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Parteienin Bern,Steigerund
Frisching.
freundschaftlichen Kreise, in welchem ich lebte, hinaus indie kränkendsten Lagen versetzt, welche mit den traurigenEreignissen im Monate März des Jahres 1798 ihren Anfangnahmen.
Der Grosse Rath, wie oben bemerkt ist, nun zahlreicherdurch die Deputirten des Landes, schwankte zwischen ener-gischen und kleinmüthigen Beschlüssen. Zwei Hauptparteientheilten denselben. An der Spitze der einen stand der 69-jährige Greis, Schultheiss Niklaus Friedrich von Steiger. Anden alten Klassikern hatte er nicht bloss seinen Geist, wieso mancher Gelehrte, so mancher gewöhnliche Staatsmann,sondern, was weit mehr werth ist, sein Herz und seinenCharakter gross gebildet. Wovon nach zwanzigjährigen blutigenErfahrungen die ersten Monarchen Europas und ihre Ministerim Jahr 1818 erst überzeugt zu sein schienen, das war fürden Schultheissen von Bern schon in den Jahren 1792 und1793 zur unumstösslichen Wahrheit geworden. Keiner hatrichtiger, als er, die Folgen der französischen Revolutionvorausgesehen. Nur Kraft und Energie konnten, seiner Ueber-zeugung nach, Bern und die Eidgenossenschaft retten. Wennman auch zu schwach wäre, die Uebermacht zu besiegen, sosollte man, rieth er, der Altvordern würdig untergehen undden Tod einer schimpflichen Unterwerfung vorziehen. Erhoffte zugleich auf diese Weise in Europa ein allgemeinesInteresse für die Schweiz zu erregen, den Krieg in die Längezu ziehen, dadurch Oesterreich Zeit zu geben, die Unterjochungder Eidgenossenschaft zu hindern, der es, so lange es selbstnoch Kräfte besass, nie geduldig sollte Zusehen können. Ander Spitze der andern Partei stand der Deutsch-SeckelmeisterKarl Albrecht von Frisching. Er war fünf Jahre jünger alsSteiger, ein talentvoller, im Umgänge liebenswürdiger, in denGeschäften erfahrener, und was in zahlreichen Versammlungen