Buch 
Neu-vermehrtes historisch- und geographisches allgemeines Lexicon ... : In welchem das Leben und die Thaten der Patriarchen, Propheten, Apostel, Vätter der ersten Kirchen, Päbsten, Cardinälen, Bischöffen, Prälaten, vornehmer Gelehrten und Künstlern, nebst denen so genannten Ketzern; Wie nicht weniger derer Kayser, Könige, Chur- und Fürsten, Grafen, grosser Herren, berühmter Kriegs-Helden und Staats-Ministern; ... Und endlichen Die Beschreibung der Kayserthümern, Königreiche, Fürstenthümern, freyer Ständen, Landschafften, Insuln, Städten, Schlösser, Klöster, Gebürgen, Meeren, Seen, Flüssen, und so fortan; .. Dißmahlen von neuem mit Fleiß gantz übersehen
Entstehung
JPEG-Download
 

Abgarus, Abagaru« oder Agbarus, (wicwol die erste«rt diesen nahmen zu schreiben gewiß die bessere und wahre ist )alle Könige von dem kleinen lande Edessa oder Osroene in Sy­ rien , haben den nahmen Abgarus geführet. Es sind schon beyden alten Römern einige dieses nahmens bekannt gewesen; alsAbgarus, der den Crassum verrathen, wie Sertus Ruffus mel-det ; inqleichen gedruckt Procovius, daß Augustus zu einem Ab-garo eine sonderliche freundschafft getragen. Tiphilinrrs undSuidas melden noch von einem andern dieses nahmens, dersich bey dem Kavser Trajano sehr insinuirt gehabt, und ihmseinen söhn Ardandum zugesendet, über dessen lustigen geist derKayser ein sonderbares vergnügen gehabt. Zu Rom findet manin der kirche St. Pauli eine Griechische grabschrift eines Ab-gari , so eines Königs desselben nahmens söhn gewesen. Sext.Ruffus breviar. Procop. de bello Fers. Sirmond. not. ad Si-don. Apol.

Abgarus, König zu Edessa, lebte zu den zeiten Christi.Er hatte von seinen vielen wunderwercken gehöret, und deswe-gen anlas genommen, wie einige melden , an Christum zuschreiben, mit bitte, daß er nach Edessa kommen, und ihn voneiner kranckheit, damit er lange zeit behaftet gewesen, befreyenmöchte. Es soll auch Christus seinen glauben wohl aufgenom-men, und ihm geantwortet haben, daß er sich zwar nicht selbstzu ihm erheben könnte ; nach seiner Himmelfahrt aber einenseiner Jünger senden wollte, der ihm die geheimnisse der selig-keit eröfnen, und ihn an leib und seele gesund niachen wür-de. Es wollen viele an der Wahrheit dieser tradidon zweifeln,i.) weil der Papst Gelasius I. in dem Römischen Loncilioan. 494. diese beyderseits gewechselte briefe vor apocryphisch ge-halten , welcher decision Melchior Canus, wie auch Bellar-minus lind aildcre beypflichten. 2. ' Weil niemand in den er-sten 300. jähren ein wort davon Meldung thut. ;.) Weil Eu-sedius selbst, der diese Historie auf die bahne gebracht, die fachedergestalt vortragt, wie er sie von andern vernommen gehabt.So weiß man auch viele andere dergleichen luppolitionen undandere fabeln von diesem Abgaro, als daß Christus sein bild-nis ihme übersendet, wie solches Evagrius zuerst erzehlct. Aus-ser dem wird die vorgegebene schriftliche antwort unterschied-lich erzehlet, und differiret eine von der andern gar sehr ; essind auch die darinnen aus der Heil. Schrift angezogene Worteeines gantz andern innhalts, als sie in den evangelischen Hi-storien gelesen werden. Eufib. hist. eccl. üb, l. Augu/iin . epist.26}. Jo. Damaßen. de fide lib. IV. Evagrius. , üb. IV. Baron.annal. Canus, lib. XI. c. 6. BeUarni, de script. Spanbem.hist. eccl. Rivetui, 6rit, sacr. lib. I. c. 1. Cocus, cens. script.Grabius, spicil. patr. & harret, säte. I. p. 1. seqq. &c. *

Abaarus, ein anderer König in Edessa, so unter der rcgie-rung Kavsers Antonini Pst gelobet, ist wegen seines tugendhaf-ten Wandels berühmt. Epiphanius meldet, er sey ein diseipuldes berühmten Bardcsanes gewesen. Es kan seyn, daß dieserKönig eben derselbe sey, von dem Eusebius schreibt, er habeden Syrern verboten, sich zum dienst der götlin Rhea oderOps zu verschneiden. Etnpb. de hasr. c. 35. Eusebius , üb.VI. praep. evang. Capitolin. in Anton. Pio. Baron. A. C. 173.

