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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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kohrm. In solcher noth berufte die Königin den v. Juan wie-der nach Hofe, des Reichs angelegenheiten mit ihm zu überlegen^da denn aufsein einrathen z»forderst friede mit Portugall ge-machtward, i» welchem die «Spanier alle anspruche auf diesesReich fahren liessen, hingegen sollte v. Juan mit einer starckenvolck-und geld-hülffe als General-Gouverneur nach den Nieder-landen absegeln, wodurch ihn die Königin zugleich von dem P.Neidhart entfernen wollte. Allein dieser zug gieng nicht vorsich, indem I). Juan, der das absehen, so man mit ihm hatte,wohl merckte, sich kranck stellte, und von der Regentin aus Ver-druß befehl bekam , wieder nach Consuegra zu gehen , undder restdentz sich aufro. Meilen nicht zu nähern. So ward auchbald hernach zwischen Franckreich und Spanien an. 1668. zuAachen friede gemacht, darinne man den Franzosen , die inFlandern weggenommene städte überließ. Indessen wahrten dieinnerlichen zwistigkeiten noch immer fort, und muste die Koniginendlich an. 1669. den P. Neidhart aus dem Reiche schicken, weilbey annäherung des v. Juan mit ;. compagnien reuterey zuMadrid fast ein aufruhr entstanden wäre, den Printzen selbstaber, der noch immer fortfuhr, schriftlich auf abstellung ver-schiedener anderer fehler im regimenk zu dringen, machte sie zumGouverneur in Aragonien , Catalonien und Valencia , Damiter entweders befriedigt, oder doch von Hofe abgehalten werdenmöchte. Bald darauf warb Spanien von neuen in den Nieder­ ländischen krieg verwickelt, den Franckreich an. 1672. anfimg,da man denn der Spanischen regierung schuld giebt , sie sey all-zu nachläßig gewesen, die tripel-alliantz bey ihrer vestigkeit zu er-halten , indem es ihr sowol an thätigkeit als an gelde gefehlt.Hingegen waren die Spanier bey entstandenem kriege destostandhaffter, und gaben den Französischen Versuchungen kein ge-hör , die sie zu einer off-und defensiv-alliantz gegen die Holländerunter vortheilhafftigen erbietungen, zum theil auch mit drohun-gen bewegen sollten, und traten hingegen mit dem Kayser undden vereinigten Niederlanden in ein bündnis, zu ihrer Vertheidi-gung , daraufdenn an. 167;. der krieg angekündigt ward, wel-cher jedoch vor die Spanier nicht gar glücklich lief. Denn obsie sich gleich in möglichste Verfassung gefetzt hatten , konnten siesich doch nicht starck genug machen, den feinden an allen ortenzu begegnen, zumal da an. 1674. und also im anfange des kriegsauch Meßina in Sicilien aufrührisch ward, und die Franzosenzu hülffe rufte, die sich auch daselbst etliche jähr aufhielten, undder Spanier ihre krässte zertheiten, bis sie um das ende des krie-ges 1678. Sicilien gutwillig verliessen. Solcher gestalt verloh-ren dieselben i>» diesem kriege die Grafschafft Burgund, Lim.bürg, Valenciennes , Cambrai , Conde , u. s. f. ingleichen inCatalonien Puicerda, und wurden, weil sie keine rettung sa-hen , fast genöthigt einen frieden anzunehmen, so gut er zu krie-gen war. Denn in den Niederlanden konnten sie mehr nicht,als 10000. mann halten, in Catalonien waren ihnen 12000.Franzosen überlegen, und ihren bunds - genossen ivaren sie fastnicht das geringste von der versprochenen geld - hülffe zu haltenvermögend, um welcher ohnmacht willen einige von den Spani­ schen Räthen gar in Vorschlag brachten, man solle die gesamtenNiederlande fahren lassen, und etwan Roußillon davor zu bekom-men suchen. Zum wenigsten wandten sie es zur Ursache vor, alssie sich ohne den beylritt der übrigen Alliirten zu erwarten, nebstden Holländern mit Franckreich verglichen, und an diese Croncdie Grafschafft Burgund, Cambrai , Valenciennes , Ypern , Aire,St. Omer , Conde, nebst noch einigen andern Niederländischen vestungen überliessen. Mittler zeit war eine merckwürdige Ver-änderung im regimente