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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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-war nicht so viel gültig, doch aber vor sich so mächtig, daßihm dieser Papst in seiner kurtzen rcgierung nicht viel schadenkonnte. Nach dessen tode aber ward er an. «21. den 19. nov.selbst aufden Päpstlichen stuhl erhoben, weil die alten Cardmale,die ihm zuwider, sich nicht starck noch einig genug befunden, undüberdem die viele» geistlichen wurden , die er besaß, den meistenin die äugen stachen, als die der neue Papst nunmehr austheilenmuste. DaS erste, was Clemens nach besteigung des Päpstl.stuhls vornahm, waren die religions-sachen, in deren ansehunger einen andern weg zu gehen anfieng, als sein Vorfahr Adrian,indem er auf alle weise die zusammenruffung eines Concilii zuvermeiden trachtete, und deswegen den Cardinal Campegiumnach Teutschland schickte, welcher eine reformation der niedri-gen Clerisey antragen muste, die aber von den Protestanten alsunzulänglich verworffen ward. Das andre, was des Papstsseine sorgfalt bald anfangs erforderte, war der Italiänische kriegzwischen dem Kayser nnd der Cron Franckreich. Nun war erzwar, als Cardinal, immer auf des Kaysers feite gewesen, undmit in das bündnis wider Franckreich eingetreten, hatte von dem-selben auch wohlthaten genossen, indem er ihn nach Leonis X.tode in schul; genommen, und zu seiner erhohung viel bey-getragen hatte. Nachdem aber Clemens Papst worden, thater, als ob erunparteyisch seyn und den frieden befördern wollte,wiewol er doch wieder seine völcker aus dem Mayländischen ab-führte , und der Kayscrlichen armee subsidien zahlte, damit eraber inne hielt, als der krieg in Franckreich gespielt werdensollte. Wie Franciscus I. an. 1525. nach Italien dnrchge-drungen war, machte der Papst heimlich gar einen besondernfrieden mit dem Könige, und verband sich, den feinden dessel,den keinen beystand zu leisten. Als aber die Kayserlichen dastreffen vor Pavia erhalten hatten, gerieth der Papst in solchefurcht, daß er sich init ihnen in neue tractaten einließ, auch ih-ren völckern eine grosse geld-summe zu deren unterhalt bezahlte,wovor er sich zwar verschiedene Vortheile bedungen zu haben ver-meynte, die ihm aber vom Kayser nicht zugestanden wurden.Er änderte auch seinen sinn bald wieder, machte heimliche pra-ticken wider den Kayser, und erledigte den König in Franckreichvon dem eyde, damit er den Madrttischen frieden beschworenhatte, und schloß endlich gar mit Franckreich und Venedig an.1526. ein bündnis, nach welchem dem Kayser alle macht in Ita­ lien entzogen werden sollte, wodurch er sich aber viel Unheilauf den hals zog. Denn erst ward er von den Colonnesern, diees mit dem Kayser hielten und des Papsts alte feinde waren, zuRom überfallen und genöthiget, den anschlägen wider denKayser abzusagen, und, als er dieses versprechen wieder brach,giengen die Kayserlichen unter dem Hertzoge von Bourbon aufRom los. Clemens meynte zwar das unqewittcr abzuwenden,und gieng einen neuen vergleich ein, danckte demselben zu folgeseine völcker auch würcklich ah; allein die Kayserliche armeewar nun nicht mehr zurück zu halten, eroberte Rom an. 1527.mit stürm, und der Papst, der ungeachtet aller Warnung nichtvon bannen hatte weichen wollen, muste sich in der Engelsburgbelagern, fast vor seinen äugen in Rom die abscheulichste Ver-wüstung geschehen, und sich selbst aufs ärgste beschimpfen las-sen. Weil es ihm nun hier an allen Nothwendigkeiten fehlte,und seine bundsgenossen den entsatz verzögerten, muste er sichmit dem Kayser vertragen, das bündnis wider denselben ver-lassen , und seine freyheit mit einer grossen summe gelbes cr-kauffen, worauf er nach Orvieto gelassen ward, die Kayser-lichen aber Rom besetzt behielten, bis die Franzosen an. 1528.ins Neapolitanische einbrachen. Die briefe, so der Papst undder Kayser währender dieser zeit an einander geschrieben, sindan. 1527. zu Inspruck gedruckt, in welchen der Papst vondem Kayser der treulosigkeit und anderer laster beschuldigetwird. Damals fieng der Papst an, sich in ernst auf des Kay-serS feite zu lencken, weil er durch feine hülste Florentz vordie Mediceer, und andere örter vor den Römischen stuhl, zuerlangen hoffte, und er schloß auch würcklich mit dem Kayseran. 1529. zu Barcellona einen überaus vortheilhafften vergleich,welcher durch eine Heurath zwischen Alexandro Medicis unddeS Kaysers natürlichen tochter Margarctha bestätiget ward.Krafft dessen ward bald hernach Florentz mit gemalt dem Me-diceischen Hause, und nahmentlich dem jetztgedachten Alexan,dro unterworffen, und schien der Papst mit dem Kayser, dersich von ihm an. 1529. zu Bononien crönen ließ, in vollkom-men gutem vernehmen zu stehen. Er zerfiel auch würcklichdem Kayser zu gefallen mit den, Könige in Engelland, desseneheschetdung von des Kaysers muhme, wozu er vorhin ziemli-che Hoffnung gemacht, nunmehro Clemens gar nicht billigenwollte, und deswegen den proceß nach Rom zog , in demselbenaber dergestalt verfuhr, daß sich der König endlich mit seinemgantzen Reiche von dem Römischen stuhle absonderte, woraufNch der Papst, da der Handel noch hätte können beygelegt wer-den , mit dem bann von neuem übereilte, und damit diesenschaden unheilbar machte. Gleichwol war die frenndschafftmit dem Kayser auch nicht beständig. Denn erstlich ärgerte eSden Papst, daß Carolus V. gar zu ernstlich auf ein Conciliumdrang, welches er auch endlich anzustellen versprechen muste,dabey er jedoch dedingungen setzte, welche nicht angenommenwerden konnten. Hernach verdroß es ihn, daß der Kayser denProtestanten in erwartung eines freyen Loncilü an. i;;2. ei-nige religions-freyheik gestatret. Endlich hatte ihm der Kayserin seinen streitigkeiten mit dem Hertzoge von Ferrara nicht rechtHistor. Lexicon u. Theil.

