von dem Königreiche Hungarn. 417
Reichs-verfassung dißfals billiget/ und zu fuh-ren verstauet/wann ein König das wag-rechtder ordentlichen gewalr bricht/einer unge-wöhnlichen eigen herrschafft sich unternimmt/und die so klare rechte und Privilegien desReichs/mit der einwohner undStände bedran-gung und ruin/umkehret.
Zu wünschen wäre hierbey/ daß man mitbestörer ordnung und mächtigerm Nachdruckden vor die gemeine freyheit ausgezogenen de-gen fortgeführet hätte. Sintemahl bester ge-wesen/auch löblicher gestanden/ wenn man dißverdunckeltt licht der alten freyheit durch tapf-fere gegenwebr und heldenmüthige thaten wie-der auffgeklaret/ als durch allzugrosse tyran-ney und fatale zwistigkeiten sich dem loche ei-ner ganh schimpflichen fclaverey unrerworf-fen hatte. Allein die den Ungarn angebohr-te zancksucht und ihrer Kayscrl. und Königl.Maj. so theure und zuckersüße Verheißungen ha-ben diesem guten vornehmen bald den zöget zu-rück gezogen. Denn so bald am Kaysirl.-Hofzu Wien erschollen/ daß die iz Gespanschaff-ren zu rettung der freyheit die Waffen ergriffen/hat man alsofort durch einen sonderbaren zutrennung der gemüthcr dienlichen Kunstgriffan ermeldeteGespanschaffcen schreien auöge-sandt/und darinnen allen denen/ welche sichihre abtrünnigkeit reuen ließen/ und von derRagohkischen parthie zu dem einem Königeschuldigen 1-elpeN zurück treten würden/ Par-don versprochen/ mit Versicherung/ daß sie we-der vor gerichte deßhülbcn gefedert/ noch ihneneinige Verantwortung angesonnen werden/son-dern sie bey leben/ehr und gute unangefochtenverbleiben sollen. Und sie denn diese Königl.hochbetheuerte zusage angenommen/sich in thekle zerschlagen/die vorige he fftigkeit si'nckett las-sen/ auch die waffen wieder raison niederge-legt/ und sich zur ruhe/ die doch wenig gedau-ert / begeben / des dafürhaltens/es wartetenoch mehr gnade auff sie; da man hüt erfah-ren/ daß sie unter dem schein der begnadigungzu einer.weit empfindlichern räche ausgesetzetworden. Anmaßen dann einige am !ebcn/an-dere an gutem und ehre/andere mit ewiger ge-fangniß gestrafft worden. Und hat diese nie§nug zu beweinende Unbeständigkeit denenKayserlichcn thür und angcl zu Vollziehung ih-res endlichen Vorhabens eröffnet/ welche/ daman sich dessen am wenigsten versehen/ unterdem eommando des General Sporcks in Un-garn gerücket/ in das Hertz des Reichs einge-drungen/und ohne schwerdtschlag/ohne Verlusteines mannes/schlöffer/ stadte und vestungetteingenommen; weil die versprochene gnade siebethörce/ und nun niemand da ivar/ welchersich gewaltsarnlich entgegen stellen dörffen.Hierauf hat man nun den unbändigen undfrechen soldatcn zu allerhand plackereyen/rau-be und andere böfc thaten fortschreiten lassen;alles wider den buchstaben der angezogenen Kö-nigl. versichcrungß - und begnadigungs - schrei-ben. Die kirchen hat man geschändet und be-raubet/ die schlöster zerstöret / die AdelichenHäuser zu steinhauffcn gemacht / den Adel selbst/welcher der versprochenen amnestie allzuweitgetrauet/gefangen/und vor das Preßburgischehohe geeicht gezogen; doch sind viele/ welcheZweite Haupt - Handlung.
weiter gesehen/und die betrügliche tücke unter
der larve einer Königlichen gnade Herfür ge-zogen/solcher Hinterlist entgangen/ und habensich in diese Provinhien unter unsern schuh undschirm begeben. Wir sind anfangs über an-hörung solcher grausamen bcdrangNiße undunversehens Veränderung erschrocken. Undweil wir leichtlich sehen tonten/daß dieser Wir-belwind zu einem grossen und der Christenheithöchstschädlichen ungcwitter ausbrechen wür-de/ haben zuJhrer Kayftrl. undKönigl.Maj.wir alsofort unsere Abgesandten aus guterwohlmeynung abgeordnet/und deroselben dieunumganglichegefahr/welche aus dergleichenscharffen proceduren erfolgte/vorstellen lassen/mit der anzeige/ daß man dißfalls gelindertMittel fürzuwenden/ und die gcmüther bey dekHoffnung und vertrauen zur Königs, gnadezu erhalten/ mit Nichten aber anlaß zu gebenhätte/daß mün vollends gar zur verzweiffelungverfiele / und zu den beschwerlichen eraren i,»weiche nicht nur dem Königreiche Hungarn/sondern mithin der gantzen Christenheit dasgewisse Unheil zuzögen / abwiche. Man hataber diesen unsern vortrüg/und öffterswieder-holte Vorstellung unserer zur gemeinen ruheund wolvcmehmen führenden Neigung fast un-gerne angehöret/und unsere Gesandten ohnedie verlangte behörige resolution zurück reisenlassen. «Lintemabl die begierde zu einer un-beschranckten herrschung schon so tiefe wurhelgeleget/daßsi'e durch Worte und zureden nichtweggeräumet werden konte. Und schlugennun alle Handlungen/und der gantze Proceß imReiche/nicht zu einem Königl. regimente/son-dern zur offenbahren gemalt aus. Wrsman von der Witz und rechte verlangte/wur-de versaget. Niemand war seines zustandesversichert: Wer reich war/der muste böses ge-than haben; und schritte man nicht irgend mitsanfftem gange zu den mancherley arten derprcffuren / sondern man liess mit geschwmdemeyfer fort/ um zu erweisen/ daß die lang ge-suchte gclegenheit nun eilends ergriffen wur-de/das freye Wahl-Reich zu einem Erb - Kö-nigreiche zu verwandeln. Die freyheit lidtenun unverzüglich gemalt / die ehre der gesetzewurde geschimpffet/ die vornehmste unterge-drückt / der Adel von seinen gücern ins elendverjagt/und ihre liegend-und fahrende haabeder kammer zugesprochen. Die ehren - ämttrund chargen wurden zum präjuditz der Rei'chs-rechte an fremde vergeben. Wider die/ wel-che sich der freyheit annahmen / oder in ver-dacht fielen/ durch unzugelastene Wege diesembeginnen zu widersprechen/wurde ein beschwer-liches inquilmons -gerichte angestellet. DieGrasten hat man in ungerechten Proceß verur-theilec/und sie durch den henckcr auf unerhörteweise zur stäupe hauen lasten / damit sie allerWelt dasmerckwürdige t-esis zeugniß.dergrau-samkeit vorstellen sollen. Wiewohl dieses zuerfüliung der räche noch nicht genug war;sondern es wurden der vertriebenen oderHingerichteten leute kinder/über das/daß mausie zu armen waysen gemacht/zur Verdoppelungihres elends an den bettelstab gewiesen. Zudiesem lrauer-spiele kam die einnehmung derEvangelischen kirchen/ dabey die taubsinnig-,Ggg keit!