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Zur Kritik über den gegenwärtigen Stand der Frage von den Blasenfunctionen / von Fritz Born
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abgeprägt, auf Tafel Figur II 3 scheinen zwei seitliche schwach an-gedeutet. Auf Tafel Figur IV 3 fehlt jede feinere Andeutung. Inder Regel findet man also Schleimhautwülste um das Ostium, welchedasselbe verschliessen. Allein dieselben würden an und für sichwenig Widerstand bilden, wenn sie nicht gestützt würden. Dass siein der That nicht das wesentliche Verschlussmittel bilden, scheinenmir die Abgüsse darzuthun, wo sie fast ganz fehlen, während beider Injection doch kein Gyps durch die Urethra abgeflossen war. IhreWirkung, wenn sie sich aneinanderlegen, ist derjenigen der NoduliArantii an den Herzklappen zu vergleichen. Sie verstärken den Ver-schluss, allein um ihn selbständig zu bilden, dazu sind sie zu schwach.Man kann die Wülste mit der Pincette leicht hin- und herbewegen;sucht man aber in das Ostium einzudringen, so findet man, dass sichder Hauptwiderstand etwas unterhalb der Wülste im Anfangstheilder Prostata geltend macht. Da fühlt auch der eingehende Fingereinen derben elastischen Ring, und dieser Ring ist nichts Anderes, alsder Sphincter vesicae internus, das Planum elasticum circulare ostiiurethralis Barkows. Auf ihm ruhen die Schleimhautwulste und siewerden durch ihn gestützt, während der Urin in der Blase sie gegendenselben presst und sie zwingt, sich aneinanderzulegen. Auch imTode bei vollständiger Erschlaffung ist seine Spannung stets nochgenügend zur Verschliessung des Ostiums. Dehnt man ihn in derLeiche kräftig, so bleibt er offen stehen; man sieht jetzt immer nochdie Wülste, aber das Ostium klafft; dieselben berühren sich nichtmehr und werden nicht mehr gestützt. Dass jener verschliessendeRing der Sphincter internus und nicht der externus ist, beweist derUmstand, dass der Verschluss sich so hoch oben in der Prostatamacht. Der Sphincter externus liegt tiefer. Wenn er den Verschlussbedingt, so ist zu erwarten, dass man den Colliculus seminalis imAbguss, wenn nicht vollständig abgebildet, so doch angedeutet findet,indem wenigstens an der hinteren Wand die Fasern dieses Muskelserst unterhalb des Colliculus auftreten (s. die Abbildungen Henles).

Dieser Schluss in dem Anfangstheil der Prostata ist der häu-figste, den wir finden. Er ist vielleich der einzige, wenn wir dieInjection genügend schwach machen. Im Anfang wählt man dieseEinspritzungen gewöhnlich zu voluminös und forcirt dadurch dasOstium, so dass Gyps durch die Urethra abfliesst. Bei der Blaseeines 10jährigen Knaben waren wir erstaunt, bei der Herausnahmeden Gyps bis an die Pars membranacea vorgedrungen zu finden. Eswar kein Gyps abgeflossen und fand sich auch keiner irgend sonst woin der Urethra . Man sah auf der unteren Seite'deutlich den Abdruck