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wendete sich gegen Hrn. Wurstemberger und sagte: „Ich wußtenicht, daß der Herr Schultheiß Steiger jemals als Militärgedient hat; wo hat er gedient?" Wurstemberger erwiederte,daß allerdings Schultheiß v. Steiger nie Militär gewesen sei.„Wie kommt er denn aber zum schwarzen Adlerorden?" Wur-stemberger erwiederte, daß er ihn vom König von Preußen-erhalten habe. Bonaparte fragte: „bei welcher Gelegenheithat er ihn erhalten? " Auf diese Frage blieb Herr Wur-stemberger kurz; dagegen gab Herr Haller die nöthige Aus-kunft. Bonaparte sagte darauf: „Um so schlimmer! umso schlimmer! Ich bedaure, diese Schwäche in dem HerrnSchultheiß zu entdecken, für den ich so viel Achtung und Ver-ehrung hege/' Und Bonaparte wiederholte noch einmal: „Esthut mir leiv, diese Schwäche in dem Hrn. Schultheiß entdecktzu haben. Ein Schultheiß einer freien und unabhängigenRepublik sollte nie eine Ehre darin erblicken, eine militärischeDekoration eines Fürsten zu tragen, wenn er sie nicht mitseinem Blut erlangt hat." ')
„Iunot nahm dann seine Besuchsschilderung wieder aufund sagte schließlich: daß der Herr Schultheiß äußerst höflichsei, daß er ihn wahrhaft iy Verlegenheit gebracht habe; erhabe ihn bis zur Treppe begleitet, habe sogar noch herunter-gehen wollen; mit Mühe habe er ihn daran verhindern können?)"
') Auch dieses wird etwas verschieden erzählt im ersten Bericht. Hr. vonGraffenried macht hiezu die Bemerkung: «quoique kouaparle distribuapar la suite à pleines maius son aigle , il n’en donna jamais àaucun Magistrat Suisse .»
2 ) Diese große Höflichkeit und Urbanität unseres edlen, geistreichen beimischenStaatshauptes, zu Ende des verflossenen Jahrhunderts, war allbekannt Soerzählte mir ein jetzt hochbetagter Greis (Rathsherr v. Stürler), daß kleinst-als junges Herrlein, gepudert und an der Seite das Degelein im Falle ge-wesen sei, dem Schultheißen v. Steiger einen Besuch in der Hoffnung zumachen, von ihm die Erlaubniß auszuwirken, die polizeiliche Tanz- oder Ball»Schlußstunde von 9 Uhr Abends um Etwas für eine kleine, auf den Abendstattfindende Tanzpartie, deren Ehrenkavalier er war, hinausschieben zu dürfen.„Schultheiß v. Steiger bewohnte damals das Haus, in welchem bis z. 1.1853