Buch 
Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischen Herolds ander Theil, oder, Zuverlässige Beschreibung derer europäisch-christlichen Königreichen, freyen Staaten und Fürstenthümer
Seite
506
JPEG-Download
 

506 Des Europäischen Herolds dritte Haupt-Handlung

sten in den schubsäcken zu tragen pfleget. Derkragen des rockes stehet um den hals herum ge-rade in die höhe/ und ist vorne offen/ unter wel-chem der kragen des wammesstehet/ der eben sohoch/und von gleicher Kxon ist. Unter diesenbefindet sich ein gestärkter runder und weisserkragen / welcher einen finger breit über denwammes-kragen aufgeschlagen / und ist dashembde um den hals mit einem güldenen odervon diamanten besetzten knopffe zugemacht.Jedennoch muß mangestehen/ daß diese noth-wendige tracht vonPaduanischem tuch denendrob,li, absonderlich in warmerflchrcs-zeit/einerechte last und marter ist/und dienet ihnen diesesnoch zur csnloUtioa, daß sie unter den langenrocken vesten von schwacher seide nach derFrantzöischcn mode tragen dörffen.

Alle diejenigen/welche den langen rock tra-gen/ es stynd gleich Lcnscori, blosse diobiii oderbürger/ setzen nichts aufdas Haupt / als ein wei-tes baret von schwacher gestrickter wolle / wel-ches mitgrober herabhangender wolle bordiretist/und nicht anders ausstehet/ als eine schnürevon ziegen-haaren : der meiste junge Adelaber träget dieses baret mehr unter dem arm alsauf dem Haupte. Hiernechst seynd sie verbun-den/über den langen rock eine Kola zu tragen.Dieses ist ein doppelt genährter latz von schwar-hem tuche/ welcher länger als eine elle / und anbeyden enden mit einem breiten säum versehenist. Die jcnigen/ welche bereits zu Gcsand-schafften gebrauchet worden/dürffen eine lkolavon güldenem stücke tragen/ und ihre gürtet mitgüldenen buckeln auszieren lasten. Bey denandern ist dieser schwache leib-gurtnurmit sil-bern buckeln beschlagen. Sonsten ist die ttoUinsgemein mit einer schmalen güldenen galone' besetzet. Solche llols werffen sie gleich einerHaube über die lincke achsel/und halten es vorein zeichen ihres respects; dergestalt/ daß keindiobile auf dem Lroglio erscheinet/ er habe denndie kol- auf der achsel hengen. Es stynd aberdie jungen 8ol,,li nicht eher gehalten/ diesen Ha-bit zu tragen/als wenn sie zu einem fähigen altergelanget seynd/in den grosten Rath zu kommen/nemlich im fünffund zwanzigsten jähre. Nichtsdesto weniger bemühen sich die eitern / ihre kin-der gleich von dem funffzchnden jähre an zu demlangen rock zu gewöhnen/ indem sothane wacht/welche die Venerianer den Habit ihrer religionnennen / die jenigen / so darein gekleidet seynd/an die erbarkeit erinnert/krafft deren sie sich ei-ner sittsamen conäutte befleißigen sollen.

Indessen tragen die lgobil, <li VeneriZ diesekleidung nicht allein/sondern auch diebieckci,/zävocrren/ 8ecrecarien derRcpubligue/ dlocs-rien/viele Raths-bedientcn/ und eine grosse an-saht bürger; also daß sie ohne sonderbare be-kandtschaffc nicht von den Edelleuten zu unter-scheiden stynd/und siehet man zum össtcrn eineso ansehnlichbekleidcteperson auf dem marcktevor zwey ldnn laräinen/ so eine art kleiner meer-fischeist/kauffen.

DitMolwtt- Hcryogthum Venedig hat verschie-cmettlcr dene ?oci.-iN.nen/und die förderste ist zu cbiorrs,d«s Sr«akS die dritte zu blurano

u.s.m.

Der Staatcli lerra cherma begreifft siebenGouvernementer/als zu irsvllo, Vi>.en-

ra,Verong,6relcis, kergsmo und Lrems; untek

denen eine ziemliche anzahl kleiner städte/bür-ge/ schlösser und schanhen sind. Diese Gou-vernementi werden iedem diobil« nur auf 16monate verliehen / damit sie sich nicht zu reichund mächtig/ und endlich gar derselben Erb-Her-ren machen mögen; über die städte kaäous undLrelcis aber sind allezeit alte Raths-Herren/und über Verona und Bergamo alte erfahrnediobili gesetzt/die übrigen läßt man an jungeEdelleute aus den besten Häusern kommen.

Unter solchen 6ouveri»tori stehen die Lapics.oi clelle Lrme, worzu man allezeit die fürnehm-sten Lenstori pflegt zu gebrauchen/ welche denensoldaten und garnisonen dieser städte/ unddar-zu gehöriger festen Plätze zu commsoöiren/ auchdie zwischen den Officirern und soldaten vorge-hende Händel zu entscheiden/und die Verbrecherzu bestraffen haben. Unter ihre auffsicht gehö-ret auch die repsrsrur der torcikcscioas-gebau-de/ ingleichen die mcrauen und ünpoüen derstadt/ und davon öepeaclii-snber örter/ daher ih-nen die Lamerlmge rechnung thun müssen:Denn der und der kuiegs-Lapitainsind die Obrigkeiten/welche aussdcm lan-de die Majesiät des Staats zu ^sLlenti-ren haben. In kleinen städten sind diese bee-de chargen einer person übergeben. Es sindauch in den grossen städten Castellanen verord-net/ die unter des Lingvo befehl stehen.

Im krisul ist der ?rovsciltors Leaersls cli ?»!>m- i^uova der oberste befehlhaber über diegantze Provintz/und jederzeit ein wohlverdien-ter Seaakore auffzwey jähre lang. Der zwey-,te istder l.uogsleoelilezu Ucliae, welcher nachausgang seiner bkgikratur zum colliigUo usOteci auffgenommen werden kam Unter ih-me stehen der Marschall von Uäme, welcheseine art der Castellanen ist/ und der Ncntmci-ster daselbst.

Lspo ä' lüria, welches die Hauptstadt dieserProvintz ist/ wird durch einen koöeüä unddrey Raths-Personen regieret/ welche armeEdelleute sind/ desgleichen auch die übrigen/als Littä dluovs, ksrenro und andere mehr/ihre sonderbare poclettsrien haben/ welche meh-rentheils armen diobili überlasten werden/undwähren die obrigkeitlichen ämter im kw-ul»lüricn/ wie auch in Dalmatien/ und in denZnsulcn der l^evaare, zwey jähre lang.

In Dalmatien führet der kroveäicore 6s.nersle das commando über die (rvuvernawichkroveäicoriund estteltsn, der städte-UNd festenPlätze der gantzen Provintz. Diese chargeist von grossem einkonnnen/ und wird jederzeitan einen krocurscore oder alten wohlverdien-ten Lenacore ertheilet. Unter ihme flehet einfremder General / der die militz conimsoolret.Die Obrigkeiten aber der vornehmsten städtein Dalmatien/ zum exempel/^Zi-s undtro, haben ein zugeordnetes Loniiglio von dreyVenetianischen t^obili, ohne welche sie nichtsentscheiden dörffen; und diese gehorsamen dem

krovcclirore.

Zu Corfu hat der Staat einen pi-ove-li-tme und dreydlobill-ji Vsnsriä als Lonliglie-ri, deßgleichen auch auff0efaloms,23nre und6erigo. MeInsulen im mittel-mecr habenzu ihrem obersten befehlhaber einen kroveck.

tor»

X