4i6 Des Europäischen Herolds zweyte Haupt-Handlung
lichenbedingungen sich eines Königlichen hoch-verpönten versicherungs-briefs verglichen/unddarinn die freyheit sowol in geistlichen als welt-lichen fachen gnugfamlich verwahret hatte.Allein es haben die Reichs - fachen nicht langehernach erfahren müssen/daß die Hoffnung je-zuweilen betrüge/ und daß die wünsche der sterb-lichen auf einem schlüpfrichcn gründe ruhetcn.Denn als der durchlauchtige Boczkay dieseszeitliche gesegnet / hat sich bald / nach diesemfrühzeitigen unddemgantzen Ungerlande hoch-schmertzlichen Verluste/ eine neue gelcgcnheit zuder vorigen ehr-und regier-fucht Herfür gethan;sintemahl nachdem man gleichsam auf einmahlder leiche sothanen grossen retters der freyheit/und der wieder zerfallenden freyheit selbst diegrufft eröffnet/und zu einem der Nachwelt son-ders merkwürdigen exempcl eine neue leicheder nur wiedererlangten freyheit da hinein ver-stricket/ alsosort die erste gelegenheit genommenworden / die neuen vertrage zwar unter demvorwand/ ob waren sie erzwungen worden/ dochwahrhafftig wider gegebene Parole / und wi-der die friedens-abreden/ die man beyseits frey-willig und ganh ungezwungen genommen /gantzlich zu boden zu legen. Damit nun die-ser unbändigen eigenwilligkeit / und treu undeydes-brüchen/ worüber aufrichtige lerne gros-sen mißfallen schöpften/ durch abermahlige neueund nachdrückliche hülffs- Mittel entgegen ge-bauet werden möchte/schritten die Stände hin-wieder zu der Verfassung/ womit sie vormahlsihren crorbikirenden Königen begegnet / undbegaben sich unter den schütz unserer vorfah-ren.
Diesen rechtmäßigen eyfer vermehrten dieunerhörten grausamen pressuren/ und die um-kehrung geist-und weltlicher rechte hauptsäch-lich : und wurden besagte unsere vorfahren /sonderlich Fürst Gabriel Berhlen und FürstGeorg Ragoykp der Erste/ glormürdigenandenckens/(wir fassen die doppelte beleidigun-gen/und soviel kriegs-actionesin die enge zu-sammen/ um der umständlichen erzehlung da-durch enthoben zu seyn) hiermit bewogen / die-ses in der nachbarschafft aufglimmende feueruochin der asche auszulöschen/und die anschci-ueude beschwerliche gemalt abzuwenden / dersichern meynung/ die noth des armen Ungerlan-des wäre ihre eigene / und demnach aller fleißundsorgfalt dahin anzuwenden/wie alles Un-heil aus dem Mge geräumet / und die wun-derliche allzuweit ausschwcissende hcrrschafftin den schranckcn der gesehe und Privilegienbehalten / und im ende nicht gestattet würde/daß zum großen schaden und Nachtheil dergantzen Christenheit/diesem schönen Königrei-che durch tilgung der rcligions - und andererfreyheit nicht der endliche Untergang zu-wüchse.
Dannenhero war der angriff der Waffenfreylich das eintzige Mittel/ einer gerechten fa-che hülffe zu geben/welche von GOtt auch al-so gesegnet wurden / daß die OesterreichischeKönige aus furcht.eines grossem Zuwachsesund in bctrachmng/daß der ausgang dcs kriegsjedesmahl zweiffelhafft von selbst frieden an-trugen/ denselben beschlossen/und durch öffentli-che Königl. Diplomes bekrafftigten. Aber es
zerrissen auch hier die bände eines doppelten frie-dens/und erlangten die Ungarn die verhosfte ru-he/ und versicherte freyheit am allerwenigsten.Ja die Könige suchten durch sothanen stillstandund unter dem mantel eines eingebildeten undzuverläßigen friedens/ vielmehr alle gelegen-heit die gemüther der Grossen und des Adelsdurch listige und verführende gestalten zu ver-blenden/ und was durch offenbare gemaltund schwerdtschlag nicht zu heben war/ durchtrennung der gemüther zu gewinnen.
Es würde zu lang fallen/ist auch ohne noth/die drangsale voriger zeiten ordentlich zu erzeh-len/ zumahln solche in den Historien gnüglichbeschrieben sind. Wollen demnach/mit Überge-bung der vergangenen begebniße/ die Wichtig-keit der gegenwärtigen Händel anführen/ damitdie gantze weit erkenne/ daß den Ungarn ge-malt und unrecht geschehen/ ihnen wider die Kö-nigliche Verbindung und Versprechung/ widerden innhalt des viplams«. und der Reichs-grund-gesetze alle freyheiten entrissen/ und diewaffen/ zu welchen sie greiften müssen/ recht-mäßig sind.
So wenig ist es zu läugnen/ als ohne inne-re herßens-belrübniß zu vernehmen / daß dieihige Kayserl. und Königl. Maj. bald nach demJhro/ dem herkommen gemäß/ durch freyewähl die Königl. regierung auffgetragen wor-den/ den fußstapffen ihrer vorfahren nachgefol-get/ und von der rechtmäßigen art des regi-ments zu einer so beschwerlichen und unge-mäßigten Herrschaft abgewichen sind.Ällerniassen zeitwährender dero herrschung von den al-ten wider die freyheit gebrauchten beeimräch-tigungen nichts unterlassen/ und denen sup-plicirenden wenig/ und dieses doch nur nach ei-genem belieben von dem gemeinen landrech-tegegönnet worden sondern mehr nicht als einblosser schatten der hiebevor gehabten freyheit/und nur der schein einer Königlichen Huld nochübrig geblieben / welche anders nicht als vor-spücknisse einer unerträglichen dienstbarkeit zuachten gewesen.
Bey diesem gedruckten und fast in letzten zö-gen begriffenen zustande der freyheit fandensich unter der Nation dennoch recht tapfere hel-den/welchen diese listige räncke undlandes-ver-derbliche rathschlage das Hertz geruhret/ daßsiedienichthaltungtreu und glaubens/und er-lidtene gemalt mit geziemender bescheidenheitvorgestellet/ wiewol mit grösserm eyfer/ alsNachdruck. Denn gleichwie seine Majestätden Königl. purpur bestecket und zerrissen em-pfangen hatte; also haben sie / an statt einergewissens-und Pflicht halber obliegender er-gäntznng und ausbesserung/denselben vielmehrnoch freyer und auffunbeschräncktcre art getra-gen.
Dannenhero hat diese Nation aus rmter-thänigstem/ihrem Könige schuldigen/ und niezerbrochenem gehorsam anfangs durch bittenund flehen diese allzustrenge regierung zu mäßi-gen getrachtet. Nachdem aber weder flehen/noch so viel grosse bücher der angebrachten undso offt wiederholten landes-gebrechen die ge-malt einer unordentlichen macht behindernwollen / hat man die arßncy dieser wundenübermahl in den waffen gesuchet/welche die
Reichs-