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Noth- und Hülfs-Büchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim : Für Junge und Alte beschrieben
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Landesausgaben wieder anwendet, wodurch es bald wiederin die Beutel derjenigen, welche die Abgaben bezahlt haben,und insbesondere der Landleute zurück fließt. Denn alle,welche von der Herrschaft Besoldungen oder sonst Geld em-xfangen, geben das meiste wieder für Essen, Trinken undKleidung aus, und dieses kommt zuletzt an den Bauer, fürGetraide, Schlachtvieh, Butter, Käse, Eyer, Wolle undFlachs. Wollte aber ein Fürst alle Abgaben erlassen, sokönnte er seine Diener, Soldaten und Arbeitsleute nicht besol-den; diese könnten alsdenn nichts kaufen: und so müßte derBauer sein Getraide und andere Waaren, die er zu Marktbringt, behalten und müßte alles entbehren, was er nichtohne Geld bekommen kann. Die Räthe und alle Diener wür-den alsdenn auch keine Dienste mehr thun wollen, und da würdealle Zucht und Ordnung aufhören. Der Stärkere würde demSchwächer« das Seinige nehmen; der Wollüstige würde un-gehindert seines Nächsten Weib und Tochter schänden; derZoruige würde ungestraft wüthen und morden; der Listigewürde den Einfältigen vor sehenden Augen betrügen. Jederwürde sich dann selbst Recht zu schaffen suchen, und so würdenJänkcreycn/Schlägereycn, Mordthaten und Mordbrennereyenuberhand nehmen, daß niemand seines Lebens und Eigen-thums sicher wäre, und die Menschen würden sich allmälichaufreiben und die schöne Erde zu einer wüsten Einöde ma-chen. Dieses schreckliche Unglück würde geschehen, wenn keineRegenten wären, oder wenn sie sich keine Abgaben von den Unter-thanen bezahlen ließen. Die Unterthanen haben also selbst dengrößten Vortheil von den Abgaben, und der Herr hat, gleichsamals Haushalter, nur die Sorgen davon, und wer nur ein we-nig nachdenkt, wird begreifen, welche schwere Sorgen allesdieses machen muß. Es hat nun wohl noch kein Regent inder Welt sich dieser Sorgen in Person so sehr angenommenund deshalb ein so arbeitsames Leben geführt, wie der großeRöntg von Preussen. Er steht im Sommer des Morgensvier Uhr und im Winter fünfUhr auf, wenn er auch noch müdeist. Er braucht keine Viertelstunde, sich anzuziehen, unddann geht er gleich an seine schweren Geschäfte, welche allenach den Stunden eingetheilt sind. Erst liest er die einge-laufenen Briefe, deren oft ein solcher Haufen sind, daß erkaum darüber hinsehen kann; und auf jeden schreibt er, wasdie Labinetsräthe darauf antworten sollen. Viele be-

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