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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischen Herolds ander Theil, oder, Zuverlässige Beschreibung derer europäisch-christlichen Königreichen, freyen Staaten und Fürstenthümer
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4rL Des Europäischen Herolds zweyte Haupt-Handlung

gen der evcÄion und erhöhung zum Bönig-reich/ der lehns - empfängniß Heryog Ocro-csri in Böhmen/remporc^uliolpiii I, und vie-ler andern dinge mehr/ so aus den tMoncirkönren Herfür gebracht werden. So ha-ben auch bißhero so viele Römische Bai-ser das heilige Reich aus praga garitz löb-lich regiere tu.d.g.

Wird den- Jedennoch ist die beschreibung sothanennoch fügii- Königreichs Uln deßwegen allhier absonder-^eriich'abs!-lich beliebet worden/ weil es in keinem kreißehandelt, des Rom. Teutschen Reichs begriffen ist/sondern das Königreich/ samt denen dahineinverleibten landen und herrschafften/soelnKönig von Böheirn vom heil. Reich erkennet/gänhlich abgesondert sind/und von mehr besag-tem heil. Neiche/eigentlich zu reden /weder schütznoch schirm/friede noch recht haben ; daheroauch die Reichs - Stande und Unterthanenzu des Reichsgerichten nicht gezogen/ noch mitden Reichs-lasten/ steuren und cvnrribullürienwenigstens zeither zweyer Leculorum belegetwerden können; inmassen insonderheit diesesKönig Ferdinand i auff dem Reichs-tage zuAugspurg A. is48 in eigener höchster person vorseinem henn bruder demKaysevund denReichs-Churfürsten/Fürsten und Standen stattlichausgeführet; so gar/daß der König/ausser derKaystrl. wähl und krönungs - toleomtäten/nunmehro aber auch dem CMmlarions-wercke/mit den öffentlichen Reichs- angclegenheiten/krieg/ frieden/ alliantzen/gesttzen/ ordnungen/u. s w. gar keine gemeinschassr hat. Wiebeym d.uncloi'pio in /Vei.kubl.I. l. I. >o. c. zr. mitmehrcrn zu lesen/ und oben in seinem orte beybeschreibung des heil. Röm. Reichs Chur-fürsten gemeldet worden.

Alten ein- Dieses landes älteste einwohner sollen / so'vohner. man in den alten geschichten Nachricht fin-det / die boji, von welchen man den nahmenBöhmen oder Boyenheim herleiten will/ ge-wesen seyn / welche unter ihrem Hertzoge/ demLißovelo, aus 6s1Il2 Olcicaetwa 6Oojahr vorChristi geburt in diese harhlandc gewandertsind/und um die Elbe -brunnen als eine ange-nehme gegend sich niedergelassen / hernach aberihre lager hin und wieder nach ausgerodetenwaldern erweitert haben. Es halten einige da-für/daß das alte Böhmen/und zwar der strichgegen Mahren/Schlesien und Mitternacht vonden l^ermunclurir, der West-strich von denenblanlcis, und die mittägige gegend von denenkiarcomannerl sey bewohnt gewesen. Gewißist es/daß die Kojen aus ihrer Heimat oder Woh-nungen von denen btLrcomsnncn vertriebenund dem lande nichts mehr als der nähme übriggelassen worden von ihren alten Herren. IhrHeerführer war Hertzog Marobode/ welchermit seinen Schwaben von dcr Drab und Do-nau eine cxcurlivn in diese hartzlande gethan/und sie und ihre nachbarn bezwungen/und theilsan die Donau/Iser/ Amber und andere örterdes ihigen Bayerlandes versagt. Was diektarcnmsnnen nach der Niederlage/ die sie vonder Cherusker Hertzoge/Arminio/ und ander-weiten unglücklichen Macht mit den Katwal-den/ die den Hertzog MarolHden veranlassetzu der Römischen proreKion sich zu begeben/ undzu Navenna den rest des lebens zu beschliessen/

vor thaten verrichtet/ wie sie theils in Italienverrücket/ und neue Wohnungen gesuchet/wre siezum christlichen glauben kommen / und endlichvondemAmla in dieser gegend landes ausge-rottet worden/davon ist der hochbenahme Je-suit kobuslauz Kalbi-Nurl. r Oec. öok.c.