vorgegangen, indem 0 . Juan, wie ervorlängst gesucht, das heft von der regierung in die Hände be-kommen. Nach des P. Nerdharts Vertreibung hatte die Königineinen andern liebling, nahmens Valenzuela, angenommen, unddenselben so sehr erhoben, daß er auch Grand von Spanien vom ersten ränge war, und bey Hofe alles nach seinem willen ge-hen muste, darüber denn viele Grosse mit v. Juan, dem ohnediß der aufenthalt zu Saragossa nicht recht anstund, heimlichrath pflogen, es auch bey dem Könige so weit brachten, daß derKönig nach seiner gegenwart ein verlangen bezeigte, auf welcheNachricht v. Juan zu ansang des jahrs 1677. von Saragossa wegqieng. Zu gleicher zeit hatte man dem Könige die vormund-schafft seiner mütter verhaßt gemacht, und vorgestellt, daß er nichtnur unter ihr, sondern auch unter bemeldtem Valenzuela stehenmüsse, deswegen er denn, ungeachtet aller sorgfalt der Köni->n, dereinst des nachts mit einem seiner Cammer-Junckermausem pallast entwischte,und in einen mantel eingehüllt zu fuß bisnach Buen Retiro gieng, allwo so bald die Grössen hauffen-wei-se zu ihm kamen und auch v. Juan sich einfand, auf dessen rathdie Königin von Hofe nach Toledo geschafft, ihr favorit gefan-gen nach den Philippinischen insuln gefuhret, und die Herren, soseinetwegen vomHofe entfernet gelebt, zurück beruffen worden.Der König reiste hierauf nach Äraqonren, in diesem Königrei-che nach beschwornen freyheiten des volcks die Huldigung einzu-nehmen , und D. Juan sollte sich fortan mit fleiß bemühen , diebisher eingerissene fehler zu verbessern. Allein, es waren diesel-ben viel zu tief gewnrtzelt, als daß sie auf einmal hätten könnengehoben werden. Daher denn des volcks Hoffnung und qunstgegen ihn bald wegfiel. Weil er auch der Königlichen Muttergar übel begegnete, und nothwendig viele Grossen vor den köpfsiossen muste, die theils von ihrem anhange waren , theils beyder vorgenommenen änderung im regimente litten, sicng sichbald an eine partey gegen ihn hervor zu thun, die dem jungen

Könige viel von der oberherrschafft, so sich v. Juan über ihnheraus nähme, und von zurückberuffung der verwittidten Kö-nigin vorsagte, und ihn zu bereden suchte, daß er künftig selbstregieren sollte, unter welchen der P. Relux, ein Dominicaner,des Königs Beicht-vatter, auch war, dem doch v. Juan zu die-ser stelle geholffen hatte. Sie brachten es auch dahin, daß derKönig zuweilen einige Verdrießlichkeit gegen ihn blicken ließ, und'D. Juan auS empfindlrchkeit über feinem wanckenden glücke an.1679. starb. Gleich darauf begab sich der König zu feiner Mut-ter nach Toledo , holte sie wieder nach Madrid , und sieng an ingrosser Vertraulichkeit mit ihr zu leben. In eben diesem jährevermählte sich der König mit des Hcrtzogs von Orleans seinerPrintzeßin, Maria Ludovica, welche heurath ein werck des D.Juan war, der sie schon seit an. 1677. aufgeworffen hatte. Vor-her war der König mit der Kayserlichen Printzeßin, Maria An-tonia, bereits verlobt, und die ehe - stiftung verfertiget gewesen.Bemeldter Printz aber, der um der verwittibten Königin wil-len , dem Kayserlichen Hause nicht gut war, hintertrieb diß, undlenckte des Königshertz unter dem vorwande, daß dadurch dasfricdens-werck befördert werden könne, nach Franckreich , wie-wol viele Spanier damit nicht zufrieden waren , und die Fran-zofen auch der Cron «Spanien wegen dieser Verbindung so wenigeinige bessere bedingungen zugestehen wollten, daß sie viel-mehr derselben die einwllligung in diese heurath als eine wohl-that anrechneten. Im regimente versprach man sich zwar eineheilsame änderung, es gieng aber damit sehr langsam zu. Dennder König konnte selbst nicht regieren, und sich auch lange zeitnicht entschliessen, wem er sich vertrauen, und ob er eine ,funcaaufrichten , oder einen Privado annehmen sollte. Mittlerweileblieb alles liegen, und das elend nahm in allen Spanischen län-dern mehr und mehr überhand, zmnal