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iMMislin -m den Papst thun ließ, worauf die beforgung der«awirl anaelcgenheileii dem Cardinal Grimani aufgetragenward »der durch seine hertzhafftigkeit die freyheilen/ die derBaust dem Cardinal Fourbm zum Nachtheil derOesterretchischenveraltet. redlich einbrachte. Hernach da der Kayser durchden entfall von Turin , und die darauf erfolgte capikulation desobern tbests von Italien Meister ward, empfand der Papst bel-len aewalt auch mit mehrerm nachdrucke. DieHertzogthum-mer Barnia und Placentz wurden, ungeachtet deS vorgewand-ten Kirchen-lehns, als dem Reiche unterwürfige stucke mit vol-cke belegt, und zu bezahlung der kriegs-stenren angehalten, wel-cbes auch einigen strichen im Kirchen-Staate widerfuhr. Denvolckern, die nach Neapolis giengen, muste der durchzug ver-stattet werden, und bey dieser gelegenheit kainen die Teutlchenzuweilen so nahe an Rom , daß dem Papst bange ward, derauch 8. stadt-thore zumauren ließ. Endlich wurden an. 1708.alle gelber, die aus dem Mayländischen und Neapolitanischennach Rom pflegten gezahlt zu iverden, mit verböte belegt, dieqerichtdarkeit der Nunciarur gchemmet, viele alte forderungendes Reichs wider den Päpstlichen stuhl wieder aufgesucht, undeine armee in das Ferrarifche geschickt, welche Commachio ein-nahm und befestigte, und Ferrara selbsten belagerte. DerPapst war nichts destoweniger anfangs so wenig zum nachgebengeneigt, daß er auch dem Cardinal Barderin», der zum frie-den rieth, den Hof verbot, den stchatz Sirti V. angriffe, volckwarb, und den Grafen Marstgli zum General machte. Aber,weil er vor sich dem Kayser zu schwach war, und nirgends herhülffe hoffen konnte, die Kaystrl. indessen immer naher aufRom rückten, und auch der ruf gieng, daß eine Englilche flot-te in das Mittelländische meer kommen werbe, bequemte er sichendlich zu einem stillstände, verzog aber doch bis fast auf denletzten augenblick desselben, ehe er den frieden schloß, welchesden r;. jan. an. 1709. geschahe. In den geheimen arkickulndieses Vergleichs hatte der Papst versprochen, Carolum vor ei-nen König in Spanien zu erkennen, welches er auch noch indiesem jähre durch ein Lreve den 26. junii und iml Oonlistorioden 14. ocl., wiewol mit Widerwillen, und nicht eher that, alsbis die Teutschen schon wieder fertig stunden, in den Kirchen-Staat zu rücken. Mit Commachio aber muste er es im altenstände lassen und zugeben, baß der ort von den Teutschen be-setzt blieb, bis man die gründe der beyderseitigen forderungenzur genüge untersuchet, daher denn die Kayserl. denjelben bisauf das Papstthum Benedicti XIII. inne behalten, und erst, an.172;. wieder zurück gegeben haben, so sehr sich auch der Päpst-liche Hof vorher um dessen einräumung bemühet. Es bliebenauch andere streitigkeiten mit dem Kayserl. Hofe deswegen nichtnach, indem dieser sich allen Unternehmungen der Kirche, diezum Nachtheil des weltliche» regiments zu gereichen schienen,hertzhafft widersetzte. Daher es sonderlich in dem Neapolita-nischen über die kirchen-freyheit, über die aewalt der Nuncio-rum , über die ersetzung der geistlichen beneficien, die nach desKaysers willen nur eingebohrnen sollten gegeben werden, undüber andere solche puncre mehr stets Zwiespalt gab. Es meyntezwar der Papst, nach des Kaysers Josephs tobe sein ansehenwieder in die höhe zu bringen, welches ihm aber auch nichtgelungen. Denn die Kayserl. Frau Mutter, an die er sich, alsRegent«» wegen Commachio machte, wollte in dieser das Reichangehenden fache sich nicht einlassen. Bey der Kayfer-wahl woll-te er die gebieterischen Worte der Päpste aus den mittlern zeltenwieder annehmen, und schickte seinen Nepoten Albani als Nun-tium mit solchen instrmtivnen nach Franckfurt, vermöge wel-cher derselbe aus schuldigkeit