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Bern's Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700jährigen Gründungsfeier / von Wolfg. Friedrich von Mülinen
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Nach Hause war zuerst die falsche Nachricht einer Nieder-lage gekommen; neu erwachte der Haß gegen die Pensionäre undUrheber der Kriegsläuse; er legte sich auch nicht, als der Sieggemeldet wurde. Von Könitz stürmten am 26. Juni 1513 mehrerehundert junge Leute in die Stadt, drangen in die Häuser derFranzosenfreunde und konnten nur durch die entschiedene Haltungdes Schultheißen Jakob von Wattenwyl zum Abzug gebrachtwerden. Die Regierung mußte einige Mitglieder des Rathesentsetzen, sogar Todesurtheile fällen und den Landesabgeordnetenversprechen, ohne sie anzuhören kein Bündniß mehr einzugehen,das zu Hülfsleistungen verpflichte.

Um wettern Unruhen vorzukommen und zugleich den Willendes Volkes zu thun, beschlossen die Orte, einen Zug nach Frank-reich selbst zu unternehmen. Im August 1513 belagerten 16,000Eidgenossen und noch viele Burgunder die Stadt Dijon. SchonWar sie am Aeußersten, da gelang es dem französischen Befehls-haber äs la MsmouiUs durch Bestechung und günstige Bedin-gungen Italien betreffend Verzicht auf Mailand den Abzugder Eidgenossen zu erkaufen. Rühmlos kehrte das Heer imSeptember zurück. Die Mißstimmung gegen die Franzosen undihre Freunde blieb und Schinner ruhte nicht, bis er die Schweizerdem großen kaiserlich-päpstlich-spanischen Bunde gegen Frankreichzugeführt hatte.

Am Neujahrstage 1515 starb König Ludwig XII. SeinNachfolger, der ritterliche Franz I., wünschte nichts so sehnlich,als Mailand lviederzugewinnen. Sofort begann er zu rüsten.Die Schweizer, denen dies nicht verborgen blieb, verstärkten dieBesatzung des Herzogthums und besetzten auch alle Gebirgspässegegen Frankreich. Noch wollten sie von einem Angriffskriege nichtswissen. Gewiß wären sie stark genug gewesen, Franz abzuwehren.Aber Mißtrauen schlich sich im Heere ein, die Führer waren un-einig, die Mannszucht lockerte sich, so daß Franz leicht durchdie preisgegebenen Pässe eindrang. Um ein kriegerisches Zu-