doch so wohl bekannt war; hierzu kam ihr Verdruß über seineFeindseligkeit gegen die Jansenisten und seine Unterwürfigkeit gegeneinen ausschweifenden Herrscher und dessen Hof. Indes daMadame de Chövres sich sagte, ein Frauenzwist ob solchenThemas willen würde ihrer Sache nur Eintrag thun, so beeiltesie sich, ihrem Wort noch dies hinzuzufügen:
„Bedenken Sie, teure Freundin, die Wichtigkeit, die dieseAngelegenheit auf sich hat! Solche edle, heroische Seele, wie dieHerr de Sercourts der wahren Herde Christi zurückzugewinnen!Ihnen sogar kann er nicht so wohlbekannt sein als mir. Ich willjetzt gar nicht davon reden, was er für den lieben Leon und michgethan hat, obgleich unter tausend Männern nicht einer an seinerStelle sich also an der dadurch entstandenen doppelten Schädigungseiner eignen Interessen gefreut und sie zu erhalten sich bemühthätte. Und nach allcdem soll nun eine Geneviöve Montörcs ihnnoch abweisen! Ich darf es nicht aussprechen, was ich davon denke,da doch das gute Mädchen sicher unter Ihrer Anweisung und Be-ratung gehandelt hat. Doch betrachten Sie Sich die Sache nureinmal also: „Wie konnten Sie oder das junge Mädchen nurdaran denken, daß ein Mann von der fleckenlosesten Ehrenhaftig-keit, ein Edelmann vom Scheitel bis znr Sohle, wie Eduard deSereourt es ist — einer Lockspeise wegen, und wäre es auch dieHand Gcneviäves, seine Religion wechseln würde? Nein, Siehaben da einen völlig falschen Weg eingeschlagen. Sie hättenwissen müssen, daß bei einem solchen Manne das eigne Interessenicht den Ausschlag giebt, während Dankbarkeit und Liebe alleserreichen könnte. Schließlich ist nun noch diese furchtbare Heim-suchung über ihn gekommen, die er doch zum Teil der Art undWeise, wie er von Ihnen behandelt worden ist, zu danken hat.Seitdem habe ich ihn Tag für Tag beobachtet, Stunde für Stunde.Alles, was ich über ihn zu sagen vermag, ist dies: Wenn je einAlaun ein schweres, zu Boden drückendes Leid mit stiller, geduldiger,heldenhafter Scelengröße getragen hat, daß es wahrhaft znr Er-bauung gereicht, es mit anzusehen, so ist das Herr de Sereourt."
„Das weiß ich sehr wohl," erwiderte Mademoiselle, „es machtaber die Sache eben nur noch schwieriger."
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