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Zur Kritik über den gegenwärtigen Stand der Frage von den Blasenfunctionen / von Fritz Born
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starre. Auch wenn man behutsam einspritzt, fliessen gewöhnlich noch3040 Ccm. Flüssigkeit durch die Harnröhre ab. Indessen betrugbei Messung durch einen in die Blase durch den Ureter eingeführtenKatheter der Druck zur Eröffnung einer leeren Blase bei einem53jährigen Mann 24 Stunden nach dem Tode 15 Ccm., wobei dieBlase 170 Ccm. enthielt, bei einem 39jährigen 43 Stunden nach demTod, wo die Todenstarre schon etwas abgenommen hatte, fülltesich die Blase bis auf 670 Ccm. und zeigte einen Druck von 19, be-vor Urin abfloss. Wenn wir nun bedenken, dass in der normalenerwachsenen Blase beim Mann 170 Ccm. Anfüllung im Mittel einerDruckhöhe von 912 Cm. in der Rückenlage und 670 Ccm. einersolchen von 1520 entsprechen, so geht daraus hervor, dass auchim Tode unter den ungünstigsten Umständen der Ver-schluss noch so fest ist, dass er den Ansprüchen genü-gen würde, die die lebende Blase bei schwachen undmittleren Füllungen an ihren Thorhüter stellt.

Bei jenen in leerem Zustand erstarrten Blasen scheint der Bla-senverschluss an Festigkeit zuzunehmen, wenn man die Blase zuerstdehnt, was vielleicht daran liegt, dass dabei die Längsfalten derSchleimhaut, welche zwischen sich Rinnen freilassen, durch welcheder Urin abfliessen kann, verstrichen werden. So fanden wir beieinem Mädchen von 21 Jahren, Morbus Basedowii, 40 Stunden nachdem Tode bei starker Todtenstarre einen Schliessungsdruck von 5 Cm.,überhaupt den geringsten Werth, dem wir jemals begegnet sind. Da-bei dehnte sich die Blase so zu sagen gar nicht. Hierauf drückten wirvon der Scheide aus die Urethra zu, dehnten die Blase, Hessen los,das Wasser spritzte zum Theil heraus, und jetzt sank der Schliessungs-druck nur auf 8; und als wir denVersuch wiederholten und die Blasenoch stärker dehnten, sank er schliesslich nur auf 18 Cm.

Oft kann man bei männlichen Leichen, und zwar besonders beiälteren Individuen mit ausgedehnten Blasen ganz enorme Druckwerthefinden. Zuweilen genügten 230 Mm., das Maximum des uns zu Ge-bote stehenden Druckes, noch nicht zur Eröffnung, und wir könnendaher Rosenthals Angabe und die Budges, dass Druckwerthevon 180 an und mehr Vorkommen, bestätigen.

Jener Versuch, wo wir bei todtenstarrer Blase nach der Dehnungeinen grösseren Druckwerth für die Festigkeit des Sphinkters fanden,widerspricht keineswegs den Angaben v. Wittichs, dass während-der Todtenstarre der Verschluss fester sei als nachher; denn wir^lösten in unserem Experiment nur die Starre der Blase, aber nicht. die der Verschlussmuskeln, da wir ja durch Zuhalten der Urethra die-