Buch 
Zur Kritik über den gegenwärtigen Stand der Frage von den Blasenfunctionen / von Fritz Born
Entstehung
Seite
38
JPEG-Download
 

38

Die überwiegend häufigste Ursache des Harndrangs ist die Dis-tension. Es ist indessen nicht die passive Ausdehnung der Blasedurch ein gewisses Quantum Urin, sondern es ist der Druck, denein beinahe imcompressibler Inhalt auf die in Contraction begriffeneBlasenwand ausübt. Die Blase ist, wie von keiner Seite mehr be-zweifelt wird, einem beinahe continuirlichen Tonus unterworfen.Bei einem gegebenen Blaseninhalt kann die Wandung stärker oderschwächer auf den Inhalt drücken, oder was dasselbe ist, ein unddasselbe Quantum Urin kann unter einem bald höheren, bald tie-feren intravesicalen Druck stehen, je nachdem der Tonus höheroder schwächer ist. Es ist nicht die Grösse der Ausdehnung derBlase, sondern der Widerstand, den der sich contrahi-rende Detrusor erfährt, und die dadurch bedingte Deh-nung und Ermüdung, die den Harndrang bedingt. Soerklärt es sich auch, dass wir, ohne Drang zu verspüren, ein Quan-tum Urin in unserer Blase beherbergen, dass wir an einem anderenTag kaum zurückhalten können. Es ist an diesem anderen Tag derTonus verstärkt aus irgend einem Grund und daher der intravesi-cale Druck bei demselben Quantum grösser.

Mo sso und Pellancani construirten einen Apparat, der esihnen gestatte, Flüssigkeiten von beliebiger Temperatur und unterbeliebigem Druck in die Blase zu leiten. Ihre Versuche über dasZustandekommen des Drangs ergaben bei Hund und Mensch über-einstimmende Resultate. Es zeigte sich, dass der Drang zum Uri-niren wirklich von dem Flüssigkeitsgehalt der Blase relativ unab-hängig war, dass er aber vom Druck direct abhing. Sowohl beimHund wie beim Menschen entstand Drang, den die Thiere durchUrinentleerung äusserten, bei einem intravesiculären Druck von 20 Cm.Wassersäule. Allein das eine Mal konnte dasselbe Thier 124 Ccm.halten, bevor es Drang empfand, während es später 190 beherbergte,bis das Bedürfniss zu uriniren eintrat. Bei einem Mädchen trat regel-mässig bei 188 Cm. Druck Drang auf und zwar trotz Veränderungder Temperatur der Flüssigkeit. Das Bedürfniss zu uriniren trat ein(wenn sie die Blase vorher entleerten und auf eine einheitliche Artund Weise den Druck des Wassers in der Blase vermehrten) bei

Grad derFlüssigkeit

37

Druck

16

nach

Minuten

10

wobei

in

die Blase geflossen

waren

620 Ccm.

22

18

10

=

=

= =

=

=

516 =

1618

18

9

=

=

= =

=

=

480 =

6

18

8

=

=

= =

=

=

470 =

6,5

18

13

s

=

= =

=

=

418 =