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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
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Die dritte Creutzfahrt begab sich an. 1188. nachdem Je­ rusalem bey gelegen!)«! der grossen jireitigkeiten zwischen denChristlichen Printzen daselbst, von dem Egvptischen Sultan warerobert worden. Die vornehmsten Häupter dabey waren derKayser Fridericus Barbarossa , Fridericus Hertzog von Schwa­ ben sein anderer söhn, Leopoldus, Hertzog von Oesterreich,und noch über 60 . andere der vornehmsten Fürsten des Reichs,nebst vielen Bischöffen. Der Kayser Fridericus brach an. i i8y.zu ende des aprils von Regenspurg auf, und marschirte demGriechischen Kayser zum trotz siegreich in Thracien , und vonbannen in Klein-Asien , woselbst er den Sultan von Jconienschlug. Allein da ernähr an Syrien kam, starb er an. 1190.Sein söhn Fridericus führte die armee nach Antiochien , vondar nach Tyro, und letztlich in das lager vor Acre oder Pto-lemais, welcher ort von dem Könige zu Jerusalem , Guidone vonLusignan , schon 2. jähr lang war belagert worden, und nahmsich vor, einen general - stürm darauf zu thun, welches auchbeydes zu Wasser und zu lande bewerckstelliget wurde, allein ohneerwünschten ausgang. Es war auch dieses die letzte activ», wel-cher dieser Hertzog Fridericus beywohnete; denn bald daraufstarberanderkranckheit, welche das lager angestecket und dengrösten theil davon weggerissen hatte. Sein tod war der Christ­ lichen armee sehr schädlich. Denn die Teutschen wollten sichkeinem andern Generale unterwerffen, sondern zogen alle nachHause, bis auf etliche wenige, welche unter Leopoldi des Her-tzogs von Oesterreich commando noch aushielten. An. 1191.aber langeten Philippus Augnstus König von Franckreich, undRichard I. König von Engelland mit ihren flotten an, wodurchdie Christliche armee, welche nunmehro ; 00000. mann starckwar, Saladinuin zu schlagen vermögend geivesen wäre, wo-ferne nicht durch eine entstandene zwietracht unter den Gene-ralen unterschiedene factiones und parteyen wären gemachtworden. Die Könige von Franckreich und Engelland hatteneinen grossen streit mit einander, welcher durch den streit zwi-schen Guidone von Lusignan, und Cvnrado dem Marquisvon Montferrat, davon jeglicher das Königreich Jerusalem vor sich behalten wollte, noch mehr vermehret wurde. Jedochwährete solches nicht lange, sondern sie machten bald friede,wenigstens zum schein, worauf sie die delagerung der stadtAcre fortsetzeten, und'selbige den 12. julii an. 1191. eroberten.Hierauf wurde der Königs Philippus Augustus kranck, begabsich dahero wiederum zurücke nach Hause, und ließ einen ziem-lichen theil seiner armee in Syrien unter Eudone, dem Hertzogvon Burgundien. Richard, der König von Engelland, bliebnoch ein jähr länger daselbst, und nachdem er Jaffa eingenom-men , schloß er endlich mit Saladino einen frieden, unter die-sen bedinaungen: daß alle kästen von Jaffa an bis nach Tyrus den Christen gelassen werden, und Saladinus die übrigen anPalästina haben, Ascalon aber desjenigen seyn sollte, dernach zu ende gelauffenem stillstände der mächtigste seyn würde;sodann, daß es den Christen sollte erlaubet seyn, binnen dieserfriedens - zeit, welche sich auf;, jähr, ;. monat, ;. Wochenund ;. tage erstreckte, in kleinen Haussen nach Jerusalem wall-fahrten , mn ihrer andacht daselbst zu pflegen. Hierauf mar-schirte König Richard im october des H92sten jahres ab, undüberließ das Königreich Jerusalem dem Grafen Henrico vonChampagne, und das Königreich Cypern Guidoni vonLusignan.

