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Rapinat
und
Rouhière.
ihrer vollen Gegenwirkung; die Geissein Berns waren nochnicht freigelassen, die Erpressungen aller Art dauerten fort,auch waren hinwieder die von mir übernommenen, geheimenund öffentlichen Verpflichtungen noch nicht erfüllt. DieseLage der Dinge, nebst dem Ansuchen so vieler Berner, dassich diese Stelle nicht ausschlagen und das angefangene Werkdurchzusetzen unternehmen sollte, bewogen mich, obschones damals mit meinen Empfindungen im grellen Gegensätzestand, das Ernennungspatent anzunehmen. Weniger Ueber-windung kostete es mich, die Vollmachten der Verwaltungs-kammer zu übernehmen (Beilage Nr. 26) ; und so reiste ichEnde Mai 1798 nach Paris ah.
Während meiner Reise dahin suchte die Verwaltungalles mögliche anzuwenden, um, in Hinsicht der Vollziehungdes Vergleichs vom 8. Floréal, den Commissär Rapinat aufbessere Gedanken zu bringen. Hr. Burgerschreiber Lüthardtbegab sich nach Zürich, legte ihm die von Paris erhalteneneuere Bestätigung der Verkommnisse vor, vermochte aber,so wenig als ich, seinen Zweck zu erreichen. (Beilage Nr. 27.)Obschon Rapinat, ein ungebildeter Rechtsagent von Colmar,öfters dem Trunk ergeben und, seiner Verschwägerung mitReubel und ausserordentlichen Gewalten wegen, aufgeblasenwar, wurde er doch meistens nur durch Rouhière, den Com-missär-Ordonnateur, und nicht aus eigenem Antrieb, zumSchlimmen verleitet. Von Natur war er nicht böse, und seinName hat ihm mehr als alles übrige geschadet. Jener Rouhièrehingegen, aus der Franche-comté gebürtig, klein von Gestalt,auch an Gesicht und Bildung unter dem Gewöhnlichen, hattezu seiner Haupteigenschaft eine grosse Thätigkeit und wusstegeschickt genug die Taschen seiner damaligen Obern zuspeisen. Daher war er auch ohne Maass und Ziel auf Gehlerpicht ; und ich darf wohl sagen, dass er am meisten fürseine Rechnung aus der Schweiz fortgeschafft. Wohlbewusst,dass ich ihn durchblickt hatte und seinen Gang kannte,schmeichelte er mir und schob seine abschlägigen Antworten