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Bern's Geschichte 1191-1891 : Festschrift zur 700jährigen Gründungsfeier / von Wolfg. Friedrich von Mülinen
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8. Berns Intervention in Neuenburg, Senf und Lreiburg.

So beschäftigt die bernische Regierung in ihrem GebieteWar, so unterließ sie es doch nicht, befreundeten Ständen ihreHülfe angedeihen zu lassen, sobald sie nöthig wurde. Dabei konntesie beweisen, welche Energie ihr noch inne wohnte und das Ver-trauen erkennen, das man in sie hatte. Verschiedene Malewurde ihre Aufmerksamkeit nach dem Westen gezogen.

In Neuenburg hatte man es übel empfunden, daß derFürst, König Friedrich II. von Preußen, die Abgaben verpachtete.Es kamen solche Unruhen vor, daß es 1766 unmöglich war, denPachtvertrag zu erneuern. Ein preußischer Kommissar, der Herrvon Derschau, klagte in Bern gegen Neuenburg. Des KönigsRechte verfocht Gaudot, der von der Volkssache abgefallen war,der bernische Advocat Karl Emanuel Rasselet war der Anwaltder Neuenburger. Der Proceß siel zu deren Ungunsten aus;sie unterwarfen sich aber erst, als Bern 9000 Mann rüstete.Noch glomm unter der Asche der Funke fort. Gaudot wurde1768 ermordet. Da besetzten Mannschaften dj^vier verbündetenStädte Bern, Freibnrg, Solothurn und Luzern die StadtNeuenburg und verleideten wettern Ungehorsam.

Umständlicher und von viel längerer Dauer waren die genfe-rischen Wirren.

Im Jahre 1714 hatte der Große Rath von Gens eine Steuer zuFestungsbauten ausgeschrieben. Die Bürger-Gemeinde, die sichohnehin dem Rathe, der alle Macht hatte, nicht unterziehen wollte,war wenig einverstanden. Unter den Unzufriedenen machte sich beson-ders Hieronymus Micheli, Herr zu Crest, bemerkbar. Da die Stim-mung immer bewegter wurde, schritten 1738 die GarantiemächteFrankreich, Bern und Zürich ein. Sie brachten eine Vermittlung zuStande, gemäß welcher die Bürger-Gemeinde die Gesetze des Rathesannehmen oder verwerfen konnte und ihr auch die Wahl einigerBeamten zustand. Micheli du Crest aber wurde gefangengenommen.