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Zur Kritik über den gegenwärtigen Stand der Frage von den Blasenfunctionen / von Fritz Born
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sehen wir, wie die verschiedensten Momente angeschuldigt wurden:Druck von der hinteren Wand her (Haller), dann von der vorderen(Kohlrausch) auf die Urethramündung, hernach ein auch im Todenoch schliessender, im Leben der Verstärkung fähiger Sphinkter(Heidenhain, Colberg, Uffelmann, Sauer, Rosenplänter)oder ein von elastischen Fasern unterstützter, im Leben keinem To-nus unterworfener Ringmuskel (v. Wittich, Rosenthal); hernachfinden wird Budges vermittelnde Ansicht und diejenige von Mossound Pellancani, welche peripherwärts gelegene Muskeln anschul-digen; dann Barkows Meinung, welcher allein auf elastische Fa-sern reeurrirt, die aber später als glatte Muskelfasern entlarvt wer-den und von He nie den Namen Sphincter vesicae internus erhalten.

Anmerkung. Henles Beschreibung der Muskelgruppen ist klar,jedoch darf nicht verschwiegen werden, dass dieselbe nicht von Jedermannacceptirt worden ist. Während Dolbeau, Jarjavay und Sappey inihren Beschreibungen mit ihm übereinstimmen, zweifeln Broca und Giral-des (Bulletin de la socidtd de Chirurgie. III. p. 320) an der Constanz dieserVerhältnisse, und Rieh et (Tratte pratique danatomie medico - chirurgicale.Paris 1873) wiederholt den von Cruveilhier (Anatom. Tom. II. p. 714)gethanen Ausspruch:Le vague et lincohdrescence des descriptions de cesphincter prouvent assez quil nexiste aucune disposition musculaire biendvidente au col de la vessie. Alle diese Autoren stimmen jedoch darinüberein, dass sie im Bereich des Blasenausgangs, wo der Verschluss derBlase zu Stande kommt, sowohl eine gewisse Anzahl kreisförmiger glatterMuskelfasern, also einen Sphincter vesicae internus, als auch Züge von mehroder weniger ringförmig angeordneten quergestreiften Fasern, also einenSphincter vesicae externus annehmen.

Eigene Versuche.

Zu unseren Untersuchungen, welche wir über die Art und Weise,wie der Blasenverschluss zu Stande kommt, anstellten, standen uns imLaufe von 1 l k Jahren über 40 Cadaver jeglichen Alters und Geschlechtszur Verfügung. Nachdem wir eine Menge Versuche über die Festig-keit des Verschlusses unter den verschiedensten Bedingungen vorge-nommen hatten, wurde zur Lösung der Frage über die Natur diesesVerschlusses geschritten. Dabei musste es einmal von der grösstenWichtigkeit sein, mit Bestimmtheit den Ort festzustellen, wo sich diePforte schliesst, und dazu schien uns die geeignetste Methode die derInjection der Blase vom Ureter aus zu sein. Der Ureter musstedeshalb gewählt werden, damit das Urethralostium in keiner Weiselädirt werde, damit wir so einen natürlichen Abdruck und keineKunstproducte gewönnen. Injicirt wurde meist vom linken, zuweilenvom rechten Ureter aus, manchmal von beiden. Als Injectionsmasse