4
Vorrede.
schickte Arbeit. Es sind aber dieseibige auch vielzu scharff-sichlig, und verstehen die Sachen allzuwohl, daß ste mcht er.kennen sollen, wie sehr dagegen die meiste andere Arti-ckel, an welchen ste selbst nicht gearbeitet, und schlechtter dingen fast alles, was aus Moreri übersetzt worden, denenIhrigen ungleich seye. Auch ist derselben moderne zu groß,auch nur bey sich sechsten, und stillschweigend zu begehren oderzu wünschen, daß man um ihrer guten und gelehrten Auffsa-tzen willen auch die andere fehlhaffte, welche w so grosser An-zahl mit untergemischt sind, gleichfalls für gut annehmen solle,und wann sich auch die beste Gelegenheit dazu fugete, dannochzu augenscheinlicher Jrrmachung so Kieler Leseren immer un-t>crüf)cl Idffc»
Der weltberühmte Theologus, mit dessen Nahmen die derttücn Ausgaab beygefügte Vorrede unterzeichnet ist, hat amwenigsten zu besorgen, daß jemand einigen dergleichen übel ausge-fertigter Artickeln ihmezuschreiden werde. Auffertdeme, daß dessengrosst Gelehrsamkeit, und der sonderbare Fleiß, welchen er analles das, so er selbsten auffetzt, zu wenden pfleget, durchge-hcnds bekannt: so weißt man mich genug, daß selbiger in An-sehung deren Sachen, welche er nicht selbst zu thun auf sichgenommen, allein die Direktion haben, das ist, guten Rathgeben sollen: in welchem Fall einem gelehrten Mann nie etwasbeyzumeffcn ist, wann die dergleichen Rathe zu folgen und ver-uünfftige ihnen gegebene Vorschlage auszuführen haben, solchesohne dessen Wissen unterlassen.
Nachdeme aber jetzt die in der bemelten Vorred genannte be-rühmte und gelehrte Männer in Sicherheit gesetzet, und imübrigen diejenige Personen, welche die fehlhaffte Artickel inso grosser Anzahl entweder aus Moreri, Bayle, und Hoff-mann sehr schlecht und unvollkommen übersetzt, oder sonst anmehreren Orten ziemlich irrig, falsch und mangelbar bcschrie-den, selbst ihrem Namen nach unbekannt find; So darff manmit desto grösserer Freymütigkeil unterfangen, au.ch von deranderen Gattung Artickcln, welche in der that bey dieser neuenAuflag Mühe genug gekostet hat, eine mehrere Anregung
* Anfänglich zwar hat man auch dieses nicht im Sinn gehabt,mit einiger Weitlänffigkeit in gegenwärtiger Vorrede zu berüh-ren. Man hätte fich gerne der Müh überhoben geiehen, auchnur das kleineste Muster von denen vielen mit untergeloffenenFehlern vorzulegen, und viel lieber dem Leser, welcher Ver-langen trüge, davon genaueren Bericht zu haben, selbst über-lassen wollen, durch Vergleichung beyderley Ausgaaben derSach nachzuforschen. Das Exempel des mr. ie Clrrc, wel-cher seine Vorreden zu denen neuen Ausgaaben des MorerischenDictionaire grossen Theils mit denen groben Fehlern, welcheer daraus hatte musteren muffen, angefüllt; und aller Fleißdes iNr. Bayle, die Schnitzere so er m gleichem Buch gefun-den, von einem Artickel zum anderen zu erzehlcn, waren fürsich nicht kräfftig genug, den Urheber dieser Vorrede zu dewe-gen daß er in einer Schrifft, bannn, er den Wissens-beaieri-gen Leser von so viel anderem gern hatte unterhalten mögen,sich bey diesem Puncten lang verweilen wolle.
Allein die viele hier zu Land von ewigen Personen, mißnicht aus was Absehen, ausgesprengte Gerüchte, als wäre allesso der Verleger von Verbesserung der alten schon in dem Merckbefindlichen Artickeln versprochen, ein lediges Blcndwerck, dasl.exiLon hatte kurtzum solche Fehler nicht, die einigen Leser ir-ren könnten, und was also versicheret wordem, daß jemanddie alten Artickel durchgienge, um solche Fehler, so viel mög-lich, zu verbesseren, falsch und ohne Grund seye; Diese undnoch andere anzüglichere Reden, so wohl als die Folgen, wel-che aus dergleichen Reden stiessen können, zwingen gleichsamwider Willen, daß man hier wenigst so viel von denen Man-qeln der vorigen Ausgaaben «„sichren muß , als zu Widerte,gung oder Auslöschung solcher ungleichen Reden und Eindru-ckungen nöthig seyn kan. .
Also ist dann nach vorhergesetzter deutlichen Erklärung we-gen des Guten, so sich in denen zwey vorigen Ausgaaben desdeutschen Lexid antreffen läßt, auch im Gegentheil nicht zulaugnen, daß in denen meisten anderen Stucken dem Werckebisher noch gar vieles abgegangen, und man also, um das-selbe wenigst guten Theils, einzubringen und zu ersetzen, nichtwenig Arbeit gehabt habe. Man darff wohl überhaupt sagen,wie in der alten Historie und Geographie, welche sich doch weitausbreiten und eine solche nahmhaffte Anzahl Artickel ausma-chen, fast aller Orten gar vieles zu anderen, zu vermehren,, zuverbesseren vorgekommen, und die vornehmste und wichtigsteArücrel, wo man einen klaren und netten Bericht davongehen,und ste mit rechtem Lust und Nutzen lesen machen wolle, gantzhaben umgegossen, und offt aus zehen oder zwolff Linien, darinnsie eingeschränckt waren, zu gantzen Columnen, Seiten, oder
Blätteren vermehret werden muffen; ohne daß darum «in eini-ger deren angebrachten Umstanden mit Recht für überflüssig undunnothiq kan gehalten werden, wo man nur des Zwecks einessolchen Wercks, und der verschiedenen Arten derer Lcseren, wel-chen das Werck dienen soll, sich erinneren will.
