Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

car

c a r

König in Danemarck schlug auch von neuem los , und thateine landung auf Schonen , .da er anfänglich wenig wider-stand fände.' König Carl war indessen m der Turckey wohl auf-aenommen worden, und schlug sein lager ausserhalb Benderauf, allwo ihm die Türcken allen Vorschub thaten, auch zum ge-brauch der Schweden einige Häuser aufbauten. Weil er auchbald anfangs keinen sichern »vegzu erwehlen wüste, durch dener nach Haufe kommen könnte, indem er dem Kayser nicht traue-te, und also nicht durch Ungarn gehen wollte, der weg durch Po­ len aber noch gefährlicher war, entschloß er sich da zu bleiben,bis sich feine umstände einiger Massen änderten, daraus hernachein ocrzug von einigen jähren entstund. Denn es sahen dieSchweden kein näher Mittel vor sich, ihren angelegenheiten wiederaufzuhelffen, als wenn sie dir Türcken gegen Moscau und denKönig Augustum zum kriege reihten, welcher anschlag denn vonihnen mit hülffe des Französischen Gesandten und des Tartar-Chans, der ein kriegerischer Herr war, und den Konig deswegensehr hoch hielt, eifrigst getrieben ward. Ob nun wol die Tür -ücn sich zuweilen sehr gut erklärten, so waren doch bey der Pfor-te alle rathschläge so unbeständig, und der Hinderungen so viel,daß die Schweden nie recht zu ihrem zwecke kamen, zumal dadieser aufenlhalt des Königs in der Turckey dem Sultan undseinen Miniitris von den feinden der Schweden viel gelb ein-brachte. Welches auch gemeiniglich wieder einriß, was dieSchweden gebaut hatten, ungeachtet sich diese viele mühe bey»der Pforte gaben, und so seltsame Veränderungen verursachten,daß in 4. jähren fünf Groß-Vezier, 2. Mufti und der Tartar-Chan ihrer würden entsetzt wurden. AIs König Carl nach derTürckey gekommen war, stieß er die erneuerungen des stillstandes

Ä Moscau und der Pforte übern Haussen, und machte, daßken sich erklärten, ihn mit einer starcken armer nach Hau-se zu begleiten, und den Russen an. 1711. den krieg anzukündi-gen , welcher aber nicht nach des Königs meynung geendigetward, denn da die Türcken den Czaar mit seiner armer am Pruth in der falle hatten, machte der Groß - Vezier mit demselben un.verhofft einen frieden, in welchem der Schwedischen angelegen-heiten fast gar nichts gedacht war, daher sich dann der Konig imlager mit ihnen verunwillrgte, und gegen den frieden prvtestir-te, auch dem Groß-Dezier gar verächtlich begegnete , der ihnaber davor um so viel mehr drückte, ihm die Pässe verlegte, da-durch seine briefe nach Constantinopel giengen, seinen unterhaltabschnitt und anstalt machte, daß er mit gemalt aus Turckischem

