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Zur Kritik über den gegenwärtigen Stand der Frage von den Blasenfunctionen / von Fritz Born
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centralen Vagusstumpfes bei Hunden Blasencontractionen hervorruft.Budge bestätigte diese Angabe, welche indessen später von Bert 1 )und Kehrer, ebenso von Sokowin 2 ) wieder angefocbten wurde.Ausnahmsweise soll diese Contraction auftreten nach Nuss bäum 3 ).Wenn also die Sache nicht sicher ist für den Vagus, so ist sie da-gegen unzweifelhaft für andere Nerven. P. Bert erzeugte solcheContractionen durch Reizung des Ischiadicus, des Medianus, des In-fraorbitalis, Hermann und Basch durch diejenige des Cruralis,Sokowin bestätigte mit Nussbaum diese Angaben und fügte denSplanchnicus hinzu. Er leistete ferner den Beweis, dass der Re-flexbogen durch die Grosshirnrinde gehe, wodurch wahrscheinlichgemacht wird, dass alle diese Nerven, wahrscheinlich überhaupt alle Ge-fühlsnerven Blasencontractionen auslösen können, indem sie Schmerz-empfindungen erregen. Wurde die Grosshirnrinde bei Katzen abge-tragen, so blieben diese Reflexe aus. Damit stimmt auch die Angabevon Mosso und Pellancani, welche nach Reizung der Schnauze,des Ohres, der Zunge mittelst des faradischen Stromes bei Hundenohne Ausnahme eine starke Blasencontraction hervorrufen konnten.

Reflectorische Contraction und reflectorische Verstärkung des To-nus tritt, wie wir betont haben, auf bei allen entzündlichen Processenin der Blase selbst oder in ihrer Umgebung. Dadurch dass die sen-siblen Nerven hier beständig gereizt werden, oder häufig durch directeReizung der Musculatur, entstehen in einzelnen Fällen in einem fortschmerzhafte Contractionen, in anderen ist die Blase ruhiger, dochgenügt stets ein geringes Quantum Urin, um die Zusammenziehunghervorzubringen. Es ist nicht der Schmerz, der die Blasencontrac-tionen hervorbringt, dieselben entstehen entweder durch Reflexe, dieblos durch das Lendenmark gehen, oder dann durch directe Muskel-reizung; dies geht hervor aus dem Umstand, dass Narcotica bereitskeinen Einfluss auf solche schmerzhafte Blasen ausüben. Trotzdemdieselben die Schmerzempfindung erlöschen lassen, bleibt der ver-stärkte Tonus bestehen, trotzdem alle willkürlichen und unwillkür-lichen Muskeln erschlaffen, bleibt die Blase contrahirt und lässt sichnicht dehnen. Es ist ein höchst gewagtes Unternehmen, den Ver-

1) Kehrer, Zeitschrift für rat. Medicin. XXIX. 1867. S. 144, und Bert, Ar-chiv. de la physiologie. II. 1869. 650.

2) Beiträge zur Physiologie der Entleerung und Zurückhaltung des Harns.Aus dem physiologischen Laboratorium der Kasaner Universität. Kasaner Univers.-Nachricht. 1877. (Jahresberichte von Hoffmann u. Schwalbe. Physiol. 1878. 85.)

3) Ueber die Innervation des Detrusor vesicae. Denkschrift der Warschauerärztl. Gesellschaft. Bd. XXVI. Heft 1.