Abgarus,, noch ein anderer König zu Edessa im III. soc.machte ein bündnis mit Kayser Severo, ward von ihme inRom mit ungcmciner ehre, gleich kaum einem andern Königwiderfahren wäre, empfangen , l,nd schickte ihm nicht alleinseine kinder zum Pfand der treue als qeissel, sondern auch sei-ne trouppen um dessen armee zu verstärcken. Er war, nachEusebii zeugnis, nicht allein der Christlichen religion zugethan,sondern auch sehr gerecht und tugendhaft; aber Kayser Cara-calla hintergieng ihn schändlich, dann da ihn Abgarus, als einbnnds-verwandtcr, einst besuchte, versicherte er sich seiner person,und zugleich seiner länder. Es sind noch alte müntzen übrig,werden auch deren täglich mehrere aus Orient gebracht, inwelchen aufcmer feiten die häuptere und nahinen Antonini Pii,L. Veri, M. Antonini, Sept. Severi, Alex. Severi, und Gor-diani Jnnioris zu sehen, auf der andern ein Abgarus mit derPersischen Tiara oder Königs-cron gezieret; wird auch da in derÜberschrift richtig ein König, auch der auf einer müntz mit Sept.Severo ist, ausdrücklich ein grosser König qenennet; welchentitnl sich damalcn die Persischen Könige sonsten absonderlichzueigneten. Übrigens lasset sich hier bemcrckeu , daß die zweyhier zuletzt genannte Abgari gar wohl eine einige person seynkönnen, weilen der unterscheid der zeit keine 40. jähr ausma-chet. Aber dieses ist gewiß, daß der Abgarus unter Alex. Se-vero, und Gordiano von deine, oder denen hievorbemeldten un-terscheiden seyn muß. EuJ'ebtm in chron. Herodian. lib. 111 .& IV. Dion. lib. LXXVÜ. Xiphilin. in Severo & Carac. *

* Abgarus , ein König der Araber, und Herr von Edessa,vereinigte sich unter der regierung Claudii init denjenigen Par-thischen Fürsten, welche eine heimliche Gesandtschafft naherRom geschickt hatten, um einen König zu erlangen. C. Caßinsder Statthalter von Syrien gäbe ihnen auf befehl des Römi-schen Raths Meherdatem, den söhn Vononis, und groß-söhnPhraatis. Abgarus , der es heimlicher weise mit Gotarze,dem König der Parther hielte, trachtete Meherdatem eine zeit-lang zu Edessa aufzuhalten, und eiidlich vereinigten sie sich mitJazate, dein König von Adiabenc. Aber als Meherdates,nachdem er die stadt Ninos oder Ninive eingenommen hatte,bereit wäre den» Gotarzcs eine fchlacht zu liefern, traten die-

se zween verräther auf des feinds feite, und verurfacheten al-so den Untergang des guten Mcherdatis. Tadt. annal. üb. Xu.cap. 12. 13. 14.

t Abgarus, König von Edessa, stunde zwar in bündnis mitdenen Römern, doch ivard er verrätherischer weise von KayserCaracalla, der ihne unter dem schein der freundschafft zu sicheingeladen hatte, gefangen angehalten. Man beraubte ihn sei-nes landes, und führte ihn und seine beyde söhne Abgarum undAntoninum naher Rom . Der ältere von den söhnen starb all-da in dem 26. jähr seines alters, und seine grabschrift, die ihmsein bruder verfertiget hat, ist bis auf unsere zeiten gekommen.Caracalla schickte eine colonie naher Edessa, so daß es scheinenkönnte, als wäre dieses Königreich zu selbiger zeit, nemiich imjähr Christi 216. erloschen. Man findet dennoch das gecrönteHaupt eines Abgari auf einer müntze Kaysers Gordiani, welcherum das jähr Christi 240. regierte. Georgius Syncellus , welcheres aus Julio Africano entlehnet, redet von einem Abgaro, dernoch zu zeiten Heliogabali zu Edessa regierte. Diese umständemachen also muthmassen, es seye der söhn unsers Abgari vonKayser Macrino wiederum eingesetzet worden. Deme seye nunwie ihm wolle, so ist doch gewiß, daß in dem IV. seculo Edessaund gantz Osroene denen Römern unterworffen war, und keineeigene Fürsten mehr hatte, st», üb. LXXVII. Sidon. Apoiu-nar. lib. II. epist. 8. Oeco , in Numismat. SynceO. in Chro.nograph. Ezecb. Spanbem. dissert. de usu & praestant. Nu-mifmatum.