t cbiethe sollte weggeführet werden, welches jedoch des Tartar-hans gegenwart noch aufhielt, bis der König gelegenheit fand,dem Sultan die umstände dieser fache zu berichten, worausmandiesen Groß-Vezier absetzte, und kamen die,Schwedischen ange-legenheiten, weil zumal der Czaar die erfuüung des friedensverzögerte, wieder in guten stand. Es war auch an. 1712. al-les zur abreise des Königs fertig, den eine Türckische begleitungvon etlrch tausend mann durch Polen führen sollte, wie die Rus-sen in dem geschlossenen stillstand endlich bewilligt hatten. Aberehe mau sichs versähe, nahm der König selbst eine andere ent-schliessunq, weil er entdeckt haben wollte, daß der Groß - Veziervon den Russen geld genommen, und ihn denselten ausliefernwollen. Den Türcken, die ihn zur abreise antrieben, sonderlichdem Bassa von Bender, und des Groß-Äeziers seinen abgeord-neten begegnete er sehr hart, hiesse sie verräther und betrüger,bot ihnen auch mit seiner Hand voll volcks trotz, als sie von ge-malt redeten. Damals waren die Ianitscharen sein schütz , dieihn wegen seines Helden - muthes liebten, sich um die Schwedi-sche postirung herum lagerten, und den Svahis, so die Schwe­ den angreiffeü sollten, die stirn boten, bis der Konig, dessen be-richte nach Constantinopel abermals waren unterschlagen wor-den , mittet fand, courrers durch Deutschland dahin zu schicken,und dadurch dem Sultan vorzustellen, wie die Russen Polenversprochener Massen noch nicht geräumt hätten, sondern viel-mehr auf ihn laureten, und er also mit einer so kleinen bcgiei-tung , als ihm zugedacht gewesen, nicht sicher sey, worauf ihmnoch länger aufenlhalt zu Bender erlaubt, der Groß-Vezier aberentsetzt ward. Ja es ergienge sogar an den Seraskier von Ben-dcr, den Tartar-Chan und alle Türckische Vasallen von Benderbis nach Constantinopel die Verordnung,unter des Königs befehlezu stehen, und selbige so wohl zu verehren, als ob sie vom Groß-Sultan kämen. Es wurde nun auch der krieg wider Moscau imDivan von neuem, und zugleich auch dieses beschlossen, daß derKönig mit einer starcken Tartarischen begleitung nach seinen lan-den gehen, und von dar aus die Czaarische macht zu zertheilensuchen sollte. Auf einmal aber veränderte der König seinen ent-schluß wieder, entweder, weil er vernommen, daß die Tartarneinen anschlag gemacht, ihn den feinden zu überliefern, oder,weil ihm feine Räthe vorgestellt, wie es unverantwortlich sey,die Tartarn den Christen über den hals zu führen. Aus dieseränderuna entstund jedoch dem Könige grosse grfahr. Denn derTartar-Chan und Seraskier von Bender beschlossen nunmehr,da der Sultan einmal des Königs abzug angeordnet, ihn mitgemalt dazu zu nöthigen, entweder weil sie ihre verrätherey ent-deckt sahen, oder weil sie des Königs aufenlhalt unter ihnen, derlauter Verwirrungen im Reiche angerichtet, und vor dem bisherkein Turcke halte bestehen können, toll geinacht. Sie erhieltenauch durch ihre Vorstellungen einen befehl vom Sultan , gewaltzu gebrauchen, weswegen sie nun trotzig forderten, daß der Kö-nig abziehen sollte, auch sein quartier sehr enge einschlössen, und«anoiien davor führten. Er antwortete ihnen aber sehr gebie-

499

terisch, daß er sich keinen verräthern zu vertrauen begehre, undfaßte den entschluß sich zu wehren, wollte auch sich nicht einmalin den schütz der Ianitscharen von Bender begeben, die sich allesgutes gegen ihn erboten, und da sie mit gegen ihn cvmmandirtwurden, ihr pulver und bley nur in die luft schössen, daß derBassa genöthiget ward, Ianitscharen aus andern vestungen zugebrauchen. Nachdem nun der König alle anstalt zur Gegen-wehr gemacht, und etliche tage nach einander die feinde getrotzethatte, indem er stets unter sie ausritt, und von dem altane sei,nes Hauses zu stürme blasen ließ, so geschahe endlich den n. ftbr.171;. von den Türcken und Tartarn ein gewaltiger angriff aufdas Haus des Königs , der etwan 1000. mann bey sich hatte ,mit denselben aber 4. stürme von mittag 1. bis abends 8. uhr ab,schlug, währender welcher zeit er stets mit dem degen in der saustvon einem zimmer ins andere lief, und die gehörige anstalt mach-te , auch in dem ersten anfalle, da er sich noch ausser dem Hausebefand, viele feinde mit eigner Hand erlegte, auch selbst drey-mal , aber nicht gefährlich, verwundet ward. Endlich da diefeinde bey $00. mann verlohren hatten, brachten sie ftuer inSHaus, und hinderten die so loschen wollten durch stete anfalle.Der Konig hatte sich erst vorgenommen, lieber zu verbrennen,als sich den feinden zu ergeben, ließ sich aber doch endlich bere-den , daß er mit dem degen in der saust ausfiel, und sich ebenfallszu tobe fechten wollte. Er erlegte auch einige von feinen fein-den, fiel aber vor Müdigkeit übern Haussen , und ward von den

