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eilte noch den gleichen Tag ins Grauholz, wo er die Nachtunter freiem Himmel zubringend, den letzten Tag des freienVaterlandes erwartete, um für dasselbe, wenn es die Vorsehunggestattete, sein Blut in den Reihen der letzten Vertheidigerzu verspritzen.
Auf seiner Brust glänzte der Stern des schwarzen Adler-Ordens, damit des Verrätliers Rohr ihn fände, wenn es ihnsuchte. So endete im Vaterlande der alten Republik Bernletzter Schultheiss.
Es sei mir erlaubt hier beizufügen, dass ich mich ihmnahete, als er das Rathhaus zum letzten Male verliess. Ersagte mir : «Nun ist meine Stelle, wo die feindlichen Bajonnetteherandringen». Die Nacht brachte er im Grauholze zu heieinem Wachfeuer, um das der Dragoner-Hauptmann von Sinnervon Worb sich mit seinen Leuten gelagert hatte. Steiger sahseine Vaterstadt niemals wieder und starb zu Augsburg den3. Dezember 1799.
Eine provisorische Regierung trat also den 4. März ansRuder des Staatsschiffes. Seckeimeister von Frisching wardzum Präsidenten derselben erwählt.
Auch ich wurde zu einem Mitgliede derselben ernannt,zugleich als Oberst-Kriegscommissär bestätigt und mit nochgrossem Vollmachten versehen, da heim Heranrücken derfeindlichen Armee mein Departement erst recht in Anspruchgenommen werden sollte.
Am 5. März erfolgten die Gefechte zu Neuenegg, zu Frau-brunnen und im Grauholz. Die provisorische Regierung ohneAnsehen, kein Zutrauen einflössend, und erst seit gesterneingesetzt, wusste sich nicht zu helfen.
Die Wachtfeuer brannten auf den Höhen, die Sturm-glocken ertönten zu Stadt und Land, die Trommel rief allewaffenfähige Mannschaft zum letzten Kampf, Truppen eiltennach allen Richtungen, die einen in Ordnung, die andernunordentlich, und gleichsam wiithend, den Gegenden zu,woher nun der Donner des Geschützes sich Schlag auf Schlag
JennerMitgliedder proviso-rischenRegierung.
Der
5. März1798.