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Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
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Vorrede. 5

aus so vielen Oertercn, da solcher Personen Meldung geschie-het, noch an einem oder dem anderen, mit eingerücket wurde.Dieses von den Römischen Gentibus und nominibus gentilitiis.

Wann aber dagegen solcher weitläuffiger Stammen, odergrosses Haupt- Geschlecht sich in mehrere Aeste oder besondereHäuser zrrtheileke, wurden diese famiiix genennet, und da son-sien das nonien gentliicium allen diesen besonderen Aeften je»den Stammes ober Gentis gemein wäre, durch eigene undabsonderleche Zunahmen (cognomina) von einander unterschie-den; da bann diese Zunahmen an keine gewisse Teimination,oder Endigungs - Silben gebunden waren, doch sich wenig-stens niemahlcn in ius endigten; eben damit sie dadurch vondenen vorhergehenden Nahmen einer anderen undweitläuffigerenDeutung , das ist/ von den nominibus gentilitiis, unterschiedenwurden. Also waren dann Fabius, Aemilius, Rutilius,Cornelius, Julius, Junius, Papirius, Caffius, Antonius,Valerius, Claudius, und so fort, nomina gemiiitia, oder,wie wir sie zu Teutsch nennen mögen, weitlauffigcre RömischeGeschlechts Nahmen, oder auch Stamms - Nahmen. Und wannman dann die Persohnen dieser Stammen, wie offt geschehenmußte, also überhaupt andeuten wolle, sprach man, dieFabii,Acmilii, Rutilii, und so ferners. Hingegen machte man esgantz änderst, so offt von diesen allgemeinen Geschlechts-Nah-men ein Zunahmen entlehnet wurde, um dadurch etwann dieVcrwandtschaffl, so jemand mit einem dieser grösser« Ge-schlechtern hatte, anzudeuten. Man pflegte selbigen gemeinig-lich durch eine Termination oder Endigung in anus zu bemer»cken: als vom Nahmen Fabius, Fabianus , von Aemilius,Aemilianus, vonICorneliusiCornelianus, und so weiter.

Der gütige Leser wird sichs nicht mißfallen lassen, daß manthue bey dieser Vor - Erinnerung etwas aufgehalten. Siewäre höchstnöthig, um demselbigen eine grosse Anzahl deraus dem Lexico ausgelöschten Fehlern, und gemachten Aen-derungen auf einmahl recht verstehen zu machen. Jeder magschon daraus sehen, wie viel, sonderlich in denen RömischenGeschichten, daran gelegen, daß man, gleich wie die Stam»men und Aeste (in Latein gentes & familias) also auch die

Nomina gentilitia UNd die cognomina, das ist, die BeMNNUN-

gen, wodurch man die erste, und die andere auszudrucken ge-wohnt war, fleißig von einander unterscheide. Ohne diß mußnothwendig alles aufs erbärmlichste vermischet und verworrenwerden; um so mehr, weilen ein Zunahme, der von einem allge-meinen Geschlechts-Nahmen oder nomine gentilitio hergenom-men ist, als z. Er. Aemilianus, von Aemilio, Fabianus vonFabio, und so weiter, richtig einer solchen Person ist zuge-legt worden, welche in der That nach der Römern Urtheil undMeynung zu einem gantz andern Gente oder Haupt - Stammgeyörete, ob sie schon offtmahl ihren Ursprung und erste An-lunfft aus der Gerne haben mochte, von deren solcher Zunahmenentlehnet war.

Nun mag man in den vorigen Ausgaaben gegenwärtigenBuchs wohl etltch hundert mal, durch weiß nicht wie viel Römi-sche Arttckel bemeccken, wie meiftentheils aller gemeldte Unter-scheid über einen Haussen geworffcn, die iäeen oder Begriffedes Lesers gänylich verwirret, und schlechterdingen die allge-meine Geschlechts-Nahmen in die angedeutete Art Zunahmenverkehret werden; welche, wo sie ächt wären, nothwendig alledie Peciohnen, denen sie also beygelegt worden , von ihrenHaupt - Stammen abreisten, und in die Neben - Aeste oderiamiiias von gantz andern Gentibns oder Haupt - Aesten verse-tzen mupren. Alles kommt her, weilen, der solche Articul ausMorm übersetzet, aus einer Seiten die Römische Sachen undSiaymen, auf der andern aber die Eigenschafften der Frantzö-siichen Sprach gar wenig ingehabt. Der klare Augenscheinwirds jetzt bald geben.

Es haben nemlich die Frantzöfische Gelehrte, und dieses zwarder Elgenschaffl ihrer Sprach gantz gemäß, immer in demGebrauch, die Lateinische Benennungen derer zu einem Haupt-Ast gehörigen Persohnen, als Fabii, Cornelii, Rutilii rc. mitdenen Worten les Fabiens, les Corneliens, les Rutilicns, undso weiter, auszudrucken, welche dann unter den Ihrigen, alsdieschon längst daran gewohnt, eben niemanden sonderlich irrenoder verführen können. Aber im Teutschen hingegen, wannman anstatt zu sagen, dieFabii, Cornelii, Rutilii, oder auchdie Fadier, Cornelier, Rutilier, als welches unsere Mund-Art edmfahls noch gar wohl lcydet, wann man an dieserstatt anfangt zu sprechen von Fabianern, Cornelianern, Aemi-lianern re. so begehet man nicht allein einen fast lächerlichenRoioecilmum, sondern es werden auch dadurch die Acmiliani,mit den Aemiliis, Fabiani mit Fabiis, Corneliani mit Eor-neliis, wo je deren ersteren allemahl einige zu Rom gewesen,als welches in der That eben selten zutrifft, gäntzlich vermi-schel und verkehret. Da muß ein Leser, wo er einmahl die

Sachen vorher nicht besser verstehet, und gleichwohlen sich vondem Unterscheid deren Römischen Nahmen und Zunahmen, wiesolcher zum Exempel in Aemilius und Aemilianus sich zeiget,hat belehren lassen, (wie man es dann fast in allen Schulenlernet, wo nur alte Lateinische Auctores vorgelesen werden)da muß solcher Leser nothwendig den falschen Schluß bey sichmachen, daß an dergleichen Ort nicht von einem Fabio d, i.von einer Persohn zur Gente Fabia gehörig, die Rede seye,sondern von einem Mann aus einem gantz andern Gente oderHaupt-Stamm, welcher aber aus einer besondern Ursach ei-nen Zunahmen von denen Fabiis entlehnet, und so ferner vonallen übrigen und gleichen Fällen.

