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„Da?" fragte verwundert Geneviöve. „Ich sehe doch nichts alseine Maner nnd vor derselben einen Soldaten, der auf und abschreitet."
„Ja wohl, das ist die Gartenmauer. Warten Sie nur,Fräulein! Wir kommen gleich um die Ecke."
Als dies geschehen war, sahen sie vor sich ein großes, sorglichstverriegeltes Thor, das, wie es schien, von Soldaten bewachtwurde.
Jetzt erklärten nun die Führer, sie Hütten ihre Sache aus-gerichtet und müßten nach Hause zurück; dabei forderten sie ihrenLohn, doch mit solch unbescheidenen Zusätzen, daß Asadame Montoresmeinte, dagegen Protest erheben zu müssen. Doch ihre sanftenVorhaltungen riefen eine so unverschämte Sprache hervor, daß siewie Gencviöve froh sein mußten, sie loszuwerden um jeden Preis;die letztere nahm den von ihnen mitgebrachten Reisesack nun inihre Hand. „Warte nur, mein Töchterchen," sagte die Mutter, ihreHand nehmend und aus das Thor zugehend, „jetzt werden wirendlich zu guten Freunden kommen."
Doch da trat ihnen sofort der, wie es schien, wachehabendeSoldat entgegen. „Kein Eintritt, meine Damen," sagte er infestem, obschon ganz höflichem Tone, „im Namen des Königs!"
„Das verstehe ich nicht," sagte Madame Montores ganzbestürzt.
„Alle Eingänge sind bewacht," erwiderte der Soldat. „WederEintritt noch Ausgang ist hier erlaubt."
„Aber warum, warum?" Indes keine Antwort erfolgte.Schon war der Soldat, ein Bogenschütze aus des Königs Garde-regiment, weitergegangen; er hatte nichts weiter hier zu sagen.
Madame Montvres aber stand da wie im Traum undmurmelte im Tone tiefster Verzagtheit: „Die Pforten von SamtRoyal geschlossen, vor schütz- und srcnndlosen armen Menschen!Gott erbarme Sich über uns!"
Während sie noch dastand, ihr zur Seite die nicht minderentsetzte Gcneviöve, näherte sich ihnen ein alter Priester und sagtevoll Artigkeit: „Meine Damen, es scheint, Sie sind in irgend-welcher Bedrängnis. Könnte ich Ihnen wohl irgendwie beistehen?"
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