armee, die durch die Päpstlichetrouppen verstärcket worden , Carolo vin, entgegen geschickt/mit dem vorhaben , sich zu Viterbo in ein verschantztes lager|u setzen , und daselbst die Franzosen so lang aufzuhalten, bissie aus Mangel gelbes und Proviants bey der damaligen win-ters-zeit von selbst sich ruiniren möchten. Dem allen ohnge-uchtet erreichte Carolus VIII. seinen zweck , und da er Ftsi-sano / so den Florentinern gehörte/ durch gemalt erobert/ wur-de Petrus äs Medicis dergestalt dardurch erschreckt/ daß er demKönig die noch übrige vcstungen, Seresana, Seresanellv/ Pie-tra Santa, das schloß Pisa und den Hafen von Livorno ein-räuinete, auch noch 200000. ducalen hergab. Und obgleichdie stadt Florentz hierüber dergestalt übel zufrieden war/ daßauch Petrus äe Medicis ins exilium muste, wurden sie dochgenöthigt/ der Franzosen abmarsch aus ihrer stadt noch miteiner grossen summe gelbes zu erkauffen. Hierauf gieng derKönig in den Kirchen - Staat, und weil der Hertzog vonCalabrien dem ersten entschluß nach sich zu Viterbo nichtverschantzet, nahm er solches ohne widerstand weg, gienggerades weges vor Rom , und zwang den Papst, daß erdie Aragonische partey verlassen, den Hertzog von Cala,drien von sich schicken, und der Französischen armee einenfreyen durchzug verstatten muste, worauf Carolus VIII. denletzten dec. an. 1494. seinen einzug in Rom hielte. Der Kö-nig Ferdinandus von Neapel , war kurtz zuvor mit tobe ab-gegangen , aber sein söhn Alphonsus setzte sich in eben so guteegenwehr. Da aber bey dem ersten eintritt Caroli VIII. inic grcntzen von Neapel gantz Abruzzo nebst andern provintzensich ergaben, trat er , um den haß der Unterthanen gegensich, den er durch seine scharfe regierung sich zugezogen, zuvermindern, seinem söhn Ferdinando, dem Hertzöge von Ca­ labrien , die Crone ab, und relirirte sich nach Sicilien. Alleinda Carolus die beyde vestungen Montefortino und Monte St.Giovanni in wenig Wochen eindekam , und die einwohner alsrebellen mit schärfe tractirte, setzte er die Neapolitaner derge-stalt in schrecken, daß Ferdinandi armee , die sich bey Sr.Germano, ohnweit dem fluß Garigliano , gesetzt hatte, ohneeinen angriff zu erwarten, die flucht nahm , und Capua durchdie untreue des Gouverneurs Trivultii die thore öfnete, wel-chem exempel Neapel und viele andere städte des Reichs folge-ren , daß Ferdinand sich zu schiffe nach der insul Jschia rett»riren muste. Der König Carolus hielte hierauf den 12. maya». 149?. seinen solennen einzug in Neapel ; allein bald daraufentschloß er sich wieder nach Franckreich zu gehen, ehe er sichnoch recht vcst gesetzet, und alle städte, insonderheit aber die, Hafen des Reichs, unter sich gebracht hatte. Hierzu abernöthigte ihn die Llgue, welche inzwischen vernemlich aufdesHcrtzögs zu Mayland Ludovici anstiften zwischen dem Papst,Venedig , dem Kayser, Spanien und Mayland geschlossenworden, und die zwar äusserlich nur auf die Vertheidigungder freyheit von Italien , heimlich und in der that aber dar-auf zielte, die Franzosen aus Italien zu jagen. Damit nunder König seine, person in sicherheit bringen mochte, entschloßer sich mit dem grösten theil der armee auf das schleunigste, ehenoch die armee der Ligirten beysainmen seyn würde, nachFranckreich zu gehen, und ließ Gilberluin Grafen vonMont-pensier, einen zwar tapfern , aber nicht allzuklugen Prtntzen,nebst ohnaefehr; 000. mann, zum General-Lieutenant dastlbstzurück. Auf seiner reise hielt er sich zu Siena und Pisa un-nöthig auf, und weil inzwischen die Ligirten den krieg würck,iich in Mayland angefangen, indem sie Novara , so der Her,

