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Aufgabe, „denn es ist keine kleine Arbeit und kein Spass,Adjutant-Major bei einem Bataillon zu sein, wo Soldatenund Offiziere Neulinge und Rekruten sind.“
Das zweite Regiment, unter dem Obersten Castell ain Avignon organisirt und der achten Militärdivisionzugetlieilt, ward zur Verteidigung der Mittelmeerküstenbestimmt; am 30. September liess der Divisions-GeneralCeroni 200 Mann vom Regiment nach den liyerischenInseln an der Südostküste Frankreichs bringen. x ) Beider Rekrutirung desselben leistete wesentliche DiensteJohannes Wieland von Basel, * 2 ) der, als junger BurscheAugenzeuge bei der Kaiserkrönung Napoleons in derNotre-Dame-Kirclie zu Paris am 2. Dezember 1804, durchden Anblick der Garden desselben zum Entschluss be-geistert worden war, dessen Adlern Heerfolge zu leisten.Von Basel, wo er als Oberlieutenant der Rekrutirunghalber zunächst bleiben musste, sandte er gegen 120Rekruten, jedoch meist ausgediente Leute, zum Regiment,dessen Depot sich in Besan^on befand, damals nocheiner der angenehmsten Garnisonsstädte von Frankreich.„Billiges Leben, schönes Schauspiel, hübsche Prome-naden, eine äusserst angenehme Gesellschaft, in der dasMilitär gerne gesehen wurde, schöne Kasernen, freund-liche Umgebungen, — man fühlte wohl, dass man sichin einem Waffenplatz befand; da galt die Uniform etwas;sie wurde überall freundlich empfangen, was in denHandelsstädten nicht immer der Fall ist.“ Wie glücklichschätzte sich Wieland, endlich auf lange Bitten die Ordrezum Abgang in dieses verlockende Depot zu erhalten,dessen Kommandant Henri de Villars von Freiburgwar. Als glücklichster der Sterblichen, wie er mit
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2 ) Dessen Erinnerungen, im Basler Taschenbuch 1864 abge-drnckt, sind als ein Muster humorvoller, schlichter Darstellungeines napoleonischen Schweizeroffiziers von altem Schrot undKorn zu betrachten.