4 wohl zu lesen.

Als der Slaven General Czech in diese Böh-He-Mmische gegenden kommen/hat er sie fast öde ge-Nmmfunden; zu welcher zeit es aber geschehen/ dar- ertz-m«,über sind die sucvre5 mißstimmig. Die bestemcynung ist/daß dieser Hertzog etwa ums jährChristi Z19 in Böheim kommen. Und hat ih-me das land zu daneben / daß er einen löblichenStaat allda aufgerichtet/ die wüsteneyen zumanbau gebracht / auch verschiedene schöneschlösset'/städte/flecken und dörffer erbauet/diebergwercke aufgesuchet und erhaben / und sichüberall als einen löblichen Regenten erwiesen.

Seine residentzwaraufdem berge Zvzip/ itzoGeorgenberg genannt/und das erste durch ihnerbauete dorff hieß Blenec- Nach ftinemzwar übelgerathenen söhne/ nachdem er ohneleibes - erben verstorben im siebenzehndenjähre des alters und sechs und achzigsten der re-gierung/ ist nach neunjährigem lEreßvo undAnarchie Fürst Rrok/Hertzog Czechens reißge- §. M. ifährte/A.C.Z4snachgefolget/und dem landes-regimente eine geraume zeit vorgewesen/ unddessen freyheit wider Kayserlulmnum verfoch-ten/biß er endlich A. 39s auch todes verfahren.

Sein nachfahrer war Krokus n, HertzogCzechs enckel/ welcher auch Hertzog in Polengewesen/und Krokau oder Krakaü erbauet ha-ben soll. Nachdem er 39 jähr das land wohlregieret/ist er A. 434 ohne männliche erben ab-gangen. Unter seinen drey töchtern hat dieBöhmische Sibylla / l-ibulU genannt / das AGMregiment durchs loß im ^zigsten jähre ih-Richt«;«res alters überkommen / und iz jähr als Gemahl,jungfrau allein regieret ; hernach hat sieaus dem dorsse Stadjtz einen bauersmannoder dorff - richter daselbst/nahmens przemisloder prenrislnuen/ von dem pflüge zur Fürst- ^

lichcn würde erhaben / und zu ihrem Herrnund Gemahl angenommen. Bey seiner regic-rung ist das schloß Wischend/ welches Her-tzog Czech erbauet hatte/ erweitert/ und dergründ zu crbauung der stadt Prägn gelegetworden. Auch haben sich die silber-bergwer-cke mehr Herfür gethan. So hat man auchviel gold in den flüsscn gefunden. Als ervom pflüge zum regiments - rüder beruffenworden/ soll er seine reute oder stock in die erde/die pferde daran zu binden / gestoßen haben/welcher wundersamer weise gegrünet/und nichtzwar wie die rutheAarons wandeln/ sondernHasel-nüsse getragen; dahero lange zeit her-nach die einwohner des dorffes Stadih von K.

Carl iv die freyheit bekommen/ an statt allesandern tributs jährlich einemehe Hasel-nüßenach Hof zu liefern / und ist aus diesem Wal-de/ wo der stock bekileben / nachgehends beyKönigl.krönungen/ zum ewigen andrucken/al-lemahl eine metze Haselnüsse vor dem neuenKönig ausgeschüttet worden. Von diesemPrzemißlwill kalbinurin kljlcell. vec^.ls. lib.i. cap.z behaupten/ daß er ein Edelmann undErb-Herr zu Stadih gewesen. Er hat mit den

Römern