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Bern's Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700jährigen Gründungsfeier / von Wolfg. Friedrich von Mülinen
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rächen (1294). Verfolgt und geplündert baten die Juden denneuen König um Hülfe. Dieser nahm sich ihrer aber nicht an,sondern erklärte alle Schuldforderungen ungültig und verfälltedie Juden noch in eine große Buße. Bern durfte mit diesemEntscheide wohl zufrieden sein. Es war aus der drückendstenfinanziellen Noth gerettet. Man konnte wieder zuversichtlich indie Zukunft schauen.

Ungefähr in diese Zeit fallen die erstell Erwerbungen, nämlichder vier Kirchspiele Mnri, Völligen, Vcchigen lind Stetsten. Dienäheren Umstände sind aber unbekannt.

Aber nicht nur in Bern theilte man das Gefühl, daß dieStadt groß und mächtig werde. Bei der Belagerung hatte desKönigs Zwerg gesagt:

Es si über kurz oder lang,bern wirt Herr im land.

6. Verfassung und Kirchliches.

Während des t3. Jahrhunderts bildeten zwei Räthe die berni-schen Behörden: der Rath der Zwölf, mit dem jährlich wech-selnden Schultheißen an der Spitze und ein größerer Rath. DieGemeinde war befugt, den öffentlichen Arten ihr Siegel anzu-hängen. Da also die Verhandlungen der Regierung jedermannbekannt waren, scheint es vorgekommen zu fein daß manMißbrauch damit trieb. Zu der Unzufriedenheit, die solcheshervorrief, gesellte sich noch ein anderer Grund, welcher eine Ver-fassungsänderung wünschbar machte. Mehr und mehr war nebenden bürgerlichen Geschlechtern, die mit dem Adel die Stadtregierten, der Handwerkerstand emporgekommen und verlangtenun Antheil an der Regierung (1294 oder 1295). Es scheint sich,wie es wenig später in Zürich der Fall war, um die Einführungeines Zuilftregiinents gehandelt zu haben. Doch wollte die Bür-