Buch 
1877/78 (1877) Konzertprogramme 1877/78
Entstehung
JPEG-Download
 

Liederkreis von Schumann .

Gedichte von Heine .

,, Es kam ein Jungfräulein gegangen,Sie sang es immerfort,

Da haben wir Vöglein gefangen

Das hübsche, gold'ne Wort."

Das sollt ihr mir nicht mehr erzählen,

Ihr Vög'lein wunderschlau;

Ihr wollt meinen Kummer mir stehlen,Ich aber Niemandem trau'.

I.

Morgens steb' ich auf und frage:Kommt fein's Liebchen heut'?Abends sink' ich hin und klage:Ausblieb sie auch heut'.

In der Nacht mit meinem KummerLieg ' ich schlaflos, wach;

Träumend, wie im halben Schlummer,Wandle ich bei Tag.

IV.

Lieb Liebchen, leg's Händchen aufs Herze mein;Ach, hörst du, wie's pochet im Kämmerlein?Da hauset ein Zimmermann schlimm und arg,Der zimmert mir einen Todtensarg.

-

Es hämmert und klopfet bei Tag und bei Nacht;Es hat mich schon längst um den Schlaf gebracht.Ach! sputet Euch Meister Zimmermann,Damit ich balde schlafen kann.

II.

Es treibt mich hin, es treibt mich her!Noch wenige Stunden, dann soll ich sie schauen,Sie selber, die Schönste der schönen Jungfrauen;-Du treues Herz, was pochst du so schwer!

Die Stunden sind aber ein faules Volk!

Schleppen sich behaglich träge,Schleichen gähnend ihre Wege;Tummle dich, du faules Volk!

Tobende Eile mich treibend erfaßt!

Aber wohl niemals liebten die Horen;-Heimlich im grausamen Bunde verschworen,Spotten sie tückisch der Liebenden Hast.

III.

Ich wandelte unter den Bäumen

Mit meinem Gram allein;

Da kam das alte Träumen,

Und schlich mir ins Herz hinein.

Wer hat euch dieß Wörtlein gelehret,

09

Ihr Vöglein in luftiger Höh'?

Schweigt still, wenn mein Herz es höret,Dann thut es noch einmal so weh.in

V.

Schöne Wiege meiner Leiden,Schönes Grabmal meiner Rub',Schöne Stadt, wir müssen scheiden,Lebe wohl, ruf' ich dir zu.

Lebe wohl, du heil'ge Schwelle,Wo da wandelt Liebchen traut;Lebe wohl! du heil'ge Stelle, CWo ich sie zuerst geschaut.

Hätt' ich dich doch nie gesehen,Schöne Herzenskönigin!

Nimmer wär' es dann geschehen,Daß ich jetzt so elend bin.

-

Je

Nie wollt' ich dein Herze rühren,

Liebe hab' ich nie erfleht;

Nur ein stilles Leben führen

Wollt' ich, wo dein Odem weht.

Doch du drängst mich selbst von hinnen,Bittre Worte spricht dein Mund:Wahnsinn wühlt in meinen Sinnen,Und mein Herz ist krank und wund.

Und die Glieder matt und trägeSchlepp' ich fort am Wanderstab,Bis mein müdes Haupt ich legeFerne in ein kühles Grab.

Schöne Wiege u. s. w.