8 Vorrede.
Im Art. Canada werden die Worte: Les Sauvages, qui
habitent depuis le fault de S. Louis jusques ä l’embouchuredu fleuve , ubkrsctzel: Die wilden, weiche zwischen demVorgebürg von 's. Lours gegen dem Orte zu, da sich derFluß ins Meer ergeufit, aufhalten. Und gleich darauf,wann es folget: Mais ceux qui demeurent au dessus du fault,hat man vertauscht: Die andern aber, welche jenseit desporgebürges wohnen. Als muß dann der Hr. Übersetzersich fest eingebildet haben, daS frantzosische Wort fault, scyeso viel als Cap, und bedeute ein vorgebürg: da doch sel-biges diese Bedeutung bey denen Frantzosen «iemahlen gehabt/aber hingegen in denen neuen sranyöüschen Reiß' Beschreibun-gen jeweilendie Catarractas oder Fälle und Herabstürtzungengrosser Flüssen von Bergen oder andern erhabenen Orten an-zeiget ; und ins besondere der fault de 8. Louis ein solcherberühmter Wasser-Fall des grossen Flusses St. Laurentii, son-stcn auch der Fluß von Canada genannt , ist, nach welchemso wohl der Fluß, als das Land in zwey Theile, das eineoberhalb dem Fall, und das andere unterhalb desselben abge-theilet wird. Welches, wie es sowol von dem Lauff des Flus-ses und der Lage des Landes, als auch von denen Gräntzen«nd Wohnungen der darinn befindlichen Wilden emen klarenund netten Begriff geben kan; also wird hingegen alles ver-worren, und die Lage des Lands sammt den Grantzen derVölcker gantz falsch vorgestellet, so bald man an statt desWasser-Falls, welcher ziemlich liess im Land, und von derMeer-Seite entfernet ist, uns ein vorgebürg, das ist,einen ins Meer hinaus laussendeu Streiff Lands, welcherdaneben unter dergleichen Nahmen nirgendwo anzutreffen,hersetzen will.
In dem Art. Capoue findet fich ein anderer sehr wichtigerFehler, dene man, ohne sonsten die Sach selbst zu verstehen,dannoch gar leicht halte meyden können , wo man nurdiekleineste Beysetz-Wörtlein, welche m Frantzöstscher Sprachso gemein find, von einander zu unterscheiden gewußt hätte.Die Worte des Moreri vom Ursprung der Stadt Capua
find folgende : Les uns attribuent fa fondation aux Ofciens«les autres a Capys. Und die Übersetzung lautet : Die Erbau-ung des alten Lapua schreiben einige den Osciis, andereaber den Capiis zu. Hiemit wird uns ein neues Volck aufdie Bahn gebracht, die man Captos nennet, da Moreri alleinvon einem deren ältesten lateinisthen Königen, Namens Capys,redet, und solches mit denen Worten ä Capys , denen soFrantzöfisch verstehen, eben so deutlich zu erkennen gegebenhat ; als durch die Worte , aux ofdens, daß allda von einemVolck die Rede seye.
Im Art. Ceionius stehet: Les honneurs (verstehet alle De-fördemngen, welche Ceionius vom Kayser Hadriano genossen:)
Les bonneuts rie le purem garantir d'une cruelle maladie,qui le rendit ineapable des fonctions d’une fi grande Charge.
Das wird in Teutsch gegeben: Jedoch, ließ er ( Leicmius)ein grausames Gemüth an sich verspühren, welches, ihnezu Verwaltung dieser, so wichtigen Aemter untüchtigmachte. Wer hat je gehöret , daß cruelle maladie, ein grau-sames Gemüth hiesse. Der Hr. Übersetzer muß sich sonderlichfest emgebildet baden, daß cruei , nur allein von denen Feh-lern des Gemüths und nahmentlich von der Neigung zurGrausamkeit könne gebraucht werden; da doch solches Wortdurch eine ^ehr gemeine metaphoram, alles, was auch denLeid des Menschen sehr quälen kan, «nd namentlich grosseSchmertzen und Kranckheiten andeutet.
Fm Art. Damianistx sagt man uns behertzt, diß wärengewisse Reger gewesen, welche des Acephali Meynungangehangen; als wann Acephalus, welches etwas, das oh-ne Ropss ist, bedeutet, der Nahme eines Manns und Uhr-hebers der sogenannten Sect gewesen. Und doch stunde esbeym Moreri mit ausgedruckten Worten : certaine feste
d’heretiques, qui fuivoient les erreurs des Acephales ; allw»
dann Acephali gcnennct werden gewisse Sectirer in ziemlicherZahl, so in dem 5 und 6. 8ecuio geschwärmt, und sich abernie unter kein Haupt recht haben vergleichen können.
Im Art. Damiara meldet man, die von Hartem hättenbey Eroberung Damiata An. i-iy in einem Rahne diegrosse eiserne Retten entzwey gehauen, wodurch dasThor verschlossen wäre. Aus was Ursachen haben die vonDamia'.a ihre Thore vornemlich mit eisernen Ketten versper-rst? Oder wie sind die Harlemer in einem Kahne zu demThor, und an die eiserne Ketten gelanget? Der Urheber die-ses Artickels bat ohne Zweifel auch diese Gesch,cht aus einemFrantzösischen Scribenten entlehnet, und in denen Worten,
rompirent les chaines de fer, dont le port etoit ferme:
an statt le port gelesen oder vielmehr verstanden la pvrte ;
weilen einmahl nur zu gewiß ist, daß der Eingang des Meer-Ports von Damiata mit einer eisernen Ketten versperret ge-wesen , welche die Harlemer durch einen so klug und kühnenals auch im Ausgang glücklichen Anschlag zerbrochen haben.