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tzog von Orleans , als der sich in währendem zug des Königsnach Neapel zu Asti aufgehalten, weggenommen , belagerten,so sahe der König die gröste gcfahr vor sich. Er hatte zwarseine artillerie mit der grosten mühe durch die Schweitzer inseiner armee über das hohe gcbürge an dem Parmesantschen ge-bracht , wurde aber am flüß Taro bey dem dorfe Fornou inItaliänisch Fornovo, den 6 . jul. an. 149z. von den Ligirten,die bis 20. oder, wie Cominäus sagt, zzooo. starck waren,angegriffen. Jedoch weil die Italiänische soldaten vor derzeit in die bagage fielen, erhielte der König den sieg, kamauch ohne fernere gefahr nach Asti , und weil er bald daraufeinen succurs von 20000. Schweitzern erhielt, war er willensNovara zu entsetzen. Es kam aber den 10. oct. zu einem ver-gleich mit dem Hertzöge von Mayland , krafft dessen diesem No­ vara übergeben wurde, dahingegen er sich der Ligue widerFranckreich los sagte, zu allen zelten dem König einen freyendurchzug versprach, demselben auch die aufgenommene geldernachließ, und dem Hertzöge von Orleans 50000. ducaten zubezahlen sich verbünde. Der König setzte hierauf seine reise nachFranckreich fort; aber mittlerweile war Ferdinand mit einerhulffe der Spanier aus Sicilien wieder in Neapel ausgestiegen,und weil die einwohner der Franzosen herrschafft wegen ihrerUnfreundlichkeit und aus eifersucht wegen ihrer weider über,drüßig worden, so erklärte sich nicht allein die Haupt - stadtNeapel sondern auch viele andere vor ihn, und die Vene,tianer nahmen auch etliche orte weg. Die Franzosen wehr,ten sich zwar sehr tapfer, erhielten auch in den meisten schar-mützeln den sieg. Der König hatte sich auch entschlossen eineneue armee unter dem Hertzöge von Orleans nach Italien zuschicken, und hatte etliche schiffe würcklich gen Neapel ge,schickt. Weil aber der Hertzog von Orleans wegen des zu glei-cher zeit vorgefallenen todes des jungen Dauphins, und desschwachen Zustands des Königs bedencken trug , sich von demReiche zu entfernen, gieng der gantze zug zurück; die schiffe wur-den zum theil verschlagen, zum theil durch Ferdinandi schiffeabgehalten; und endlich ward der Graf von Montpensier ineiner stadt eingeschlossen, und zu einer capitulation gezwun-gen, krafft deren er versprach, alle besatzungen aus den ve-stungen zu ziehen. Allein die Gouverneurs derselben weiger-ten sich seiner ordre zu gehorchen, und er selbst starb vor sei-nem abzug. Endlich aber musten die Franzosen doch ausMangel gelbes und anderer Nothwendigkeiten, und weil sie garklein zufaminen geschmoltzen waren, capituliren, und unteranführung des d'Aubigm- nach Franckreich zurück kehren.Mit Ferdinando Catholico , der inzwischen auch in Franck-reich eingefallen war, und seine tochter an Maximiliam Prin-tzen Philivpum verheurathet, folglich den letztgeschlossenen frie-den vielfältig gebrochen hatte, machte Carolus an. 1497. einenstillstand, starb aber nicht lang hernach den 7. apr. an. 1498.im 14. jähre seiner regierung, und im 27. seines alters. Eswar ein Printz von schlechtem äusserlichen ansehen, und weilihn sein vatter so übel erziehen lassen, von schlechten qualitä-ten zu regieren. Doch wenn er länger gelebt hätte, wäre ernoch ein gtiter Regent worden, wie er dann kurtz vor seinemtobe seilte fehler, und insonderheit die er auf dem zug nachNeapel begangen, erkannt, und angefangen sich der geschäff-ten mit grosserm fleiß anzunehmen. Seine groste lügend warseine gütigkeit, wie dann Cominäus an ihm rühmet, daß ihmniemals etn ungestümes Wort entfahren; dahingegen sein grö-stes laster bestund in wollüstiger liebe, darinnen er viel excessebegieng, und oft die Staats - aeschäffte darüber verjaumete.Mit seiner gemahlin Anna vonBretagne zeugte er drey Prin«tzen: Carolum Orlandum, Carolum und Franciscum, davonder erstere im 4. jähre, die beyden andern aber noch jüngergestorben, und eine Printzeßin, nahmens Anna, die ebenfallsin der zarten kindheit verschieden. Sein Nachfolger war dan-nenhero der Hertzog von Orleans, unter dem nahmen Ludo-vici XII. Cominäus. Gaguinus. Jaligni , hist. de Charl. VIII.&c. La Vigne, journal du voyage de Nap. du Roi Charl.VIII. BeUeforeß. Brantome. Jovius. Guicciard. Mezeray ,hist. de France tom. II. pag. 759. Daniel, hist. de Francetora. II. col. 1460. *

Carolus IX. König in Franckreich , war Henrici II. undCatharinävon.Medicis söhn, an. 1550. den 27. jun. gebohren,hieß nach stincm pathen, dem damaligen Könige in Böhmen und nachmaligen Kayser, auch Maximilian. Er folgte sei,nem bruder Francifco II., nachdem selbiger ohne leibes-erbenverstorben war, an. 1560. in der regierung, und ward an.1561. zu Rheims gesalbet. Weil er aber wegen seiner jugend daSregiment nicht allein führen konnte, spielte sich die Köntgli,che Mutter dasselbe in die Hände, dabey der König von Na-varra , Antonius, des Königs Lieutenant in gantz Franckreichund Generalißimus der armem ward. Gleich im anfangegieng die Versammlung der Stände vor sich, die schon unterdem vorigen Könige hatte seyn sollen, und dazu bereits diemeisten Abgeordneten angekommen waren, ward aber baldnach ihrem ansang auf etliche monat verschoben , nach derenverlauf sie erstlich zu Pontoife, und hernach zu St. Germaingehalten ward , aber weiter nichts , als vor den König eintgeld-bcwilliqnng ftuchtcte. Kurtz hernüch ward das berühmtereligions-gespräch zwischen den Catholifchen ttud Reformirtenzu Poißi gehaltm, von welchem die parteyen aber auch ohne

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