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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischen Herolds ander Theil, oder, Zuverlässige Beschreibung derer europäisch-christlichen Königreichen, freyen Staaten und Fürstenthümer
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Des Europäischen Herolds zweyte Haupt-Handlung

das ende solchen land - verderblichen kriegö-feuers ließ K. Ferdinand m seinen PrintzenFerdinand iv A. 1646 zum König in Böhmenkrönen/welcher das Unglücke hatte/ daß/ nach-dem der General Melander geschlagen / diestadt Praga A. 1648 durch die Schweden un-ter ihrem klugen und tapssern General GrafKönigsmarck mit lisc/ worzu ein frey -Fräncki-schervonAdel Ottowald anlaßgegeben/ jedochnur die kleinesseice und das schloß erobert wur-den; da immittelst der Coinmendante coloreciosich in die alte ftädt retirirte/bißsichs so wunder-lich fügen muste/ daß unter wahrender beläge-^ rung/und als es mit der stadt aufs äusserstekommen zu seyn schiene / und über 18222 stück-kugeln dahinein verschossen worden / und manschon die stücke auf den maurbrechen ge-pflanht hatte/die zeitung von dem zu Münsterund Oßnabrück geschlossenen frieden anlangete/und also der Plünderung und belagerung ein en-de machete. Der Kayser suchte das land in diefruchtnicssung des friedens zu versetzen/ kamselbst nach Prag/hielte A. 1652 eine Versamm-lung derChur- Fürsten allda ; und als zweyjähr hernach der bereits äellgmrt-und gekröntejungeKönigZerdinandiv dieses zeitliche segne-te/erklarete Jhr.Majcst. ders zweyten Herrnsöhn / den unvergleichlichen Ertz - HertzsgL E O p O L v E N/ zum Könige in Böh-men/und ließenIhn A.i6>6 die Crone zu Pragaufsetzen. Ihre Kön. Maj. traten sofort nachdes Herrn Vaters «bleiben die Königliche rcgie-rung an/ schickten den bedrängten Königen inPolen und Dänemarck die schon von demHerrn Vater bestimmte hülsse/ welche die Po-len gewaltig unterstützten / und den krieg inPommern rrsrukriren machten. A. 1662durchreisetensiederoerblande; und ist / aussereinigen aufstande der etwas zu hart gehaltenenunterthanen/und ausser der A. 16-9 und hernachgi-g-Krenden pest dieses Königreich unter solcherglückseligen regierung in einem erwünschtenWohlstände verblieben.

SrLnM Die LandschafftBöheim ist der äußerlichenund grdsse gestalt nach ovalrund / erscheinet in der sonnschafft Eb- eines ampftftlirscri, oder auch einer schonen ro-yrim. st/ und wird von dem so genannten Böhmer-walde und hartz-gebürgen/wie von einer crone/umzingelt. Zwischen diesen wäldern und ge-bürgen/als hinter zuvcrläßigen boll-undaussen-wcrcken/ vermeineten die Böhmen vor altcrsdermassm wohl verwahret zu seyn/ daß sie sichvor keiner auswärtigen gewalt fürchteten; in-massen denn auch gegen Bayern/ Voigtland/Meijsen/Laußitz undSchlesicn solche engezu-gänge sind/ daß ein fcind mit wenig mann-schafft abgehalten werden kau: und ob wohlim vorigen Teutschen kriege die päffe und zu-gänge etwas erweitert worden / so lässet dochdie natur sich nicht überwältigen/ und bleibtdas land deswegen doch wohl verwahrt.Seine gräntzenstynd heutzu tage vom mor-gen Mähren und Schlesien; vom abendeBarern / die Obcu-Pfaltz und das Vogt-land ; vom Mittage Oesterreich; und vonmitkernachtMeiffcn und Laußitz. liegthoch/weit alle darin» entspringende flüsse aus-werts/nur eineinhigcr aber/ nemlichdieEgcr/ins land stießen. Ist an sich selbst nicht groß/