fugen wollen. Diß alles bewog ihn, sich wieder an Franckreichzu hängen, wie denn zwischen dem Französischen Printzen Hen-rico und des Papsts seiner verwandtin, Catharinen von Me­ dicis , eine Heurath geschlossen ward, und führte Clemens diebraut an. i;;z. selber nach Marsilien, bey welcher gelegenheiler sich mit dem Könige persönlich besprach. Einige wollen,daß damals zwischen beyden ein bündnis geschlossen worden,dem aber von andern widersprochen wird. Zum wenigsten hatdes Papsts tod verursacht, daß nichts zu wercke gerichtet werdenkönnen. Denn er starb an. 1514. den 25. sept. nachdem eeden meisten theil von jähren kranck gewesen. Er war einernsthaffter, strenger und mäßiger mann. Es fehlte ihm zwarnicht an verstände, er konnte ihn aber in Überlegung wichtigerdinge nicht brauchen , als bey welchen er sich stets furchtsam,unentschlossen und wanckelmüthig erzeigte. Er war qcitzig underwies niemanden wohlthaten, wenn er nicht müsse, daheribm auch niemand gut war. Seine grausamkeit und raachgierhaben sonderlich die guten Florentiner nach übergab ihrer stadterfahren müssen. Jovius, in elog. & hist. üb. LXXXII. Guic-ciardinus. Ciacconius. Onupbrius. Bleidanus. P. Daniel, hist.de France. Leti , leben Kaysers Caroli V. &c. *