Man hat sich auch dergleichen Vermehrung bey den gemeldtcnArtickeln aus 'zweyen wichtigen Ursachen nicht entbrechen sollen.Die erstere ist, weil wir diese alte Geschichten von denen bestenKöpfen dcrselbigen Zeiten , will sagen, von den Klugcstenunter den Griechen und Römern, auch auf die vernünfftigsteund scharffsinniqste Weise erzeblet und beschrieben vor uns ha-ben: so daß dieseibige am bequemsten sind, dem Leser unver-merckt die beste und nützlichste Erkanntnuß einer wahren Staats-und Sitten - Lehr beyzubringen. Die andere Ursach bestehetdarinn, daß dergleichen Sachen bißher in unserer TeutschenMutter - Sprach noch gar wenig sind crzehlet und ausgege-ben worden.
Was man allhier von alten Geschichten meldet, das verste-het fich auch grösten Theils von denen alten Gesetzen, Ord-nungen, Gewohnheiten, und allem anderen, so insgemeinunter dem Namen der Antiquitäten begriffen wird. Nicht vielanders verhält es sich mit denen Artickeln der ältesten Gelehr-ten, Welt-Weisen, Poeten, Redneren, Geschichtschreiberen,und dergleichen; als deren wenige sind, welche man nicht umein nahmhafftes verbesseret, und in einen Stand zu setzen ge-trachtet hat, daß sich der Leser nun mit gantz anderer Sicher-heil, als zuvor, darauf wird verlassen können. Bey denenneueren Scribenten von gleicher Art ist ebenfalls das Nöthigekeineswegs verabsäumet worden: wiewohlen selbige, wie schongemeldk, in denen vorigen Ausgaaben grossen Theils besser,als die von den alten Scribenten und Gelehrten, ausarbei-tet waren, und bey weiten nicht so viele Zusätze, Erläute-rungen und Vermehrungen bedorfften.
Allein es ist besser, an statt dergleichen Mängel überhauptanzuzeigen, daß man vielmehr eine genügsame Anzahl Musterderen aus solchen mangetbaren Artickeln gehobenen Fehleren,als den erforderlichen Bcwciß dessen, so jetzt gemeldet worden,und die Prob der Mühe, welche man sich bey dem Merck ge-geben hat, dem Leser vor Almen lege. Um niehrerer Klar-heit willen, wollen wir diese Fehlere, soviel sichs thun lässet,unter einige absonderliche Classen oder Abtheilungen zubrin-gen trachten.
Fürs erste sind eine unglaubliche Menge Fehlere gantz vonneuem gemacht, und in das Gexicon gebracht worden, weilman bey denen Artickeln, welche aus Moreri hergeholet wor-den, allzu sicher gewesen; ohne Zweiffel in der Meynung, sel-bige musten nach so offtmaliger Übersetzung, und Verbesserungvon den gelehrten Lcuthen leClerc, und Bayle nun einmahlnothwendig gut seyn. Wenigstens gibtö der Augenschein, daßbeydes die Übersetzung und Adkürtzung der Morerischen, undgrossen Theils auch der Baylischen Artickeln von solchen Per-sonen ist nnlerfangen worden, welche weder die Sach selbsten,von welchen die Artickel handeln, noch auch die FranzösischeSprach, in deren sie behandelt worden, recht verstunden; dadoch nach aller Kenneren Urtheil fast niemahl eine recht guteÜbersetzung, vielweniger Adkürtzung einiges Auffsatzes, odersonst irgend einer Schrifft mag erwartet werden, als von sol-chen Personen, welche beydes die Sach selbsten, und die Sprach,darinnen von der Sach crzehlet wird, recht und aus demGrund verstehen.
Wie vieles wird nicht aus dieser Ursach durch das gantzeBuch in denen Römischen Sachen geirrel? und wie mancheStellen sind deßwegen also gesetzet worden, daß, welche Lcserevon denen. Dingen, vorher nicht besser unterrichtet sind, noth.wendig muffen verführet und mit gantz irrigen Begriffen einge-nommen werden? Wer in denen Römischen Geschichten nur einwenig bewunderet ist, mag leicht wissen,daß dieses Volck, bey einersehr netten und genauen Eintheilung seiner Geschlechteren, denweitlaufferigen Geschlechts - Namen ( nomen gentiiitium ) wel-cher einen gantzen Stamm andeuten mußte, fast immer in iushabe ausgehen lassen. Man findet da nur allein in zweyenGentibus einigm Ausnahm, deren eines unter dem Namen Nor-banus, das andere unter Perperna, bekannt ist; wiewohl manauch bey. diesen annoch zweifeln kan, ob sie nicht eben sowohlals alle übrige Römcre anfänglich ein nomen gentiiitium, odereinen allgemeinen Geschlechts-Namen in m§ gehabt, solcheraber bey der so wenig von ihnen in denen uns noch übrigenalten Urkunden beschehenen Meldung etwan nur Übergängenworden, nach der Gewohnheit, welche in der That zu Rom sehr gemein gewesen, viele Personen fast allein bey ihren Zu-nahmen, einige auch so gar nur durch den Vornahmen zu nen-nen und anzudeuten; dergestalten, daß wir auch deren Gentcmoder nomen gentiiitium eben so wenig wüßten , wann es nicht
aus