Wie übel muß es nun dann klingen, wann man ohne einigeBeobachtung dieses wichtigen Unterscheids uns aus denen Rö-mischen Marciis will Marcianer machen, wie im Articul Cen-sortnus s der Grammaticus ) beschuhet? wann anstatt Flavii,die Flavianer stehen, wie im Art. Domitius sdas Geschlecht)allwo noch dazu eben vom Kayser Domitiano eine Anmerckunggemachet wird, so den Urheber des Art. den grossen Unter-scheid, welchen die Römer da beobachtet, allein hatte lehrenkönnen? wann sogar das Geschlecht der Fabier, in Lateinischer Sprach nicht Gens t-abia , sondern GensFabiana, aus welcheWeise nie kein Mensch in Latein geredt, heissen muß? Ohnesich in mehrere Weitläufftigkeit einzulassen, mag man hierüberhaupt sagen, daß fast durch das gantze Werck, wo vonRömischen Geschlechtern gehandelt wird, dre Gentes von denenFamiliis, d. i. die Haupt - Stämmen von ihren besonderenAesten, unter welchen doch ein so nahmhaffter Unterscheid ist, unddene absonderlich die Römere mit großem Fleiß beobachtethaben, selten recht unterschieden werden; sondern meistensdergleichen Ausdruckungen mehr oder weniger darin vorkom-men, welche einen Leser gantz irr machen können. t ,Eine andere Art von Fehleren, die man auch in Überse-tzung des Frantzösischen aus Mangel Berichts von denen

nominibus gentilitiis UNd cognominibus der RömekN bkgaNgeN

hat, ist es, wann z. Ex. aus dem Frantzösischen Cleargue Flave,gemachet wird Clearchus Flavus, da es nach dem RömischenGebrauch und der historischen Wahrheit Clearchus FiaviuShatte heiffen sollen. Jedoch, was dieses letztere anbetrifft, istwenigst nicht so offt Gelegenheit gewesen, daran zu fehlen,weilen die Frantzosen gar wenige Nahmen in ius nach dieserArt in ihrer Sprach zu flectiren pflegen.

Aber es ist von denen Römischen Geschlechtern nun genuggesagt. Ein dem ersten fast gleicher Gallicismus , und welcherin der Teutschen Sprach nicht änderst als widrig und unange»nehm fallen muß, wird nicht minder offt in denen Nahmenderen alten Völckeren oder Seetcn begangen, welche fast anunzehlichen Orten nicht nach der Lateinischen oder Teutsche»Mund - Art, noch auch nach der von allen Zeiten her unterTeutschen, so wohl Gelehrten als Ungelehrten, üblichen Ge-wohnheit, sondern schlechter Dingen nach Art der Frantzosen,oder vielmehr nach des Moreri Art und Gebrauch ausgespro-chen werden. Wer bat jemahlen in Teutschland die Aetolianer,Cimmerianer, Olinthianer, Naxianer, Milesianer, Canta-brianer, Emesenianer, Messapianer, Celtiberianer, Ncrvia-ner, Turnisianer; oder auch die Holobianer, Hypfisterianer,s davon die Exempel in denen Artickeln Hypata, Crmmeriani,Cleombrotuö, Hypstcrcon, Gracchus, Drusiva, Calabrien ,Courtrai , Hylobiani, Hypfisteriani zusehen, ) und so weitergenennet; gleichwolen gibt man uns alle diese, fast schreckhaffte,Nahmen getrost dar, nur weils im Moreri stehet Aetoliens ,Cantabriens, Emesenicns, und so ferner, durch alle sogleichgesetzte Wörtere, und viele andere mehr, welche es eben nichtnöthig ist, hier nach der Ordnung anzuführen, und genug, daßman ein jedes an seinem Ort, eben wie alle die jetzerzehlte,nach der wahren so wohl Lateinischen als Teutschen Mund-Artverbessert habe.

Jedoch diese letztere Nahmen und Wortcre können bey einem,obwohl ungewöhnlichen und unrechten Thon, dannoch nichtleicht jemand in Irrthum führen; oder einen falschen und fehl-hassten Bericht von solchem Bolck oder Sect geben. Alleines gehet noch übler, und wird eben wider die alte, Geogra-phie öffentlich gefehlet, wann man dieses gleichen Wortere erstauslegen, und deren eigentlichen Verstand errathen will. VonCaraüsio, der sich wider Maximianum Herculium zum Kayseraufwarff, setzet Moreri recht, er wäre ein Menapier, Menapien,gewesen; welches ein Volck war, so zwischen der Maaß undScheid, in dem heutigen Flandern , seine Wohnung hatte.Diß ist aber ins Teutsch übersetzt worden; ein Bürger vonMcnape; da doch beydes die alten Geschicht - Schreiber unsvon des Carausii Vaterland nichts anders berichten, als daß rrvon Nation ein Menapier gewesen, und noch ferners gar nichtkan erwiesen werden, daß je eine Stadt Menape irgendwo ge-stände»