„Das müssen Sie allerdings thun. Der Gasthofsbesitzer,ein guter Freund von mir, wird Ihnen schon ei» Paar Rossebesorgen und dazu drei oder vier wohlbcwaffnctc Leute alsBedeckung."
Hiermit mußte Madame Montöres sich denn einverstandenerklären, obwohl es eine tüchtige Lücke in ihrer kleinen Börse her-vorbrachte, welche Betrachtung ihr freilich näher ging, als Geuevwve,die, als sie glücklich im Sattel saß, hinter einem stämmigen Burschenvon Lakei in büffellcdcrncm Wams, voller Rengierdc und Staunenauf das vielgeschäftige Treiben um sich her blickte. Indes das,was sich ihren Augen zuerst bot, war sehr enttäuschend. DieStraßen, durch welche sie kamen, waren äußerst eng und furchtbarschmutzig; die Häuser zur Linken und Rechten hoch, düster und ab-schreckend; die Hotels und Paläste, von denen sie soviel gehört,und in welchen sie sich, mit fröhlichster Laune und herzlichem Will-komm für sie, Eduard vorstellte, schienen sich dem Auge derÖffentlichkeit mit ihren Gärten und Anlagen hinter ihren Mauernund Zäunen durchaus verbergen zu wollen. Es gab allerdingseinige glänzende Ausnahmen hiervon; die Rue St. Honorö, derPlace Royale und die in edlem Stil erbauten Kirchen des altenParis würden das ungewohnte Auge eines Fremden sicher entzückthaben; doch sie kamen an all diesen Bauten nicht vorüber. Endlichgelangten sie in eine breitere und, wie es schien, endlose Straße,die auch ziemlich einsam war, da sich von beiden Seiten, wenigstensim größten Teile derselben, hohe düstere Klostermaucrn erhobenoder sonst eingeschlossene Gebäude. Ihre Führer belehrten sie, essei die Straße von Samt Jacques.
Jetzt machten sie Halt an einem Thorweg, wo sie von einerSchildwachc angerufen wurden. Indes erlaubte sie ihnen nacheinigem Hin- und Hcrrcdc» zu passieren; somit verließen sie dieeigentliche Stadt und begaben sich in das Fanbonrg von SamtJacques. Hier mußten sie noch mehr einsame, von hohen Mauerneingefaßte Straßen durchziehen, doch nachdem sie einige solche zurück-gelegt, auch an einer Kirche vorbeigekommen, rief einer der Führerplötzlich aus: „Meine Damen, da ist Port Rohal de Paris!"