Die vierte Creutzfahrt wurde von dem Kayser Henrico VI.nach Saladini tode an. 119;. angefangen. Dieser Kayser, wel-cher jedoch dem zuge nicht persönlich beywohnte, brachte dreygrosse armeen auf die deine. Die erste marschirte zu lande nachConstantinopcl, von bannen nach Antiochien , von dar nach Ty­ rus , und letztlich nach Ptolemais oder Acre; die andre giengzur see nach Acre, und nahm unterwegcns Svlves in Portugallweg, welchen ort die Saracenen damals besassen. Die drittegieng anfänglich in Sicilien, allwo der Kayser, welcher sie ineigner person führete, das geschlechte der Normännischen Für-sten gantz und gar auszurotten sich bcmühete. Nachdem er nunalle diejenigen, die sich wider ihn zusammen rottiret, hinrich-ten lassen, schiffete er einen theil von seiner armee ein, welchesodann binnen wenig tagen zu Ptolemais anlangte. Die Chri-sten gewannen unterschiedliche schlachten wider die ungläubigen,nahmen Sidon, Laodicea , Barath und andere ftädte hinweg,bis endlich ihre Uneinigkeit sie an wettern progressen hinderte,und die zeitung von des Kaysers Henri« VI. tode an. 1198. sieWiederum zurück nach Teutschland trieb.

Die fünfte Creutzfahrt ließ an. 1198. der Papst Jnnocen-tins III. predigen; und Theodaldus IV. Graf von Champagne,ein bruder des kurtz vorher verstorbenen Königs zu Jerusalem ,Henri«, ward anfänglich zum Haupte des zuges erwehlet; alser aber noch vor der abreise gestorben, ward Bonifacins, Marg-graf von Montferrat, an seine stelle gesetzt, mit dem sich Lu-dovicus, Graf von Blois, Balduinus von Flandern , Simonvon Montsort, und viele andere Französische Herren vereinigten.Ein theil derselben begaben sich zu Marseille , und der andere zuVenedig zu schiffe, worauf sie Zara in Dalmatien , so denVenetianern zugehörte und rebelliret hatte, eroberten. Hier-auf vertheilten sie sich, und giengcn etliche gerade nach Pa-lästina , die andern aber nach Constantinopcl, um daselbst denverdrungenen Kayser Jsaauum Angelum mit seinem söhn Ale-xio zu restttuiren. Sie belagerten an. 120;. Constantinopel,und nachdem sie es in weniger zeit einbekommen , setzten sie

Jfaacmm wieder auf den thron. Weil aber dessen söhn sichbald darauf mit ihnen veruneinigte, auch Alerius Alurrustuzsich nach todtung desselben zum Kayser auswarf, und die creutz-fahrende oder Lateiner verjagen wollte, belagerten sie Constan-tinopel an. 1204. zum andern mal, und als sie es erobert, undAlexium veriagt, machten sie unter sich Balduinum von Flan.dern zum Kayser, wordurch also die Griechische und Lateinischekirche vereiniget wurde. Von den übrigen Herren nahmjeglicher auch ein stück landes zu seinem aniheil, und die Ve-netianer trugen Candia und die insuln des Archipelagi zur beutedavon. Diejenigen aber von den creutzfahrenden, welche inPalästinam marschirt waren, richteten mit allem ihrem unter,nehmen zur eroberung des heiligen landes wenig oder nichts aus.Denn odwol Johann de Nele, welcher die grosse in Flandern equippJrte flotte commandirte, zu Ptolemais anlangete, kurtznach vimon von Montsort, Renardo von Dampierre, undnebst andern auch der Mönch Herloin mit den von ihm comman-dirten Britanniern ankam, und sie also noch inächtig genugwaren , so wurde doch, weil die pest ihrer viele aufrieb, unddie übrigen entweder zurück gienaen, oder sich in die kleinenstreitigkeiten der Christlichen Fürsten mit einmischten, nichtsausgerichtet, so, daß der Sultan von Aleppo mit gar leichtermühe an. 1204. ihre trouppen schlagen konnte.

