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Des Europäischen Herolds zweyte Haupt-Handlung
gehet der König in den grossen sallon/ allwoer aber nicht lange verbleibet / sondern sichvon dar in sein cabinet erhebet. Auch gehendie Princessinnen von der Königl. familie aufeine Zeitlang in eines von des Königs cabine-ten.
Ncchst dem Staats-Rathe / welcher desmorgends gehalten wird / ist kein eintziger tagin der woche/ da der König nicht vier oderfünffstunden den Reichs-geschäffcen oblieget/entweder was den krieg/die finantzen/schiffahr-ten / posten oder andere angelegenheiten be-trifft.
r« gründ grsnä coucker oder das grosse
Couch» du schlassen-gehen des Königs bestehet in fol-senden ccremonien: Wem der König aus sei-nem cabinet gehet/ so trifft er den Meister derGarderobe an der thür an/ welchem er seinenHut/ Handschuhe und Spanisch röhr einhändi-get/und sodann bekömmt diese suchen ein die-ner der Garderobe in Verwahrung. Sodannleget der König den degen ab / darinnen ihmder Meister der Garderobe hilfst/woraufSe.Maj. wcih-wasser nimmet/und nahe bey dembette vor einem lehn-stuhl mit armen auf zweyküssen niederkniet. Jnmittelst hält unterwahrendem gebet des Königs ein Allmosenirerden wachs-kerhen-leuchter/und saget zuletzt mitleiser stimme das gebet: (ZuLlümur ommpo-
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ker Scc. Nachgehends befeuchtet der Königdiestirne mit weih-wasser/undstehetvom gebetauf. Nachdem nun der vornehmste Kammer-diener den wachs-kertzen- leuchter vondemAll-mosenirer genommen / so empfangt er von desKönigs Händen den kleinen beutel mit den re-liquien/ und zugleich die sack-uhr. Wenn nunder König biß an seinen lehn-stuhl mit armenkommen ist/ so fraget ihn der Groß-Kämme-rer/ oder der vornehmste Kammer-Juncker/wem er den wachs-stock-leuchter geben wolle?Warauf sich der König in der Versammlungumstehet/ und denjenigen nennet / welchem erdiese gnade erzeigen will/ da denn selbige ins-gemein den fremden Fürsten und Herren/fallseinige zugegen seynd/zugeeignet wird.
Indem der König noch stehet / machet erdie knöpfst am kleide auf/und bindet das blaueOrdens - band loß. Alsdenn ziehet ihm derMeister der Garderobe rock und veste/ darandas Ordens-band feste gemachst ist/ zugleichaus; empfängst folgends das Halstuch vondem König / und händiget den bedienten derGarderobe alles zusammen ein. So dann se-het sich der König auf den lehn - stuhl mit ar-men/und schnallet ihm der vornehmste Kam-mer-diener der Garderobe die kniebander ab/einer nemlich das rechte / der andere aber daslincke. Die kammer - dicner ziehen ihm aufder rechten feite den schuh / strumpf und Hosenaus/auf der lincken feite aber verrichten esdie diener der Garderobe/ und die zwey kam-mer-pagen/ welche selbiges tages die auswar-tung haben/ ziehen ihm die Pantoffeln an/wor-auf ein diener der Garderobe die kostn in ro-then taffent einwickelt / und selbige nebst demdegen auf den lehn - stuhl mit armen bey dembette träget. Folgends halten zwey kammer-diener den nacht-rock vor den König / damit
er sein Hemde aus-und dargegen ein nacht-hem-de im verborgenen anziehen kan. Derjenige/welcher ihm das Hemde gibt/ ist allemahl dervornehmste Fürst oder KimiUre, und hilfst ihmder vornehmste Kammer-Diener den rechten/der vornehmste diener der Garderobe aber denlincken ermel des Hemdes anziehen/und bindetjeder auf seiner feite das ermel-band zu. DasHemde/so der König ausziehet / nimmst ihmein diener der Garderobe aufden knien ab.
Nachgehends empfängt der König die reli-quien wieder von der Hand des Groß - Käm-merers / und hänget sie an den leib. Wenner aber ein nacht-camisol gebrauchet / so ziehetihm der Groß-Meister der Garderobe selbigesan / worauf er feinen nacht-rock umnimmst /vom stuhl aufstehet / und einen reverenh zurguten nacht vor den anwesenden machet / dadenn die thürhüter des Königlichen geinachsÜberlaut ruffen: Mori5,klellleurr,palles. Svfort retiriret sich der Hof/ und empfangen diejenigen/ welchen es zukommet/ die ordre oderdie parole von dem Könige/ nemlich der Ca-pital» des Gardes du Corps/der Capitain de-rer hundert Schweitzer/ der Oberste des regi-ments von der Frantzöischen leib-Garde / derColonel-General derer Schwerer / oder derOberste des regiments von der Schweitzer-Garde. Ferner der Groß-Stallmeister / dervornehmste Stallmeister/ oder auch ein ande-rer Stallmeister. Und hier endiget sich dasjenige/ was man le grand Coucher du Roy/ oderdas grosse schlassen-gehen des Lönigs/ nen-net.
Le petit Coucher du Roy / oder das kleme n Eschlassen-gehen des Lönigs anlangende / so Auch» ^bleibet bey demselben niemand in dem Königl.schlaff-gemach oder kammer/ als folgende Perso-nen: i.) Alle diejenigen/ welche des mor-gens daselbst seyn dörffen/wenn sich der Könignoch in dem bette befindet; 2.) Diejenigen/welche a la Premiere Entree oder zu dem ersteneingangs gehören; z.) die bedienten der kam-mer und der Garderobe; 4.) der vornehmsteleib-meckcux und die chirurgi; s.) einige Per-sonen/ welchen der König solche gnade erthei-let.
Wenn der Hof hinaus gegangen ist/ so se-het sich der König auff einen stuhl/ den manzusammen legen kan/bey den schrancken des bet-tes. So dann kämmen ihn die barbierer/ undmachen ihm die haare zu rechte: Er aber käm-met sich felbsten auch ; da ihm mittlerweileein kammer-diener den spiegel vorhält/ein an-derer aber leuchtet. Nach diesem bringet eindiener der Garderobe auff der obgedachtcnsalve eine nacht-mühe nebst zwey fchnupstü-chcrn ohne spitzen; und pi-Lleiuiret selbige demGroß-Meister oder Meister der Garderobe/welcher sie dem Könige überreichet. Was dieÜberreichung der servierten anlanget/ mitwelcher er die Hände und das angefleht ab-trucknet/ so überlässt der Groß-Kämmereroder vornehmste Kammcr-Juncker solche ehreallen Fürsten des geblüts und legitimsten Prin-hen/und diese servierte/ welche nur an demeinen ende genetzet ist/ lieget zwischen zweyenvcrguldeten kellern. -Hiermit wäschst sich derKönig das angeflehte und die Hände/ undtruck-
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