mag aber stunt Schlesien und Mähren für einfein Königreich paßiren. Man rechnet es in dielange zu 4s/und in die breite zu zs Teutsche Mei-len. Der circumkersnh schreibet kslbmur Iiound mehr Meilen zu/und erweiset/daß es falschsey/ was 8^lv,u8 geschrieben/ daß manin drey tagen durch Böhmen reisen könne; be-vorab da die Böhmischen meilen grösser sind/als die Teutschen ingemein. Wentzel ^a-geck/ ein Böhme/ meldet in seiner Chronick/daß zu seiner zeit/ nemlich ums jähr Christs1541/ in Böhmen gewesen 122 städte/ darunter41 Königl. züz märcktc/ 258 Hauptschlösser/20Hauptkirchen mit Dom - Herren bestellt/171klöster/17 stissls - capcllen/ 22ZZ Pfarrkirchen/ ^undZ2z6z dörffer: andere zchlen mehr/ ande-re weniger; deren aber im Böhmisch-Teut-schen kriege viel verheeret/und seither nicht völligwieder angerichtet worden. .

Zu Zeiten R. Carl r V»und seines sohnes A. EA8wentzels/ bestünde das gantze Königreich nur KreO.auszwölsskreyßen/ anietzo aber sind dersel-ben xvii; nemlich . ^ «

i DerRaurzimer-kreyß/welcher vor den a> m" «Atestcnunter allengehalten wird/und seine benen-nung von der alten stadt Raurzim hat. Voralters wurde er durch absonderliche Hertzogeregieret/ vor welchen sich Praga zum öffternfürchten müssen. In diesem kreyße/ welchereinem gezäumten pferde-kopffe in der läge ähn-lich siehet/ werden drey freye Röriigl. städregczehler/ nemlich Raurzim eine grosse undwohlgebauete stadt/ Rottn/allwo ein altesschloß/ und Böhmisch Brod. Die städteder Königl. kammer sind: Gilowey/ so we-gen der goldgruben berühmt ist/ Brandeys/eine an der Elbe gelegene stadt und schloß/Przerow/Rostelez ander Elbe/Sselakowi-ca/Zapä/ undSaczka/ samt vielen Gräff-Freyhcrr-undAdelichen schlossern/ städten undörtern/darunterJankau/ welches die A.1644erlittene Niederlage der Kayserlichen berührntgemacht. Die Herren Grasten von Rau-nitz/E ternberg/Rolowrat/Lob kowitz undandere haben ihre güter in diesem bezircke.

Deßen vornehmster reichthum bestehet inholtz/wie auch in vem lachs - fange/ welchein grosser menge nacher Praga geflösset undgebracht werden.

>1 Der Hradeckcr.oder Rönigsgratzer-LerSMRrcyß/dessen sigur ein blumcn-strauß seyn soll/hat folgende freye Königl. städte: Nymburg/Hradeck oder Rönigsgräz/ eine schöne stadtan der Elbe/ Iaromirz/Bydzow/ Trutnowund Lur. Viele andere städte und örter be-finden sich in diesem Kreyße / welche dem Adelunterwsrffen sind/als Glyrn/wostibst ein festesschloß ist/Nachod/ Peczka/ Opoczna/ D 0 -bruska/ Usta/ Braunau/Dymokur/ Lhlu-mey/ Lopidlno/ Gilemnitz/ Gchmirzi-/Neustadt/Fezelitz/ Tynitz/ Hertziy/Hohe,,

Elbe/ politz/ ^erchenwein/ und viele anderemehr.

Es ist auch derselbe/ mehr als einiger ande-rer Krcyß/mir p.hasanen erfüllet/ dahcro manhin und wieder phasanen - Häuser siehet. Um^ymburg/Erachtet die gegend sehr kalt ist/gibt es köstliche mclonen und obst; wie dennauch die besten pferde in Böhmen allhier in den

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