Die sechste Creutzfahrt wurde an. 1215. von dem PapstJnnocentio III. auf dem Lateranischen Loncilio ausgeschrie-ben , hatte aber keine andere würckung, als daß die kinder inFranckreich und Tentschland häufig zusammen liefen, inder meynung , GOtt wollte durch sie Jerusalem einnehmenlassen. Es sind aber von ;oooo. die das creutz genommen,der meiste theil auf dem Wege umgekommen, und der Über-rest , so zu wasser abgefahren, durch die kaufleuthe vonMarseille gar an die Saracenen in Egvpten als sclave» ver-kalift worden. Nach Jnnocentii III. tode beförderte sein Nach-folger Honorius III. dieses werck. Da denn der Kayser Fri-dericus II. der König Andreas in Ungarn , und viele Fürsten und Bischöffe in Teutschland, Holland und Ungarn das creutzannahmen , aber nichts ausrichtete», indem Fridericus II. seinversprechen gar nicht hielte, der König Andreas aber bald wie.der nach hause gieng. An. 1219. wurde die stadt Damiatazwar von einigen Holländischen Edelleuthen erobert, sie wur-den aber hernach genöthiget, sie wiederum herzugeben, undauf 8. jähr stillestand zu machen. (siehe Johannes von Bri-enne, König zu Jerusalem .) An. 1228. gieng der Kayser Fride­ ricus II. in das heilige land, und machte im folgenden jähreeinen frieden auf 10. jähr lang, mit den bedingungen, daßder Sultan den Christen die städte Jerusalem , Bethlehem ,Nazareth, Thoron und Sidon einräumen, der tempel zu Je­ rusalem aber den Saracenen verbleiben möchte, um darinnenihre» gottesdienst zu treiben. Nach diesem gieng der Kavfeewiederum zurücke in Teutschland, ohne daß er die mauren derstadt Jerusalem oder einiger anderer städte wiederum anrichtenlassen, so, daß die Christen nur zum schein Herren davon hies-sen. An. 1240. langte Richard von Cornwall , des Königs inEngelland, Henri« 111 . vatter, mit einer Engelländischen creutz-fahrt in Palästina an; als aber dieser Herr sahe, daß es ohn-möglich wäre, etwas gutes auszurichten, so lange als die Tem-pel-Herren , und sogenannte Hospitalier mit einander in unei.nigkeit lebten, und ihre privat-streitigkeiten fortsetzeten, so nahmer auf einrathen des Hertzogs von Burgund , welcher Groß-Metster des Hospital-Ritter war, und der vornehmsten vonder creutzfahrt, die von dem Sultan ihm angebotene friedens-vorschläge an, dergestalt, daß die gefangenen zu beyden theilen,und insonderheit diejenigen, welche man in der schlacht vor Ga­ za bekommen, worunter der Groß - Connetable Montsort war,ausgewechselt werden, und die Christen einige güther wiederumin Palästina, welche dazumal der Sultan befaß, haben sollten*Nach diesem gieng Richard an. 1241. zu schiffe, und wendetesich nach Italien . An. 1244. begab sichs, daß die Corasminer,ein volck, welches von den alten Parthern herstammete, und vonden Tartarn aus Persien vertrieben >var, über den Euphratemkamen, und bey dem Egvptischen Sultan um ein stück landesanhielten, welcher ihnen Palästinam anwies, worein sie auchalsobald einfielen, und die Christen, welche sich mit dem Sul-tan von Dainasco und Emessa wider sie vereiniget hatten, ohn,weit Gaza gäntzlich ruinirten, so, daß nur etliche wenige com-pagnien von gemeinen soldaten mit dem leben davon kamen;der Groß-Meister aber der Johanniter-Ritter von Jeriisalem,nebst Gualtero von Brienne, Grafen von Jaffa , des KönigsJohanniö zu Jerusalem enckel, wurden in eiftn nach Babylongeführet. Dte Corasminer wurden zwar hernach von den Sa-racenen vertilget; doch mit den Christen wäre es gäntzlich ge-schehen gewesen, wenn nicht die Saracenen unter sich in Unei-nigkeit gerathen wären, welche ihnen zeit liessen, durch eineneue creutzfahrt verstärckt zu werden.

Die siedende Creutzfahrt wurde von St. Ludovico IX. Kö-nige in Franckreich, commandiret, welcher an. 1245. mit demkern des Französischen Adels und einer starcken armee erstlich nachCypern gieng, und nachdem er daselbst den Winter über geblie-ben, bis alle völcker beysammen waren, an. 1249. mit einer ßottenach Egvpten abfuhr, um dieses Reich zuerst in Christlichen ge-malt zu bringen, . is ohne welches, wie man bisher aus der er-fahrung gelernel, das gelobte land nicht konnte behauptet wer-den , wenn man es schon eimnal erobert, in aniehung der grossen