i anitscharen gefangen genommen. Er wollte gleichwol denartar-Chan nicht sehen , und ward also zum Seraskier ge-bracht , dem er gleichwol auch nicht die geringste Höflichkeit er-wies, sondern als sich derselbige entschuldigte, daß er alles ausbefehl thun muffen, ausdrücklich sagte: Ihr seyd alle gottloseleuthe und verräther einer wie der andere. Gegen einen seinerGenerale aber, der des Königs gefangenschafft, und daß er beyden Türcken vor einen rasenden gehalten wurde, beklagte, ließ ersich.vernehmen: Er sey König und werde auch König bleiben,im übrigen sey es besser bey den Türcken vor einen rasenden, alsbey den feinden vor einen xolrron angesehen zu werden. Den. febr. ward der König von Bender abgeführt, und hatte manihm seinen degen in die kiitsche gelegt, auch den Schweden , dieman bey ihm ließ, ihre degen wieder gegeben. Der König aberwarf den seinigen zuerst weg, und befahl allen seinen leuthendergleichen zu thun, weil sie jetzo gefangen wären, die Türckenmochten ihre degen, so sie ihnen genommen, behalten, er aberwolle ihnen schon andere schaffen. Die reise sollte, wie manmeynt, nach Asien gehen, unterwegens aber begegnete dem Kö-nig ein Offrcier von Constantinopel, welchen der Sultan ausge-schickt hatte, zu sehen, was vor einen weg der König erwehit,weil man ihn versichert hatte, daß er von Türckischem gebiethebereits geschieden sey. Diesen bat der König, seine Unfälle nachConstantinopel zu berichten, weil der Sultan davon nichts wü-ste , der denn alsobald den Tartar-Chan, Groß-Vezier, Mufti,Bassa von Bender und viele andere Grossen, die dem Könige zu-wider gewesen waren , absetzte, und den König zu sich nachAdrianopel kommen ließ. Wiewol er sich nicht in die stadt begab,sondern unweit davon zu Demotica seine Wohnung nahm. Ooer nun wol hier dem Hofe näher war, seine Minister auch allemühe vor ihn anwendeten, so gar, daß sie des nachts öfters ver»kleidet unter das volck giengen, selbiges auf seine feite zu brin-gen , war dennoch mit den Türcken nichts anzufangen. Siemachten zwar wieder mine, als ob sie mit dem Czaar und Polen brechen wollten, es ward auch wieder ein Groß - Vezier undMufti des Königs wegen abgesetzt, und giengen die Türcken zufelde, kehrten aber bald ohne schwerdt - schlag wieder um, weilihnen der Czaar alles eingicng, und der schlechte zustand derSchwedischen fachen in Teutfchland berichtet ward. Weil nundiesen der König auch erfuhr und zugleich ersähe, daß er sich ausdie Türcken nicht verlassen könne, entschloß er sich durch Ungarn nach hause zu gehen. Der Sultan schenckte ihm viel geld undkostbarkeiten auf die reise, die erden 1. oct. an. 1714. antrat,bis an die Srebenbürgische grentze von einem corpo Spahis undIanitscharen begleitet ward, von dar aber seinen weg zu pferdejo eilfertig fortjetzte, daß er in 14. tagen von den grentzen derWaüachey an zu Stralsund anlangte, und also in dieser zeit ei-nen ritt von 287. weilen gethan hatte. Hier aber fand er allesin einem sehr mißlichen zustande. Denn obgleich Steinbockan. 1710. die Dänen mit grossem Verlust wieder aus Schonengetrieben, war doch diß nicht genug den verfall des Schwedi­ schen glücks zu hemmen, daran der König selbst zuni theil mitseiner härte schuld war, die ihn nicht allein so lange in der Tür-ckey aufhielt, dabey seine befehle alle sehr spät erlangt werdenkonnten, ungeachtet er nicht wollte, daß der Reichs - Rath et-was ohne ihn thun sollte, auch vieles , das eilig hatte gesche,hen müssen, wieder umstieß; sondern auch nirgends viel gutefreunde erweckte. So konnte es unmöglich mit günstigen äugenangesehen werden, daß er sich so sehr bemühete, die Türcken undTartarn gegen Christliche Staaten aufzuhetzen , ingleichen, daßer mit Franckreich ein bundnis machte, welcher Crone zu ge-fallen er, wenn er wieder aus der Türckey seyn würde, ver-sprach , im fall der friede mit den Allnrten nicht erfolgte, einediversion in Schlesien zu machen. Absonderlich beleidigte eralle, so damals gegen Franckreich verbunden waren, als er diean. 1710. wegen der Teutschen provintzen entworffene und vondem Reichs-Rath bereits angenommene Neutralität nicht billi-gen wollte. Um der verworffenen Neutralität willen nahmen derT t 4 Czaar