Cl emettj LXni· ursprünglich von Florentz und gebürtig vonFamsMs dem Patrimonio Petri, war ein söhn Sylvestri Äldo-brandini, Gouverneurs zu Fano , wurde an. 1*92. den zo.jan. nach Jnnocentii IX. tode zum Papste erwehlet. Er hießsonst Hippolytus Aldobrandinus, war anfänglich Auditor diRuota und Referendarius bey dem Papste Sixtv V. der ihn an.158;. zum Cardinal machte, und succedirte im folgenden jähredem Cardinal Buoncompagno in der stelle eines Groß-Pwniten-tiarü. Er war auch Legal in Polen , und hatte sich durch un-terschiedene andere Verrichtungen ein solches ansehen erworben,daß er endlich die Päpstliche würde erhielt. Unter den vor-nehmsten begebenheiten, die unter seiner regierung vorgefal-len , ist dieses, daß er endlich nach sehr vielen, zuvor vonfeiten Franckreich bey den vorigen Päpsten vergeblich genom-menen bemühungen den König von Franckreich Henricum IV.den 17. sept. an. 1595. absolviret, unerachtet die Spanier allemuhe anwandten, es zu verhindern. Er beförderte auch denzu Vervins an. 1598. zwischen Franckreich und Spanien , in»gleichen den zu Lyon an. 1601. zwischen Franckreich und Sa-voyen geschlossenen frieden, und vereinigte nach des Hertzogsvon Ferrara tode dieses Hertzogthum mit dem Kirchen-Staate;wobey er wider den Hertzog von Modena , der auch diesen theilder Ferrarischen erbschafft gern behaupten wollte, zu den Waf-fen griffe; so jedoch, weil dieser es aufs äusserste nicht dorsteankommen lassen, zuletzt ohne blutvergiessen abgieng. Erwollte in der theologischen streitigkeit de Auxiliis, oder von derGöttlichen gnade und dem freyen willen, die zwischen den Do-minicanern und Jesuiten mit grosser Heftigkeit geführet wur-den , nichts gewisses beschliessen. :Er hat auch die vulgatamversionem der H. Schrift, ob sie gleich schon einmal auf besehtSirti V. war revidtret worden , aufs neue verbessern lassen.Bey unterschiedlichen Promotionen creirte er über 50. Cardinäle ,worunter Baronius, Bellarminus, Perronius, Ossatus, Tole-tus, Tarugi und de Sourdis die bekanntesten sind. Nachdem eri;. jähr nnd ;;.tage gesessen, starb er den 5. mertz an. 160;.

Spondan. ad an. 1592. seq. Ciacconius, in suppl. Lettres duCard. dOssat. Abrege de lhistoir. de la Congreg. de Auxiliis.Le Blaue, in hist. Congreg. de Auxiliis divins gratis fub S. P.Clemente VIII . & Paulo V. lib. II. Heidegger, in histor. Papat.§. 20;. seq. Caroli, memor. hist. eccl. soc. 17. lib. I. c. 2;. &c. *

Cle mens IX. sonst Julius Rospigliosi genannt, war aus ei-ner adelichen familie zu Pistoja im Florentinischen, gebohrenan. 159Y. Urbanus VIII . machte ihn zum Auditor der Lega-tion des Cardinals Barberini, und weil er sich hierbey wohlaufgeführet, schickte er ihn als Nuntium nach Spanien , wo-selbst er 11. jähr in dieser station geblieben, ob gleich sonst nurg. jähr darzu bestimmet sind. Nachdem Urbanus an. 1644. ge-storben , wurde er zurück beruften, und ihm bey der wählAlexandri VII. das Gouvernement der stadt Rom anvertrauet.Eben dieser Papst Alexander machte ihn zu seinem 8 eeretario, un-endlich zum Cardinal, worauf er nach dessen tode den 20. jun.an. 1667. zum Papst erwehlet wurde. Er ließ sich erstlich an-gelegen seyn, das volck im Kirchen - Staat von einigen aufläge»zu befreyen; worauf er auch den krieg, welchen die Christenzu dieser zeit mit den Türcken wegen Candia führten, beför-derte, und zu diesem ende sich bemühete, den krieg zwische»Franckreich nnd Spanien beyzulegen , welches auch durch denfriedens - schlug zu Aachen an. 1668. erfolgte. Nichts desto-wenlger hatte dieser Papst den Verdruß, daß Claudia verlohrengieng, welches ihm, wie einige vorgeben, so soll zu hertzen ge,gangen seyn, daß solches nicht wenig zu seinem tode beygetra-gen. Sonst sind unter diesem Papste die Iansenistischen strei»tigkeiten in Franckreich einiger Massen beygeleget worden, wie-wol selbige bald hernach wieder hervor gebrochen. Ihm zu ge-fallen erlaubte der König in Franckreich, die wegen der ver-triebenen Corsen unter Alexandro VI. aufgerichtete Pyramidewieder umzureissen. Er starb den 9. dec. an. 1669. His.toire des Conelaves, tom. II. Theatrum Europium; Dia­ rium Europium; Hist . des cinq. Propos. de Jansenius ; la Paixde Clement IX. &c. Heidegger, in histor. Papat. §. 298.

Clemens X. sonst Aemilius Altieri genannt, war ausR r r; einem