Buch 
Noth- und Hülfs-Büchlein für Bauersleute oder lehrreiche Freuden- und Trauer-Geschichte des Dorfs Mildheim : Für Junge und Alte beschrieben
JPEG-Download
 

^4

bringen Contrebande ein, machen Bankrut, betrügen und der-laumdcn ihren Nächsten. Mütter ermorden ihre Kinder, Kin-der ihre Eltern. Räuber und Diebe machen das Land unsicher.Wittwen und Waisen schreyen um Versorgung; jeder, der inNoth ist, verlangt Hülfe Solche und tausend andere vcrdrüß-lichc Dinge fallen täglich vor: so daß es zu verwundern ist, wie«in Herr, dem dieses alles durch den Kopf geht, noch so gutesMuths seyn kann, als der große Friedrich oft ist. Die Ursachedavon ist aber keine andere, als diese: treibt diese Regie-rungsgeschäfte nicht nach dem Schlendrian: sondern er bemühtsich vom größten bis zum kleinsten alles zu verbessern, und gehtimmer weiter vom bessern zum noch bessern fort. Davon siehtman überall Spuren wo man nur Hinblick!. In den Städtenhat er vielcrley Handwerke und Künste eingeführt, die vor ihmnoch nicht da waren: damit alles, was man braucht, im Landeverfertiget werden kann, und seine Unterthanen ihr Geldnicht auswärts schicken sollen. Zum Besten der Handel-schaft hat er, wo es sich schickte, Canäle graben lassen, daßman in seinen Staaten von der Elbe bis in die Weichsel schiffen kann. Leuten, die Fabriken anlegen, zur See han-deln, und sonst etwas wagen wollen, Meßt er oft großeSummen Geld dazu vor. Er hat 6c>o neue Dörfer ange-legt und 4»/6oy neue Familien angesetzt. Etliche hunderttausend Morgen wüster Sümpfe und Moräste hat er zuAckerland und Wiesen machen lassen. Durch Ermunte-rungen und Belohnungen ist wahrend seiner Regierung dieSeidenzucht, der Kleebau, der Waid - und Grappbauin Gang gekommen, und das Land überall durch Anpflan-zungen verschönert worden. Theurung und Hungersnothhat er auf immer verhütet, indem er hier und da großeKornmagazine errichten lassen, aus welchen an die Unter-thanen um einen billigen Preiß verkauft wird, so balddie Fruchtpresse über die Gebühr steigen: wie denn in denJahren 177t und 1772 in seinen Landen keine Noth gewe-sen , und noch viele angrenzende Oerter ihr Brod daher be-kommen haben. Den Bauernstand hat er von der Leibei-genschaft frey gemacht. Er hat auf seinen Gütern, wo nurdie Bauern selbst dazu geneigt waren, die Frohn - undHofedienste gegen ein billiges Dienstgcld abgeschafft undhat mehr als 40» seiner Guter vertheilt und sie Bauern inErbpacht gegeben ; wie er denn überhaupt ein großer Bau-