Rudolf von Werdenberg.
Ein Grafenschloß steht trotzig auf stolzer Bergeshöh’,
Zu seinen Füßen träumet ein blauer Alpensee.Verschwunden Graf und Ritter, vermodert Mann und Roß,Des Efeu grüne Ranken umfahn das graue Schloß.
Ringsum gespenstig stille des Lebens Odem ruht,
Doch mit der Dämm’rung Schleier, da steigt es aus der Flut;Im tiefen See erwacht aus langem Todesschlaf
Mit Knappen und Rittern Rudolf, zu Werdenberg der Graf.
Er schreitet aus der Tiefe mit wuchtig stolzem Schritt;
In schwerem Erz gewappnet, das Heer folgt seinem Tritt.Zur Schlacht! Zum Sturme, Ritter, mir nach den Berg hinan!Mir nach zum Kampfe, zum Siege, ich breche euch die Bahn.
Nun falscher Monfort, zitt’re! Zersplittert fällt das Tor.Aus mancher Todeswunde quillt warm das Blut hervor.Herr Monfort liegt erschlagen, rings Wehruf und Gestöhn,Von Werdenberg Graf Rudolf 1äßt Siegesbanner wehn.
Da wallen finstre Nebel hernieder, feucht und schwer,Mit ihnen sinkt zur Tiefe der Graf samt seinem Heer.Im Dunkel lautlos ruhet das Schloß wie eine Gruft.
Zum Efeu flüstert kosend der wilden Rose Duft.Dr. F. Rohrer.
jo nl
Wem Gott will rechte Gunst erweisen,Den schickt er in die weite Welt,
Dem will er seine Wunder weisen
Die Bächlein von den Bergen springen;Die Lerchen schwirren hoch vor Lust;Was wollt’ ich nicht mit ihnen singenAus voller Kehl ” und frischer Brust!
Den lieben Gott laß ich nur walten,Der Bächlein, Lerchen, Wald und FeldUnd Erd und Himmel will erhalten,Hat auch mein’ Sach’ aufs best’ bestellt.J- v. Eichendorff.
oda