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willigen und selbstbewussten Mannes wie Suworoff gerade für seineitalienischen Pläne ihre grossen Bedenken habe. Allein andererseitserwartete er mit liecht von Suworoff eine energische, siegreicheKriegführung und hoffte zugleich dem Stolze Pauls zu schmeicheln,wenn er den Oberbefehl eines Küssen in Anregung brachte. DieThatsache, dass Thugut es war, der dem russischen Feldherrn Ge-legenheit zu neuen Siegen gab, darf bei der Beurtlieilung des spätemVerhältnisses der beiden Männer nie ausser Acht gelassen werden.In der That verfehlte die Aufmerksamkeit des österreichischenStaatslenkers ihre Wirkung auf Paul nicht, nur war es ihm unan-genehm, dass gerade Suworoff, der erst vor wenigen Monaten seineAufforderung, wieder in den Dienst zu treten, abgelehnt hatte, derAuserwählte sein sollte. Nichtsdestoweniger benachrichtigte er Suwo-roff sofort durch einen Flügeladjutanten, er musste sich aber inseinem Stolze verletzt fühlen, als Suworoff sofort den Oesterreichernbewilligte, was er seinem Kaiser abgeschlagen hatte. Paul verbargseinen Verdruss gegenüber Suworoff, gab aber den Oesterreichernzu verstehen, dass sie selbst die Schuld trügen, wenn sie schlechtdabei fahren würden. Zugleich aber forderte er in einem sehr be-zeichnenden Schreiben den General Hermann auf, Suworoff zu be-aufsichtigen, da seine Unternehmungen leicht zum Schaden derTruppen ausfallen könnten. Er fuhr dann fort: „Ainsi quoiqu'il soitvieux pour etre un Telemaque, mais (!) vous n'en serez pas moinsun Mentor dont les conseHs et les avis doivent moderer la fougae etTaudace de ce guerrier hlanchi sons les lauriers. (Miliutin I, p.452/53, Beilage 211). Freilich hatte der Mentor keine Gelegenheit,sein Amt auszuüben. Er ging nämlich nicht nach Italien, sondernwurde später zum Commandanten des russischen Corps, welches inHolland operirte, ernannt, machte dort am 19. September einenübereilten Angriff, während die Engländer zurückblieben und wurdegefangen. Er hätte sich also wohl schwerlich zum Mentor einesSuworoff qualifizirt. Suworoff sprach übrigens dem österreichischenGesandten in Petersburg, Grafen Cobenzl, seinen Dank für das ihmvom Wiener Hof erwiesene Vertrauen, zugleich aber auch die Er-wartung aus, dass er unumschränkte Vollmacht erhalte. Ende Februarreiste Suworoff schon nach Wien ab, wurde dort glänzend empfangenund, wenigstens nach russischer Behauptung, mit unumschränkterVollmacht ausgestattet. Nach etwa acht Tagen ging er dann zur