wegen der Unordnungin der muntze, da man vor etliche Millionen kupfer - geld ge-macht , und solches nun nicht wieder einlösen , auch dem sehrhohen werthe des gelbes, so wegen vieler falschen müntze überdie helfte gestiegen war , anders nicht steuren konnte, als da-durch , daß man es auf einmal herunter fetzte. Als aber dienoth immer grösser, und die angelegenheiten des Reichs drin-gender wurde»,ernennte endlich der König an. 1680. den Hertzogvon Medina Celi zu seinem vornehmsten Minister, der zwarnicht ohne Verdienste, aber von allzuweniger erfahrung undnicht feurig genug war, die nöthigen Veränderungen einzusehenoder durchzutreiben, da er zumal alles allein thun wollte, zu ge-schweigen, daß ihm auch die Verwirrungen des Hofs, bey denener immer wegen seiner eigenen Vortheile besorgt seyn muste, nichtviel zeit vor das gemeine beste übrig liessen. Daher war auch sei-ne Verwaltung voller beschwerungen von grossen und kleinen,und wollten die Unterthanen etliche mal gar schwierig werden.Inzwischen hatte Franckreich seit dem Niemägischen friedenschlechte mine gegen Spanien gemacht, die grentz - fcheidung inden Niederlanden aufgehalten, allerhand beschwerungen widerden Spanischen Hof gehäuft, und durch seine bekannten reu-nionen immer weiter um sich zu greiffen getrachtet, auch würck-lich im Luxemburgischen und in Flandern feindseligkeiten ausge-übt. Sonderlich brachen die Franzosen an. 168;. los, da sie nichtallein das platte land in contribution setzten, sondern auch Cor-tryck und Dstmüden mit gemalt einnahmen, unter dem vor-wande , daß sie wegen ihrer bisherigen anspruche keine gnug-thuung hätten erhalten können, deswegen denn Spanien end-lich in diesem jähre den Franzosen auch den krieg ankündigen mu-ste. Allein, da an. 1684. auch Luxemburg an die feinde übergieng,dazu dem Kayser die Hände gebunden waren, und weder vonTeutschen noch von den Holländern hülffe zu gewartcn stund,sahe sich Spanien genöthigt, den zwanzig-jährtzzen stillstand, dendie Holländer zuerst eingegangen, anzunehmen, und Luxemburg in demselben an Franckreich zu überlassen. Bald nach diesemstillstände 1685. legte der Hertzog von Medina Celi, weil er bis-her vielen haß auf sich geladen,und absonderlich mit der regieren-den Königin zerfallen war, seine bedienung, als vornehmsterStaats - Minister, nieder,, und der König entschloß sich , dieregieriing künftig selber zu führen, wiewol er solches nicht ver-mögend war. Jedoch setzte er keinen Privado mehr , und wardauch in allen Collegiis, um die unnützen befoldungen zu ersparen,eine grosse Veränderung vorgenommen. In eben demselben jährewurden einige Franzosen beschuldigt, sie hätten die Königin un-fruchtbar gemacht, und den König mit gifte vergeben wollen ,weswegen etliche aufdie folter kamen, und zuletzt aus dem Rei-che verbannt wurden. Selbst die Königin muste alle ihre Fran-zösische bedienten, bis auf einen einigen koch, von sich lassen.Es kan seyn, daß diese beschnldigung von dem ordentlichen hasseder Svanrer gegen die Franzosen ihnen aufgebürdet worden, dersich, seit dem die Königin ins land gekommen war, gegen sie undihre leuthe schon vielfältig geäussert hatte. Zum wenigsten wares nicht möglich, zwischen beyden Reichen ein beständig gutesvernehmen aufzurichten , und hörte man von Französischer feitenicht auf,den Spaniern immer mit neuen forderungen zuzusetzen.Diese liessen sich hingegen an.1686.wegm desBurgundifchen krei-ses in das Augfpurgifche bündnrs ein, wodurch sie die Franzofenvon neuen reitzten. Es mochte auch wol der Marquis von Ga-stanaga, Spanischer Gouverneur in den Niederlanden , dem Kö-nige Wilhelm bey seinem zuge nach Engelland Vorschub gethanhaben, zum wenigsten wollten die Spanier , als Franckreich an.1688. wieder aufdie Holländer losgieng, von keiner Neutralitäthören,und wurden also von neuen in den krieg verwickelt,dagegen

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