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zosen warfen sogar Haubitzen herein . . . Die Franzosen erobertendie Stadt mit Sturm. Auf allen Gassen wurde gestritten, das Ge-prassel des kleinen Gewehrfeuers und das Gemetzel war förchterlich,an der Märkstädt (die breiteste, platzähnliche Strasse in Constanz,„Marktstätte“) hatten wir bald Franzosen, bald Hussen, bald Kondeer,auf allen Strassen lagen Todte und Verwundete und als endlich dasGefecht gegen 1 Uhr in der Nacht zu Ende war, kam erst dasärgste für uns. Beyde Theile verlohren viele Leute, beim Riesen(Haus in der Rheingasse unweit des Rheins) wurde ein KondeisclierGeneral erstochen. Die Franzosen eroberten eine Kondeische, dagegendie Russen eine französische Fahne“ etc.
So hatten die Russen am Morgen des 8 Oktober nun nocheinen Punkt, des linken Rheinufers inne, den Brückenkopf vonBüsingen. Der Erzherzog befahl hierauf Korsakoff, wie er selbstzugibt, übereilter Weise (II, p. 279) auch diesen Brückenkopf auf-zugeben und die Pontons der Brücke nach Stockacli schaffen zulassen. 3 ) Damit waren die Operationen der Russen in der Schweizzu Ende. Am 15. Oktober verliess dann auch die Armee KorsakofFsihre Stellungen und inarscliirte in der Richtung nach Stockach ab(Mil. IV, p. 150). So befand sich denn kein Russe mehr auf Schweizer-boden. Wohl fanden in dieser Zeit gerade noch Verhandlungenzwischen dem Erzherzog und Suworoff über eine neue Unternehmungin der Schweiz statt, allein dieselben blieben ohne Ergebniss undes ist fraglich, ob sie von SuworofiPs Seite überhaupt ernstlich ge-meint waren. Die hartnäckige Weigerung des letztem, sich mit demErzherzog persönlich über den neuen Operationsplan zu berathen,spricht wenigstens sehr dagegen. Der russische Feldzug in derSchweiz aber war vollständig gescheitert und veranlasste in seinenFolgen die völlige Entzweiung der schon vorher uneinigen Ver-bündeten.
1 ) Müller macht in seiner Erbitterung auch die Räumung des BrückenkopfsKorsakoff zum Vorwurf (Briefwechsel, p. 208), wie man sieht, mit Unrecht.