zugelassen zu werden begehren,und noch andre forderungen wegen des ceremoniels und be-fördcruny der Päpstl. angelegenheiten in der wahl-capitulationthun muste, die aber von den Churfürsten so wenig geachtetwurden, daß man dem Nuntio ein geringer ceremoniel, als derChurfürstlichen Gesandten ihres war, ausmachte, und zurWahl-zeit ihn sowol, als andre fremde die stadt zu verlassennöthigte. Der neue Kayser Carl VI. wollte auch hernach ihmzu gefallen von seinen gerechtsamen nichts nachgeben, und ver-theidigte zuförderst das Jus primariarum Precum dergestalt, daßendlich an. 1714. der Papst nachgeben, und mit einer anrededes Kayserl. Gesandten zufrieden seyn muste, darinnen nichtum den Päpstlichen indult zu dieser fache, sondern durch all-gcineine Worte, uin erzeigung aller gefälligkeit, welche die Kay-scr sonst von den Päpsten zu genicssen pflegen, angesucht ward,dagegen sich der Papst verband, die Kayserl. Precisten gegen dieWidersetzlichkeit der Stifter zu schützen. Als nachgehends derPapst sich sehr verdächtig gemacht, als ob er an den Spani schen Unternehmungen wider Sicilien theil habe, empfand erabermals eine harte ahndung vom Kayser, indem der Nuntiusaus Neapolis weggeschafft,, das archiv der Nunciatur versie-gelt, feine brieffchafflen zurück behalten, die Päpstlichen ein-künfte eingezogen, des Ertz-Bifchoffs General-Vicarius mitmannfchafst über die grentzen gcführct, und gedrohet wurde,die Nuntius zu Wien und Brüssel ebenfalls wegzuschaffen. Esfind auch diese mißhelligkeiten bey deö Papsts leben nicht geho-ben worden. Denn ob er gleich feinen vetter, den jüngern Al-bani, deswegen nach Wien schickte, so konnte selbiger dochkein rechtes gehör erlangen, weil man am Kayserl. Hof wohlmerckte, daß der Papst noch immer fortfahre in Italien zu Un-terdrückung der Kayserl. hcrrschafft etwas zu kochen, gestalt erdenn schon vor geraumer zeit, als die Printzeßin von Parma
nach Spanien vermählet ward, eine Verordnung gemacht, daßdieses Hertzoglhum nach abgang des männlichen stamms aufden weiblichen fallen solle. So sehr nun gleich der Papst inallen stücken des Bourbonischen Hauses und sonderlich Philippein Spanien seine angelegenheiten beförderte, konnte er dochnicht alle Widerwärtigkeiten mit demselben vermeiden. Er ge-rieth ihm aber sonderlich auf den hals, nachdem er war genö-thiget worden, König Carolum zu erkennen. Denn da woll-te Philippuö nichts mehr mit ihm zu thun haben, verböte demNuntio den Hof, ließ kein geld nach Rom folgen , und durchden Auditor di Ruota, Mvlines, ihm alle erstnnliche widerwär,tigkeit anthun, welches viele jähre hinter einander währte, undnicht eher, als etwan ein jähr vor des Papsts tode völlig beyge-legt ward, so daß, wenn es nicht grossen theils nqch vielermuthmassung ein spiegel-fechten gewesen, der Papst sich wolrechtschaffen zwischen thür und angel befunden. Eben solcheverdrießliche und unaufhörliche streitigkeiten hat er auch mitdem Hertzoge von Savoyen theils über die Archen - freyheit,theils über die ernennunq der Personen zu entledigten geistlichenstellen gehabt. Die wurden sonderlich groß, als dem Herllo-ge im Utrechtische» frieden das Königreich Sicilien zugeschla-gen war. Denn da machten es die Savoyer eben wie in Pie-mont, das Tribunal der Monarchie wollte keine geistliche ge-richtbarkeit erkennen, achtete keinen Päpstl. bann, jagte die Geist-lichen , die sich nach demselben richteten, unter denen auch ver-schiedene Bifchoffe waren, aus dem lande, die denn alle an derzahl ungefehr ,000. „ach Rom liefen, und mit des Papsts gros-ser beschwerung auf seine kosten musten unterhalten werden. Sobekam er auch an. 1717. einen theuren kostgänger an dem Prä-tendenten , den er gleichwol zärtlich aufnahm, und, da er stchentschliessen muste, seinen beständigen