Abgesandter, heißt derjenige, so die Angelegenheiten einesStaats bey andern unter diesem nahmen beobachtet, welchesmit unterschiedener gemalt, würde, rang und tractament zri ge-schehen pfleget. Denn da heissen einige Pienipoter.darii, unterwelchem nahmen dieselben vollkommene macht haben sollen, al-les dasjenige zu thun und zu lassen , was ihnen zum wohl ih-res Staats dienlich scheinet. Ihre Verrichtungen sollen vondemjenigen, der sie geschickt, ausser dem fall der grösten nothnicht verworffen werden können, wann sie gleich über die gren-tzen ihrer neben-mstruÄion. welche ihnen die Principalen insge-heim zu geben pflege», geschritten hätten, und obwol die tracta-ten von den Plenipotentiariis jedesmal erst zur gutheissung undUnterzeichnung an die Häupter selbst qeschicket würden, so stehees doch den Herren nun nicht mehr frey zu verweigern, wasihr Plenipotentiair versprochen. Allein die erfahrung zeiget,daß es damit wenig zu bedeuten habe, und daß Plenipoten-tiarius mehrentheils eut ehren-titul sey, welcher sowol den Am.bassadeurs als Envoyes mitgegeben wird, wie dann die Fran­ zösischen Envoves zu Regenspurg ohne unterscheid und absichtauf ihre gemalt denselben führen. Nach dem ränge theiletman die Abgesandten in die vom ersten und die vom andernränge. Jenes sind die Ambastadeurs , welche die person ihresPrincipals darstellen, so man aus ihrem creditiv erkennen muß,von welchem man die voümachts-driefe 'zu unterscheiden hat,die sowol ein Ambassadeur als Envoye haben kan. Man siehetsolchen unterscheid im Teutschen Reiche, allwo die voümachts«briefe an das Chur-Mayntzische Direktorium, das creditiv aberan den Kayser abgegeben werden muß. Einen solchen Ambas-sadeur kan niemand schicken, als der souverain ist, und solchesrecht bey andern völckern hergebracht. Ob nun wol die Fran­ zosen den Teutschen Fürsten einige souverainitat gar gerne zuge-stehen , so wollten sie doch derselben Gesandten auf dem Niem-wegischen frieden vor keine Ambastadeurs, sondern nur vor En-voyes oder Ministres deputes erkennen , und unterstunden sichsogar den Churfürsten das recht, Gesandten vom ersten rängezu senden, streitig zu machen. Nachdem aber solches demBrandendurgischen Gesandten vormals sowol in Polen bey demOlivifchen frieden, als auch von den Franzosen selbst war zu-gestanden worden , so sahen sie gar wohl, daß sie das gantzeChurfürstliche Lollegium in einander hetzen wurden, wenn sieeines Gesandten höher, als des andern halten wollten , wozusie es aber damals zu Niemwegen nicht zeit zu seyn erachteten.Daher sie zwar den Churfürstlichen Gesandten den titul undtractament eines Ambastadeurs gaben : doch wird denselbennoch jetzo in Franckreich nicht erlaubt, mit bedecktem Haupt au.dientz zu haben, welches doch den andern Ambastadeurs , undsogar des Hertzogs von Savoyen Gesandten, zugestanden wird,der doch kraffl eines Vergleichs mit den Churfürsten diesen denrang in person geben muß. Dieserhalber pflegen die Churfür-sten keine Ambastadeurs an den Konig von Franckreich zu schi-cken, gleichwie dieser auch nur durch Envoyes mit ihnen han-delt. Die Fürstlichen Gesandten aber kunten nicht einmal soviel auf dem Niemwegischen frieden von ihnen erhalten, davondie gröste Ursache wohl diese seyn mochte, daß die Franzosendadurch zu verhindern suchten , daß Lothringen den friedens-congreß nicht beschicken sollte. Allein dem Hertzog von Lothrin­ gen war es mehr um die Wiedererlangung ferner lande, als umSceremoniel zu thun, daher er vor bicsesmal nur einen Envoyeschickte, protestirte aber, daß er dadurch seinem rechte nichtswollte vergeben haben, woran es auch Lüneburg und Neuburg nicht ermangelt« liessen. Und obwol nach diesem Furstnerius,und der author der frage: Ob^Reichs-Fürste» Ambastadeursschicken? können der Fürsten befügnis mit der feder auf das hef-tigste verfochten, so hat doch alles nicht zulangen wollen, derFürsten recht ausser allen streit zu setzen. Sonst sind die Am-bastadeurs entweder Ordinarii oder Extraordinarii , wovon zu

mercken,