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gebrachte Inschrift aufmerksam. Vor dem Bibliothekgebäudeund in der Cour du Collège — hatte sich eine so ungeheureMenge Neugieriger zusammengedrängt, daß Bonaparte mitseiner Begleitung kaum durchzudringen vermochte. Die Lufterschallte auch hier von dem tausendfachen Iubelgeschrei; „viveBonaparte! vive le héros de la liberté!“
Der große Enthusiasmus der Genfer schien auf Bona-parte angenehm einzuwirken, denn er äußerte hier gegen denSyndic die Absicht, ihm nach dem Besuche der Bibliothekebenfalls einen Besuch zu machen, und da der Syndic sich sehrgerührt über die dadurch dem kleinen Genf erwiesene Ehrebezeugte, erwiederte Bonaparte: „daß eine Republik von30,000 Seelen in seinen Augen so ehrenwerth sei, wie einevon 30 Millionen!"
Dem Besuche Bonapartes auf der Bibliothek wohntenaußer seiner Begleitung die beiden Herren Bibliothekare bei.Als ihm einer derselben ein prachtvolles Manuskript der heili-gen Schriften zeigte, erwähnte er eine Anekdote, die den jü-dischen Historiographen Iosephus und dessen Originalhandschrift. seiner Geschichte betraf, die erst kürzlich von Monge und an-dern französischen Gelehrten in einem Kloster Italiens entdecktworden sei. Es beweise nun aber diese Originalschrift, daßdie dem Iosephus zugeschriebene Beschreibung der Persönlich-keit Christi, über welche Jahrhunderte hindurch die Gelehrtenaller Länder sich den Kopf zerbrochen, in Wirklichkeit nur einevon fremder Hand geschriebene, dem Originaltext viel späterangehängte Erfindung sei. — Nachdem führten die Biblio-thekare Bonaparte vor sein eigenes, erst vor wenigen Tagenaus Italien angekommenes, von dem Genfer Künstler, BürgerMenu der Bibliothek geschenktes und in weißem Marmor ver-fertigtes Brustbild, mit der Frage: ob er sich in demselben
heute seinen Namen führen — ward Rousseau geboren — und nie hat erselbst da gewohnt, sondern das wahre Geburtshaus Rouffeau's liegt auf demjenseitigen Ufer der Rhone und befindet sich in der sogenannten Grande Rue
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