aufenthalt zu Rom zunehmen, nebst seiner gemahlin, zu der er ihm auch wider desKaysers willen hatte geholffen, nach vermögen versorgte. Diestetigen Unruhen in Polen machten ihm auch viel zu schaffen,allwo er sich des Königs Augusti beständig annahm, und mitseinem gegner Stanislao memals, auch nicht nach dem Ran-städtischen frieden, etwas wollte zu schaffen haben. Eines vonden geheimnissen seiner regierung ist die Gesandtschafft, die erzur zeit der Polniichen Verwirrungen an. 1702. durch einen Do-minicaner , Augustinum Levesi, beydem Könige in Schweden ablegen lassen. Viele meynen, es sey dieselbe von der verwit-tibten Königin in Polen und dem Cardinal Fourbin veranlaßtgewesen, und habe folglich nicht eben die Vortheile des KönigsAugusti zum zwecke gehabt. Als die Türcken an. 1716. die Äe.netianer angriffen, und dadurch auch Italien in gefahr gerieth,wendete er alle sorgfalt an, diesen feinden zu begegnen, gestalter seine galeeren zu der Venetianischen flotte flössen ließ, derRepublick mit gelde bcysprung, auch andere Potentaten, und son-derlich den Kayser, in bündnis mit Venedig zu bringen sich be-mühete, auch demselben zum Türcken-kcieg die zehenden vonden geistlichen einkünften in seinen landen zu heben gestattete.Jedoch ward er dabey zum wenigsten seinem vorgeben nach vonPhilippo in Spanien hintergangen, indem derselbe die vomPapste auch ihm verstatteten geistlichen gelber und die unterdem vorwande den Venetianern zu helsse» ausgerüstete flottezum kriege wider den Kayser anwendete. Weil nun der Car dinal Alberoni hieran, wie auch an den mißhelligkeiten zwi-schen beyden Höfen schuld seyn sollte, hat der Papst es her-nach dahin gebracht, daß er aus Svanien geschafft wurde, wor-auf er ihm den proccß machen lassen, dessen endschaffl abernicht erlebt. Den allcrverwirrtesten Handel hat sich dieser Papstmit der berühmten Constitution Unigenitus zugezogen. Denner ließ sich durch die Jesuiten , und durch seinen vertrautenFabroni, so der Societät gantz ergeben war, bewegen, dasvom P. Quesnel aus der Congregation des Oratorii mit aller-hand detrachtungen heraus gegebene neue Testament, und in-sonderheit gewisse daraus gezogene lehren, an der zahl 101.durch bemeldte Constitution zu verdammen. Weil aber diesesbuch von langer zeit her bey vielen in grosser Hochachtung stund,und auch damals noch sonderlich durch den Cardinal von Noail-les vertheidigt wurde, auf den eben die Jesuiten übel zu spre-chen waren, so entstunden daher grosse spaltungen in Franck-reich, indem etliche die Constitution schlechterdings annahmen, et-liche zum wenigsten erklärungen darüber haben, oder auch selbstmachen wollten, etliche sie gar miteinander verwarfen, undan ei» freyes Concilium appellirten, wobey des Papsts anse,hen durch verschiedene schriften viel leiden muste, und grossegefahr war, daß in Franckreich ein National-Concilium gehal-ten werden möchte. Allein er hatte den König Ludewig XIV.auf seiner feite, der ihn auf die annehmung der Constitutiondringen half, und Verfolgungen wider deren gegner zu erregenanfieng, daher er denn von keinem vergleiche hören wollte, undsich durch eine neue bulle von allen denen absonderte, welchedie Constitutionnicht annahmen. Ob nun gleich demeldter Kö-nig vor die beförderung dieser fache zu zeitig starb, und dieneue regierung in Franckreich sich anfänglich der Constitutiongar nicht geneigt erwies, daher denn die zahl der appelliren-den täglich zunahm, so blieb der Papst dennoch auf seinemsinn, und wollte keine vorschlüge annehme», weswegen er auchdiesen Handel bey seinem tode unausgemachl, und in der gro-ssen Verwirrung hinterließ. In Spanien und Portugall hatman die Constitution ohne Widerrede angenommen. InTeutschland und den Niederlanden ist es auch von einigenRrr 4 gesche--