Im Art. Demelrius 11- unter den Syrischen Königendieses Nahmens, wo bey Moreri die Worte stehen:
Tryphon fe fervit du fils d’Alexandre Bala pour ufurper la
Syrie , hat mans übersetzt: Tryphon habe sich für Aler-andri Balä Sohn ausgegeben , und Syrien erobert;da doch die Franyösifthe Worte nur mit sich bringen, Try-phon hätte sich des Sohns von Alexandro Bala , alsdem vorigen durch Demetrium verdrungenen Ronig inSyrien bedient, um sich einen weg zur Rrone zu bah-nen Die weitlaufftiqere Geschicht und Erzehlung, kan gleichallen obigen, in dem verbesserten und vermehrten Artickeldieses Lexici nachgelesen werden.
Im Art. Erve, wo im Frantzösischen Charles le gros ge-nennet wird , durch welchen Namen man in derselbigenSprach Carolum Lralfum oder den Fetten andeutet, so zu-gleich eine Zeitlang Römischer Kayser gewesen, hat man unsin Teutsch schlechter Dingen Carolum Magnum, oder Carlden Grossen daraus gemachet; obschon die Geschicht .selbstund die Belagerung der Stadt Paris durch die Normannerjeden der Historie-Verständigen leicht hatte erinnern sollen,daß da von Carolo m. keine Meldung geschehen könne.
In dem Art. Evora hatte Moreri unter andern von die-ser Stadt gesagt : Le Cardinal Henry en fut le PremierArcheveque, & depuis il parvint ä la Couronne depuis lamort de Dom Sebastien. Was solle leichter seyn zu vertie-rcn ? Doch wirds uns in denen vorigen Ausgaben also ver-kehret : Der Cardinal Henricus war der erste Erg - Bi-schofs , und nachgehend», da Dom Sebastian tod war,wurde sie der Rron einverleibet; Als wann in denen letz-ten Worten des Moreri die Rede von der Stadt Evora , undnicht von deren erstem Ertz-Bischoff dem Cardinal Hcnricowäre, welcher dem unglücklichen Sebastians , als dessenVatters-Bruder, im Portugesischen Reich nachacsolgct ist;oder als wann der so wichtige, fast mitten im Portugal ge-legene Ort Evora , erst nach Sebastiani Tod, und Befor-derung zur Krön des damaligen Ery>Bischoffes, dem Reichhcimgefallen wäre.
Im Art. Euthimius i. findet fich ein gar zu grober Feh.ler , wann die Worte : II etoit Syncelle du Patriarche, ver-tcutschet werden : Er ward mit dem Patriarchen in eineCelle genommen , als wann dieser Umstand schon mehr alsgenug wäre, das wichtige Ammt des 8yncei!i in der allenGriechischen Kirchen auszudrucken. Über welche seltzsameEinbildung und Berdollmetschung man sich um so mehr ver.wundern mag, weilen in der neunten Morerischen Edition,deren man sich in der Teutschen Ausgab bey den daraus ge-nommenen Actickeln du chaus bedient, die Auslegung desWorts Synceiius mit deutlichen Worten angehänget ist :
c'est ä dire, Vicaire du Patriarche .
Im Art. Fabert , wird von diesem Mann grad in Be-schreibung dessen ersten Feld-Zügen gesagt: n etoit aiorsCapitaine au Regiment des Gardes. Daraus ziehet MÜN :Der Rönig habe ihn zum Capitatn über die Gardes ge-macht : an statt es nur heiffcn solle, zu einem Capitainin dem Regiment der Gardes, oder, von der Lelbwacht.Nach der lctsten Redens Art verstehet man, wie es auch derWahrheit gemäß ist , Fabert habe daznmahlen nur alleineine Compagnie des gcmeldten Regiments unter sich gehabt,da er vermog der ersten Ausdruckung daS qantze Regimentder Leid Wacht, ja noch mehr, die adeliche Gardes des Kö-nigs selbsten hätte commandircn muffen.
Im Art. Ferrero (Guido) wird das Wort Neveu,übersetzt Enckel, an statt es im Frantzösischen , wenigst inungebundener Rede, allein des Bruders oder der SchwesterSohn bedeutet, und eben an dem besagten Ort gantz deut-lich bey einer solchen Persohn gebraucht wird, welche vonJugend an, als ein Catholischer Geistlicher gelebt, und al-so keine eheliche Kinder, hiemit auch ferner durch dieselbekeine Enckel, wie einmahl bißher der eigentliche und genaueVerstand des Worts im Teutschen gelautet, und um dennöthigen Unterscheid der Sachen deutlich anmercken zu kön-nen, allezeit lauten soll, hat haben können ; wie es Moreriklar genug, lind nicht minder der Wahrheit, als der Ei-genschafft seiner Sprach gemäß, angedeutet hat.
Im Art. Caivaria wird eine wunderbare Geschicht erzchlet,als wann Raystr Heraclius den persischen Rönig Cos-roem ll. der ein ^»cyde war , gczwunczen hätte, daszuvor neben anderer Beut von Ierusälem weggenom-mene